AUTOR: Alexfandra
ÜBERSETZUNG: liv
GENRE: Slash, NC-17, Abenteuer, Drama, Romantik, Hurt/Comfort, Angst
FREIGABE: NC-17 / ab 18
SETTING: Der Prolog schließt direkt an den Film "Fluch der Karibik" an.
INHALT: Ein atemberaubendes Piratenabenteuer mit viel Rum, Spannung, Blut und Tränen, und sonst noch allem was dazu gehört.
KOMMENTAR: Wenn euch die Geschichte gefällt, dann gebt Alexandra bitte Feedback, gerne auch auf Deutsch.


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Pirate Dreams - Buch I
by Alexfandra


Will und Elizabeths erster Kuss hätte die Erfüllung all ihrer Träume sein sollen. Doch stattdessen überwog die innige Zuneigung, die beide füreinander empfanden, bei weitem das Gefühl der Leidenschaft. Im selben Moment, als sich ihre Lippen voneinander trennten, wussten sie, dass dies nicht der Anfang war von etwas Neuem, sondern eher das Ende einer überidealisierten Wunschvorstellung.
 
Sie ist wie eine Schwester für mich, dachte Will. Wie konnte ich das nur übersehen?
 
Mit erröteten Wangen senkte auch Elizabeth den Kopf. „Es tut mir so Leid, Will.“
 
„Es ist ja nicht deine Schuld.“ Liebevoll strich er ihr eine störrische Haarsträhne aus der Stirn. „Wir standen uns immer so nahe, vom Tag an als wir uns getroffen haben. Vielleicht waren wir uns einfach zu nahe.“
 
„Wie Geschwister.“
 
Erleichtert atmete er auf. Es war gut zu wissen, dass sie fühlte wie er. „Ja, genau so.“
 
Sie lächelte tapfer. „Ich hab mir schon immer einen Bruder gewünscht.“ Dann blickte sie reumütig in die Richtung, in die Norrington verschwunden war. „Ich vermute mal nicht, dass er mir verzeihen wird, wenn du und ich nach all dem, was passiert ist nun doch nicht heiraten.“
 
Wills Augen folgten ihrem Blick. „Hast du denn Gefühle für ihn?“
 
„Ich weiß es wirklich nicht. Er ist ein guter Mann und er liebt mich sehr.“
 
„Vielleicht brauchst du einfach nur ein wenig Zeit, um über alles nachzudenken. Genau wie ich.“ Er drehte sich um und blickte über die Brüstung nach unten, wo die Black Pearl gerade von Port Royal wegsegelte. War das Schiff etwa der Ort, an den es sein Herz wahrlich zog?
 
Elizabeth berührte ihn am Ärmel. „Ich glaube wirklich nicht, dass du das Herz eines Piraten hast, liebster Will.“
 
Das Schiff wurde immer kleiner am Horizont, während es Jack Sparrow ganz zweifellos seinem nächsten großen Abenteuer entgegen trug. Schon jetzt vermisste Will dieses breite Grinsen und diese herrliche Unberechenbarkeit. Aber er wusste, dass Elizabeth Recht hatte. Um sie zu retten hatte Will vielleicht die Rolle des Piraten spielen können, aber seinen wahren Charakter konnte dies sicher nicht beeinflussen.
 
„Ich weiß.“ Aber dennoch verfolgte er das fortsegelnde Schiff mit Verlangen und Sehnsucht im Blick. „Niemals könnte ich unschuldige Menschen ausrauben oder das Leben eines Piraten führen. Aber ich weiß auch nicht, ob ich mein altes Leben so ohne weiteres wieder aufnehmen kann, nur um ein gewöhnlicher Schmied zu sein.“
 
„Es ist Jack Sparrow“, sagte sie. „Er zieht jeden mit seinem Charme in den Bann. Man kann nichts dagegen tun, man verfällt ihm einfach.“
 
Will lächelte. „Noch nie hab ich jemanden wie ihn getroffen.“
 
„Und weißt du auch warum? Weil es niemanden gibt, der so ist wie er.“
 
Beide lachten. Dann lehnten sie sich gemeinsam an die Mauer und sahen dabei zu, wie die Black Pearl ihrer Freiheit entgegen flog, bis letztlich auch ihre großen Segel am Horizont verschwunden waren.
 
„Ich hab so ein Gefühl, dass ihr euch wieder sehen werdet“, erklärte Elizabeth zuversichtlich, als sie gemeinsam die Treppe hinab stiegen.
 
Wills Herz machte einen Sprung, als er zum ersten Mal realisierte, dass dies noch nicht zwangsläufig das Ende seines großen Abenteuers gewesen sein musste. „Ja“, antwortete er, als sie gemeinsam zurück zum großen Platz gingen. „Ich denke, du hast Recht.“
 
~*~**~*~
 
Als die Spanier einen Monat später völlig überraschend den Krieg erklärten, traf diese Nachricht Port Royal gänzlich unvorbereitet. Viele Männer waren gefallen als Barbossa die Stadt unter Beschuss genommen hatte, und noch mehr waren während des Angriffs an Bord der Dauntless getötet oder verwundet worden. Es war noch keine Zeit gewesen neue Truppen aus England anzufordern, genauso wenig wie ein neues Schiff, das die Interceptor hätte ersetzen können. Es gab viel zu wenige Männer und nur ein einziges Schiff zu ihrer Verteidigung. Unter diesen Umständen konnte nicht einmal Governor Swann Norrington für die schrecklichen Geschehnisse verantwortlich machen, die nun folgten.
 
Drei spanische Kriegsschiffe segelten in die Bucht und nahmen Port Royal gnadenlos unter Beschuss. Es gelang der Dauntless zwar, eines der feindlichen Schiffe zu versenken bevor sie selbst ernsthafte Schäden davontrug, aber dennoch hatte der Governor nach einem tapferen Kampf auf See und an Land keine andere Wahl als sich letzten Endes zu ergeben.
 
Die Spanier nisteten sich in der ganzen Stadt ein. Sie nahmen Swann, Norrington und all ihre Männer gefangen und sperrten sie in ihre eigenen Gefängnisse. Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass der Anführer der Spanier ganz zweifellos vorhatte, sich auf Dauer in Port Royal niederzulassen und die Stadt als strategische Basis für seine Flotte zu nutzen. Sein Name war Capitan Sevaldo, und dreist wie er war, machte er es sich geradewegs in der Villa des Governors gemütlich.
 
Will Turner wurde Zeuge von dem, was sich in der Stadt abspielte und auch er kämpfte tapfer als der Feind das Ufer betrat. Es war eine Attacke, die mitten in der Nacht stattfand. In seinem letzten Kampf gegen einen der Spanier trug Will eine tiefe Schnittwunde am Arm davon, als er gerade dabei war, seinem Gegner den Todesstoss zu versetzen. Völlig benommen vom Blutverlust fiel er nach hinten durch eine offen stehende Tür und kroch hinein. Er wusste, dass sie dem Feind zahlenmäßig unterlegen waren und dass sie diesen Kampf nicht gewinnen konnten. Daher beschloss er, sich erst einmal in Sicherheit zu bringen und sein eigenes Leben zu retten, bis er an einem anderen Tag vielleicht erneut die Gelegenheit haben würde zu kämpfen.
 
Er blieb also den Rest der Nacht in seinem Versteck und lauschte dem Lärm der Schusswaffen, der Kanonen und der klirrenden Schwerter überall um ihn herum. Er verband seine Wunde, so gut er konnte und rollte sich unter einem Tisch zusammen, wo er schließlich das Bewusstsein verlor und erst am nächsten Morgen wieder erwachte.
 
Als er die Augen aufschlug sah er, dass er sich in einer Bäckerei befand, die allerdings menschenleer war. Zu seinem großen Glück war sie jedoch nicht geplündert worden und so konnte Will seinem Körper die bitter benötigte Nahrung zuführen, indem er fast einen ganzen Laib Brot hinunterschlang. Sein Arm schmerzte höllisch und jetzt, da es Tag war und er in der Helligkeit ausreichend sehen konnte, nahm er sich die Zeit, in dem Geschäft auch ein wenig Wasser zu finden und einige saubere Stofffetzen, um seine Wunde sorgfältig zu verbinden.
 
Als er anschließend vorsichtig auf die Straße hinaus spähte, sah er zwei spanische Soldaten nicht weit von sich entfernt, und noch ein Stück weiter konnte er auch das Stadtzentrum erkennen. Die Kampfgeräusche waren inzwischen vollständig verstummt und er wusste, dass der Feind die Herrschaft über die Stadt übernommen hatte.
 
Was konnte er jetzt nur tun um zu helfen? Er war alleine und verletzt, daher würde er sicherlich nicht allzu viel ausrichten können. Will setzte sich auf eine Bank und begann nachzudenken. Er vermutete, dass die Spanier wohl bald die Stadt durchsuchen würden um alle Männer, die noch halbwegs in der Lage wären sich zu wehren, zusammen zu treiben und einzusperren. Zuerst einmal musste er also sehen, dass er aus der Stadt verschwand, irgendwo hin aufs offene Land. Und dann… was dann? Wenn es ihm irgendwie gelingen würde, an ein Boot zu kommen dann könnte er Hilfe holen…
 
Nachdem er nun endlich ein Ziel vor Augen hatte, packte sich Will einen ordentlichen Brotvorrat in einen großen Beutel, den er in der Bäckerei gefunden hatte, zusammen mit ein wenig Wasser. Dann schlich er sich leise und unauffällig durch die Hintertür hinaus in eine dunkle Gasse, um seinen Plan in die Tat umzusetzen.
 
~*~**~*~
 
Sein Plan lief wie am Schnürchen. Nichts und niemand hielt Will auf, als er aus Port Royal flüchtete. Er bahnte sich ungehindert einen Weg durch die Wildnis, durchquerte die Ländereien mehrerer Plantagen und setzte seine Wanderung durch eine kurze Schneise aus dichtem Gestrüpp und Palmen fort, bis hin zu einer kleinen Meeresbucht, wo ein paar einsame Hütten standen in denen Fischer mit ihren Familien lebten. Seine Wanderung dauerte den ganzen Tag und als er an den Hütten der Fischer vorbeikam und hinunter zum Landesteg lief, dämmerte es bereits und die Dunkelheit bot ihm zusätzlichen Schutz. Unten am Dock lag ein kleines Segelboot verankert, das nicht mehr als fünfzehn Fuß lang war. Wills Fähigkeiten reichten aus, um das Boot erfolgreich zu „kommandieren“, so schnell und so leise, dass – sollte sich tatsächlich jemand in den Hütten aufhalten – sein Aufbruch dennoch gänzlich unbemerkt blieb.
 
„Jack wäre so stolz.“ Will hisste die Segel und steuerte das Boot hinaus aufs offene Meer. Dummerweise hatte er keine Ahnung, wohin ihn die Winde trieben, da er weder eine Karte noch einen Kompass dabei hatte.
 
Jack hat immer auf sein Glück vertraut und genau so werde ich es jetzt auch machen. Er beschloss, dass es das war, was er tun musste um dieses neue Abenteuer zu bestehen. Er musste etwas Unerwartetes tun, er musste improvisieren und mit dem arbeiten, was ihm durch Glück in den Schoss fiel. Mit anderen Worten – er musste anfangen wie Jack Sparrow zu denken.
 
„Obwohl… vielleicht nicht ganz so verrückt.“ Will lächelte in sich hinein als er den letzten verblassenden Strahlen der untergehenden Sonne entgegen segelte.
 
~*~**~*~
 
Niemals hätte er erwartet dass ihm die Insel, auf der er am nächsten Tag strandete, bekannt vorkommen würde. Hatte er doch in seinem Leben wahrlich nicht viele Inseln besucht. Aber diesen Hafen hätte er unter Tausenden wieder erkannt.
 
Tortuga.
 
Und auch das große Schiff, das in eben jenem Hafen vor Anker lag, würde er unter Tausenden wieder erkennen.
 
Die Black Pearl.
 
„Man muss eben einfach nur auf sein Glück vertrauen.“ Er fühlte sich regelrecht belebt durch diesen ersten, wirklichen Hoffnungsschimmer seit dem Angriff der Spanier. Irgendwie würde er Jack schon dazu überreden können, mit der Black Pearl nach Port Royal zu segeln. Sie war wesentlich größer als die zwei spanischen Schiffe, die die Stadt bewachten, und sie hatte mehr Kanonen. Sie konnte siegen, davon war er felsenfest überzeugt.
 
Mit seinem gestohlenen Boot segelte Will in den Hafen und band das Schiff an einem der Docks fest. Niemand hinterfragte seine Ankunft an diesem wilden, gesetzlosen Ort. Sein Weg führte ihn geradewegs zu der Taverne, die er und Jack damals auch schon mit Gibbs besucht hatten. Bei Tageslicht erschien ihm der Ort relativ ruhig und er war in der Lage, zur Theke zu gehen ohne sich seinen Weg mit den Fäusten bahnen zu müssen. „Ich suche Captain Jack Sparrow.“ Er legte die paar wenigen Münzen, die er bei sich hatte, auf den Tresen.
 
Der Wirt betrachtete eindringlich zuerst die Münzen und dann Will selbst, bevor er das Geld langsam in seine Tasche steckte. „Dann gehst du am besten zu dem protzigen Haus oben auf dem Hügel am anderen Ende der Raven Street. Du kannst es gar nicht verfehlen. Es ist die einzige Villa, die wir in dieser gottverdammten Stadt haben.“
 
Villa? Will runzelte die Stirn. Er konnte nicht ganz glauben, was ihm der Mann da erzählte.
 
„Er ist steinreich“, sagte der Wirt. „Er stinkt geradezu vor Geld und die Klunker kommen ihm schon fast zu den Ohren raus. Du bist besser ein Freund von Cap’n Jack, oder du wirst es nicht einen Schritt weit durch das Tor und an seinen Wachen vorbei schaffen.“
 
„Ach tatsächlich?“
 
„Aber sicher. Ich würde dich doch nicht anlügen.“
 
„Besser nicht.” Will warf ihm noch einen scharfen, durchdringenden Blick zu, aber der Wirt blinzelte nicht einmal. Nun gut. Er verließ die Taverne, fand die Raven Street und eilte den Hügel hoch.
 
Ganz oben stand er plötzlich vor einem Eisengatter, das eine weite, grüne Rasenfläche einzäunte, an deren Ende ein großes, dreistöckiges Haus stand. Es hatte nicht ganz die Klasse von Governor Swanns Villa, sondern war vielleicht halb so groß, aber nichtsdestotrotz war es ziemlich beeindruckend. Am Tor wurde er von zwei bewaffneten Männern in Empfang genommen, die er als Mitglieder von Jacks Mannschaft wieder erkannte, obwohl er sich nicht mehr an ihre Namen erinnern konnte.
 
„Hallo“, begrüßte er sie betont gutgelaunt. „Kennt ihr mich noch? Will Turner?“
 
„Aye”, sagte der Größere der beiden. „Du bist dieser junge Tölpel, der sich mit Barbossa angelegt hat.“
 
„Ganz genau der bin ich. Wollt ihr mich nicht durchlassen?“
 
„Noch nicht.“ Er zog seinen Kumpanen beiseite und sprach leise mit ihm. Der nickte und trottete dann den Kiesweg entlang nach oben zum Haus. „Tut mir leid, Befehl vom Captain.“
 
Will wartete ungeduldig, bis die Nachricht seiner Ankunft bis zu den Bewohnern des Hauses vorgedrungen war. Schließlich kehrte die Wache zurück. „Der Captain sagt, er ist in Ordnung.“
 
„Dein Glück”, grollte der andere während er das Gatter öffnete. „Dann müssen wir dich nicht zusammen schlagen.“
 
„Danke.“ Will ging durch das Tor und lief den Weg entlang, hinauf zum Säulenvorbau der Villa. Die massiven Teak-Holz Türen schwangen weit auf als er die Eingangstreppe empor stieg und dort, mitten in der Tür, stand Jack Sparrow und grinste wie ein Honigkuchenpferd.
 
Überglücklich rannte Will die restlichen Stufen nach oben bis ins Haus und zog Jack in eine warme Umarmung. Als sie sich wieder voneinander lösten, hielt Jack ihn an der Schulter fest und schob ihn eine Armlänge von sich, während er ihn von oben bis unten genau musterte.
 
Jack grinste: „Du brauchst dringend ein Bad, Kumpel.“
 
„Danke.“
 
Jack löste seinen Griff, um Will auf den Rücken zu klopfen. „Es ist gut, dich wieder zu sehen, Junge. Komm rein, komm rein.“ Er führte Will einen Korridor entlang bis hin zu einer Art Salon. „Die Runde geht auf mich!“
 
Wills Verwunderung kannte keine Grenzen, als er die üppige und teure Ausstattung des Zimmers betrachtete. Die Tapeten, die Samtvorhänge, die dicken Teppiche, die Theke und das Sideboard aus Kirschholz, die ausladenden Sessel, das Sofa, die Gemälde, die Statuen.
 
Trotz Jacks großspuriger Ankündigung einer „Runde“, war niemand außer ihnen beiden im Raum. Jack ging hinüber zum Sideboard, das voll war mit Flaschen und Gläsern, und goss ihnen beiden einen Rum ein.
 
Er sah noch immer fast genauso aus wie Will ihn in Erinnerung hatte, obwohl er eindeutig ein wenig sauberer war. Ganz offensichtlich hatte Jack sich die bereits erwähnten Badeanlagen, die das Haus zu bieten hatte, vor nicht allzu langer Zeit ausgiebig zunutze gemacht. Er trug allerdings keine Bandana mehr und sein Haar war gekämmt, ohne all die zahlreichen Zöpfchen und Anhängsel. Er bot eine durchaus ansehnliche Erscheinung. Er trug noch immer seine übliche Hose und ein weißes Hemd, das am Hals weit offen stand, aber im Gegensatz zu früher war beides ebenfalls sauber. Entweder er hatte den Ärmel seines Hemdes inzwischen flicken lassen oder auch das Hemd war neu.
 
Er reichte Will das volle Glas. „Auf unsere Freundschaft.“
 
Will stieß dankbar mit ihm an und nahm erst einmal einen ordentlichen Schluck. „Mmmm. Astreine Qualität.“
 
„Schmuggler haben von allem immer das Beste.”
 
„Ist es das, was du in der letzten Zeit getrieben hast?“ Will blickte sich im Zimmer um. „Hast du dadurch all das Zeug hier bekommen?“
 
„Nur am Rande. Und nein, nicht dadurch.“ Jack gestikulierte und zeigte mit der Hand auf die Ausstattung des Raumes. Es waren noch immer dieselben, großzügigen, etwas merkwürdigen Handbewegungen, die Will inzwischen so gut kannte. „Hast du etwa nicht davon gehört?“
 
Will schüttelte den Kopf. „Wir haben überhaupt nichts mitbekommen in Port Royal.“
 
„Ah, ein Jammer.“ Jack nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. „Nun, es ist eigentlich ganz einfach. Wir sind nochmal zurück gesegelt, zur Isla de Muerta, und haben den ganzen Schatz dort einfach eingesammelt. Abgesehen von dem verfluchten Gold, natürlich.“
 
„Gott sei dank, würde ich sagen.“ Will hätte sich wirklich von alleine denken können, was passiert war. Es machte Sinn. „Du bist jetzt also unverschämt reich, richtig?“
 
„Ich hätte es nicht besser sagen können.”
 
„Verstehe. Und was ist mit der Rum-Schmuggelei… ‚nur am Rande’? Warum musst du das dann überhaupt noch machen?“
 
Jack grinste und zeigte eine Reihe Goldzähne. „Man darf nicht ganz den Bezug verlieren, Kumpel. Hast du überhaupt eine Ahnung, wie unglaublich langweilig es ist, wenn man alles hat, was man jemals haben wollte?“
 
„Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich weiß, wie sich das anfühlt.“ Will freute sich natürlich für Jack, aber er konnte ein Gefühl des Unwohlseins nicht unterdrücken. Er wusste ja schließlich, wie es um seine Heimatstadt stand. „Schau, wenn du ein Abenteuer suchst, ich hab da genau das Richtige für dich und deine Mannschaft.“
 
„Ach, hast du das?“ Jack hob eine Augenbraue. „Was hast du denn in der letzten Zeit so getrieben, Junge? Ich dachte, du wärst bei Elizabeth.“
 
„Nicht wirklich. Es ist eine ziemlich lange Geschichte. Und glaub mir, sie kann warten. Viel wichtiger ist, dass uns die Spanier vor zwei Wochen den Krieg erklärt haben.“
 
„Ich hab davon gehört.“
 
„Hast du auch gehört, dass sie Port Royal eingenommen haben?“
 
Jack schüttelte den Kopf. „Norrington hat verloren?“
 
„Ja. Sie haben die Stadt überrannt und alle Männer gefangen genommen. Ich bin gerade noch davon gekommen.“ Will rieb seinen wunden Arm mit dem Verband, den er unter seinem Hemd trug.
 
„Du bist verletzt?“ Jack stellte sein Glas ab und trat ein Stück näher. „Lass mal sehen.” Er schob Wills Ärmel nach oben und knotete den Verband auf. „Autsch. Sieht schlimm aus.”
 
„Wird schon wieder.” Will zog seinen Ärmel wieder nach unten.
 
„Ah, lass das. Hör schon auf mit diesem Tapferkeits-Unsinn.“ Mit langen Schritten lief Jack zur Tür und zog an einer Kette, an der eine Glocke hing. „Ich werde einen Arzt rufen lassen. Der wird dich schon wieder hübsch zusammen flicken.“
 
„Jack wirklich, das ist überhaupt nicht notwendig. Und außerdem haben wir gar keine Zeit dafür. Du musst mit der Pearl nach Port Royal segeln. Wir müssen die Stadt befreien.“
 
„Wir?” Nun zog Jack beide Augenbrauen nach oben. „Also soweit ich weiß, bin immer noch ich Captain der Black Pearl.“
 
„Tut mir leid.“ Will runzelte die Stirn. Wollte Jack ihm etwa doch nicht helfen?
 
Ein Bediensteter kam durch die Tür, herbei gerufen durch Jacks Läuten. Jack und er wechselten ein paar schnelle Worte bevor Jack ihn erneut fortschickte.
 
„Ich brauch keinen Arzt“, erklärte Will noch einmal. „Ich will viel lieber etwas gegen unsere Feinde unternehmen.“
 
„Aber warum bist du dann ausgerechnet hierher gekommen? Warum hast du nicht einen Hafen der Engländer angesteuert?“
 
„Weil dies der Hafen ist, wo mich die Ströme und die Winde hingetragen haben.“ Will konnte regelrecht spüren wie seine Frustration und seine Ungeduld gleichermaßen anstiegen. „Ich dachte, es wäre ein Wink des Schicksals.“
 
Jack schlenderte durch das Zimmer hinüber zum Sideboard. „So, dachtest du. Du dachtest, ich würde sofort jede Gelegenheit ergreifen, mich für die Leute einzusetzen, die erst vor kurzem versucht haben, mich an den Galgen zu bringen?“ Er füllte erneut sein Glas. „Ich mag vielleicht ein wenig verrückt sein, Kumpel, aber ich erinnere mich sicherlich noch daran, wenn mir jemand eine Schlinge um den Hals legt.“
 
„Ich bitte dich ja gar nicht, es für Swann oder für Norrington zu tun. Ich bitte dich darum es für mich zu tun.“
 
„Ah.“ Jack hielt die Rumflasche hoch. „Möchtest du noch?“
 
„Nein danke.“ Will stellte sein halb leeres Glas auf den Tisch. „Ich kann nicht hier herumstehen und mit dir Höflichkeiten austauschen, während sich Port Royal in Feindeshand befindet. Wenn du mir nicht helfen willst, dann muss ich eben jemand anderen finden, der es tut. Auch wenn es bedeutet dass ich mich wieder aufmachen muss, um dorthin zu segeln, wo mich die nächsten Winde hintragen.“
 
Jack rollte mit den Augen. „Du hast  wirklich ein vollkommen überzogenes Verantwortungsbewusstsein, Kumpel. Es ist nur eine Stadt.“ Er hielt inne. „Oder ist Elizabeth etwa wieder in Gefahr?“
 
„Nein, sie ist in Sicherheit. Sie ist letzten Monat nach England gereist, um ein paar Verwandte zu besuchen.“
 
„So, dann ist es also diesmal keine holde Maid, die du zu retten suchst. Was dann? Hast du etwa Freunde dort?“
 
Um ehrlich zu sein, Will hatte überhaupt keine engen Freunde. Seine Arbeit und sein Schwert-Training hatten ihm nie genug Zeit dafür gelassen. „Nicht wirklich.“ Er fragte sich so langsam, ob Jack nicht vielleicht doch am Ende Recht hatte. Es war schließlich wirklich nur eine Stadt. Und noch dazu eine, zu der er keinerlei besondere Bindung hatte, mal abgesehen von seiner Arbeitsstelle. Warum kümmerte es ihn also überhaupt?
 
Aus dem einen Grund… die Leute dort hatten ihn immer anständig behandelt. Auch wenn er keine engen Freunde hatte, so hatten sie ihm doch einen Platz gegeben an dem er sich zu Hause fühlen konnte. Es war eine wunderschöne, zauberhafte Insel, die einfach nicht von einem grausamen Feind überrannt werden sollte.
 
„Ich muss das tun was ich für richtig halte“, sagte er schließlich.
 
Jack seufzte. „Du bist genau wie dein Vater.“
 
Der Diener kehrte zurück um Bescheid zu sagen, dass die Kutsche des Arztes soeben den Weg zur Villa hinauffuhr. Noch ein letztes Mal versuchte Will, Jack zu überzeugen. „Hör zu, ich kann jetzt nicht für Swann oder Norrington sprechen, Jack. Aber wenn du mit mir nach Port Royal kommst und die Spanier vertreibst, dann können sie dich hinterher wohl schlecht zum Dank dafür aufhängen. Niemand in der Stadt würde so etwas zulassen. Du wärst ihr großer Retter. Ich wäre nicht überrascht, wenn Governor Swann dich aus lauter Dankbarkeit für all deine früheren Vergehen begnadigt.“
 
Jack ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen und betrachtete all die schönen Dinge, die herumstanden. „Glaubst du?“
 
„Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich.“ Will konnte bereits hören, wie sich Schritte durch den Korridor näherten. „Sag es mir jetzt, Jack. Soll ich wirklich hier bleiben und zulassen, dass mich dieser Arzt behandelt, oder soll ich lieber nicht noch mehr von meiner Zeit verschwenden und weiterziehen?“
 
Jack lächelte und stellte sein Glas auf den Tisch. „Ich bin froh, dass du gekommen bist, Will.“ Mit einer Handbewegung deutete er auf die Möbel und die kostbaren Gegenstände im Zimmer. „Wenn ein Mann nichts besitzt, dann hat er auch nichts zu verlieren. Er kann dann größere Risiken eingehen und sich sorglos in jedes noch so tollkühne Abenteuer stürzen. Aber gib einem Mann erstmal alles, was er jemals haben wollte… sofort fängt er an, sich zu sorgen. Was, wenn etwas passiert? Was, wenn man alles verliert? Was, wenn einer kommt und es dir wegnehmen will? Man wird vorsichtiger. Man hält sich plötzlich lieber an sicheren Orten auf. Man ist nicht mehr so waghalsig. Und weißt du, was dann mit einem passiert?“
 
„Was?“, fragte Will.
 
„Man wird alt.“
 
Wieder kam der Diener ins Zimmer, diesmal, um einen Mann herein zu führen der eine Ledertasche trug. „Der Doktor, Sir.“
 
Jack deutete auf Will. „Hier ist Euer Patient. Ich vermute mal, er will, dass Ihr Euch beeilt.” Er grinste Will an. „Und ich will das auch. Wir haben bei der nächsten Flut eine dringende Angelegenheit zu klären.”
 
Will erwiderte Jacks Lächeln. „Mach dir keine Sorgen, Jack“, sagte er. „Selbst wenn du hundert Jahre bist, alt wirst du sicher niemals sein.”
 
~*~**~*~
 
Noch am selben Abend hisste die Pearl ihre Segel. Will freute sich darüber, dass die Mannschaft zum größten Teil noch immer dieselbe war, die er auch schon bei ihrem letzten Abenteuer getroffen hatte, einschließlich Gibbs und Anamaria. Er genoss es, ihnen zu helfen die Segel zu setzen und er tat, soviel er konnte mit nur einem gesunden Arm. Es war ein schöner Abend. Die See war ruhig und sie hatten ordentlich Wind. Nachdem sie aus dem Hafen ausgelaufen waren und Kurs gesetzt hatten, übergab Jack das Ruder an Anamaria und führte Will nach unten in das Quartier des Captains.
 
Es war eine teuer ausgestattete Kabine, mit dunkler Holzvertäfelung und feinsten Verzierungen, nur beleuchtet von Öllampen und Kerzen. Der Schiffskoch brachte ihnen das Abendessen und sobald ihm der Geruch des Essens in die Nase stieg, bemerkte Will wie ausgehungert er war. Das Brot und das Wasser, von denen er sich in den letzten Tagen ernährt hatte, waren nicht genug gewesen, um seinen Hunger zu stillen.
 
Der Koch deckte den Tisch mit Hammelfleisch, Wildhühnern, Brot, Käse, warmen Birnen in Brandysoße und einer Flasche Rotwein und ließ sie anschließend alleine. Jack und Will setzten sich an den Tisch und Will schaufelte bereits das Essen in sich hinein während Jack noch damit beschäftigt war, ihnen zwei Gläser Wein einzuschenken. Eine Zeitlang aßen sie schnell und schweigend, bis sie mit den Fleischgerichten fertig waren. Dann lehnten sie sich zurück und genossen das Brot, den Käse und die Birnen… diesmal etwas langsamer.
 
Das Schiff schwankte auf dem Wasser und Will gewöhnte sich schnell an die sanften Wiegebewegungen. Das Essen füllte seinen Magen und er genoss das köstliche Gefühl der Sättigung. „Du kannst mir nicht erzählen, dass alles schlecht ist, wenn man Geld hat.“
 
Jack leckte sich die Birnen-Brandy-Soße vom Finger. „Es hat durchaus auch positive Aspekte.“
 
Will zog eine Augenbraue nach oben. Er hatte sich schon früher über Jacks Herkunft Gedanken gemacht und nun wurde er einmal mehr daran erinnert, dass der Mann ein weitaus gehobeneres Vokabular besaß, als man es von einem gewöhnlichen Piraten erwarten konnte. Schon oft hatte er gehört wie Jack hochtrabende Worte benutzt hatte… völlig mühelos, so wie ein gebildeter Mann sie benutzen würde. Er machte sich gedanklich eine Notiz und nahm sich vor, eines Tages mehr über Jacks Vergangenheit herauszufinden. Aber im Moment lag ihm etwas ganz anderes auf der Seele. Etwas, das er Jack schon seit geraumer Zeit hatte sagen wollen.
 
„Hör mal“, begann er, während er sich mit seinem Weinglas in der Hand im Stuhl zurücklehnte. „Ich hatte nie Gelegenheit, mich bei dir dafür zu entschuldigen, dass ich dir damals mit dem Ruder eins übergezogen habe. Es tut mir wirklich sehr Leid. Es war nur… weißt du… ich hatte gehört, was du zu Gibbs gesagt hast. Und ich dachte, du hättest vor, mit Barbossa einen Handel einzugehen. Mein Leben dafür, dass du dein Schiff zurückbekommst.“
 
„Woher willst du wissen, dass ich nicht genau das getan hätte, hättest du mir nicht vorher eins übergezogen?”
 
„Was?“ Will war völlig verblüfft. „Nein. Das hättest du nicht gemacht.” Er runzelte die Stirn. „Ich meine, ich kann mir das wirklich nicht vorstellen.”
 
„Ich plane normalerweise nicht weit in die Zukunft.“ Jack kaute andächtig auf einem Stück Brot mit Käse. „Ich überlege mir eigentlich immer lieber alles während ich es tue“, nuschelte er zwischen zwei Bissen.
 
„Willst du mir etwa weismachen, du wusstest überhaupt nicht, was du als nächstes tun willst?“
 
Jack spülte das Brot mit einem beträchtlichen Schluck Wein hinunter. „Ich weiß nur sehr selten, was ich als nächstes tun will.“
 
„Nun, ich für meinen Teil glaube jedenfalls nicht, dass du mich an Barbossa ausgeliefert hättest. Ich glaube, dass Jack Sparrow, der verruchte Pirat, mehr Mythos ist als reale Person. Tief in deinem Innern bist du ein guter, ehrbarer Mann.“
 
„Glaubst du wirklich?“
 
Will lächelte. „Ja, das glaube ich wirklich.“ Er nippte an seinem Wein, froh darüber, diesen Teil des Gesprächs hinter sich gebracht zu haben. „Es tut mir also immer noch Leid, dass ich dir eins übergezogen habe.“
 
„Ich hab mir schon sowas in der Art gedacht, als du plötzlich aufgetaucht bist um mich vor dem Galgen zu retten.“ Jack lächelte zurück und in seiner Miene lag offensichtliche Wärme.
 
„Es war das einzig Richtige.“
Will hatte sich so lange schuldig gefühlt weil er Jack niedergeschlagen hatte. Vor allem später, als Jack dann in die Höhle zurückgekehrt war und versucht hatte, ihn vor dem Tod durch Barbossas Messer zu bewahren. „Ich hatte auch nie die Gelegenheit, dir dafür zu danken, dass du mir das Leben gerettet hast. Es tut mir Leid, ich fürchte ich war ein wenig abgelenkt durch Elizabeth.“
 
„Verständlich“, erklärte Jack. „Sie ist schon eine bemerkenswerte Frau.“
 
„Ja, das ist sie.” Will hoffte inständig, er würde seinen Plan erfolgreich in die Tat umsetzen können bevor die Nachricht von der Besetzung Port Royals England erreichte. Er wollte auf keinen Fall, dass sich Elizabeth um ihren Vater Sorgen machen musste.
 
„Aber du hast sie nicht geheiratet.“
 
Will seufzte. „Nein, das hab ich nicht. Wir haben herausgefunden… nun, wie es scheint, lieben wir einander eher wie Bruder und Schwester als… nun ja, als irgendwie anders.“ Er konnte spüren wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Als wir uns zum ersten Mal trafen, war ich gerade mal zwölf Jahre alt. Sie war zehn und wir standen uns immer sehr nahe. Die Swanns waren im Grunde die einzige Familie, die ich überhaupt gut kannte, und obwohl ich einer anderen Klasse und einer anderen Gesellschaftsschicht angehörte, so haben wir doch immer eine Menge Zeit miteinander verbracht während wir aufwuchsen. Es war Governor Swann, der mir meine Lehrstelle bei Mr. Brown, dem Schmied, verschafft hat. Mr. Browns Schwägerin hat damals im Haushalt des Governors gearbeitet, in der Küche. Ich habe bei ihr und ihrem Mann gelebt, da Mr. Brown selbst nicht verheiratet war. Daher hab ich viel Zeit in der Küche des Governors verbracht und Elizabeth kam oft nach unten, um mich zu besuchen. Wir gingen dann im Garten spazieren oder spielten zusammen. Wir haben gemeinsam die Bücher gelesen, die sie besaß, und alle handelten nur von Piraten. Manchmal nahm ich sie mit und wir erforschten zusammen die Stadt. Da gab es eine Menge Orte, zu denen ihr Vater sie nicht gehen lassen wollte und sie hat immer darauf bestanden, dass ich ihr dabei helfe, sich seinen Anordnungen zu widersetzen. Sie hatte schon damals einen ziemlich unbeugsamen Willen.“ Er hielt inne als ihm bewusst wurde, dass er abschweifte. Jack interessierte das alles höchstwahrscheinlich herzlich wenig. „Tut mir Leid.“
 
„Was tut dir Leid?”
 
Will zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht.“ Er blickte in sein Weinglas und betrachtete die rote Flüssigkeit, die vom reflektierenden Kerzenlicht hell erleuchtet war. „Es gibt eine Menge, was mir Leid tut.“
 
„Es sollte dir nicht Leid tun, dass du ein Romantiker bist“, sagte Jack leise. „Es ist eine deiner besseren Eigenschaften.“
 
Will sah auf. Jacks Blick schien aufrichtig. Will lächelte: „Ich denke, du könntest Recht haben.” Er nahm einen Schluck Wein. „Aber fürs Erste hab ich die Nase voll davon, einer überidealisierten Liebe hinterher zu jagen. Wie soll ich mich denn jemandem hingeben können, wenn ich selbst nicht einmal genau weiß, wer ich wirklich bin?“
 
„Du bist also kein Schmied mehr?“, fragte Jack.
 
„Ich bin ein Schwertschmied“, antwortete Will. Zumindest war das der Teil der Schmiedearbeit, der ihm wirklich am Herzen lag.
 
„Ein Schwertschmied also“, wiederholte Jack. „Und darin liegt deine Zukunft?“
 
„Vielleicht. Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher. Ich bin gut darin und es passt zu mir. Aber dennoch sehne ich mich oft nach mehr, nach etwas anderem… allerdings habe ich nicht die geringste Ahnung, was das sein könnte.“
 
„Pirat sein vielleicht?“ Jack grinste.
 
Will wusste, dass Jack das nicht wirklich ernst meinen konnte. „Ich würde die Bezeichnung Gentleman-Abenteurer bevorzugen“, antwortete er.
 
„Natürlich würdest du das.“
 
Beide mussten lachen. Dann machten sie sich daran, das restliche Essen und den Wein zu vertilgen, bevor der Tisch abgeräumt wurde.
 
Jack blies die Kerzen aus und ließ nur die zwei kleinen Öllämpchen brennen. „Auf See sind wir es gewohnt früh aufzustehen. Wir sollten also zusehen, dass wir noch eine Mütze Schlaf bekommen.“
 
Will streckte sich und gähnte herzhaft. „Und wo ist meine Koje?“ Er war sich sicher, dass er bei der Mannschaft schlafen würde.
 
„Genau hier.“ Mit einer ausladenden Handbewegung deutete Jack auf das andere Ende der Kabine.
 
Will sah genauer hin und erblickte ein großes Bett, mit einem verzierten, hölzernen Bettrahmen. Es hatte dicke, mitternachtsblaue Vorhänge. Sicherlich wäre es um einiges angenehmer, dort zu schlafen als im Quartier der Mannschaft, und es schien auch groß genug für zwei Personen. Aber dennoch zögerte er. „Ich will mich nicht von der Mannschaft absondern. Ich meine, würde der Rest der Crew mir das nicht übel nehmen?“
 
„Nicht wenn du Gast auf meinem Schiff bist. Und das bist du.“ Jack stand vom Tisch auf und ging hinüber zu einer gepolsterten Bank, die sich im Rumpf des Schiffes befand. Er hatte seinen Mantel schon vor dem Essen ausgezogen. Nun setzte er sich hin, um sich auch seiner Stiefel zu entledigen.
 
Eine Welle der Müdigkeit überrollte Will. Er hatte einen ziemlich langen Tag hinter sich und sein Arm schmerzte wieder, obwohl der Wein, den er getrunken hatte, den Schmerz ein wenig betäubte. Er beschloss, dass er sich ein klein wenig Luxus redlich verdient hatte. Daher stand er auf und zog sich seine Jacke und seine Stiefel aus.
 
„Wie geht’s deinem Arm?“, fragte Jack.
 
„Besser als vorher.“
 
Jack stand auf und schob seine Hose nach unten, dann setzte er sich wieder hin um sie sich von den Füßen zu ziehen. Er trug jetzt nur noch sein langes Hemd. „Du schnarchst doch wohl hoffentlich nicht, oder?“
 
„Bislang hat sich noch keiner beschwert.” Will entledigte sich ebenfalls seiner Hose. Er wollte sein Hemd lieber anbehalten, genau wie seine Unterwäsche. Mrs. Brown hatte ihn nie darüber informiert, wie man sich verhalten sollte, wenn man mit jemand anderem ein Bett teilte.
 
„Lass das an.“ Jack musste seine Verlegenheit bemerkt haben. „Wenn irgendwas mit dem Schiff sein sollte, ein heftiger Stoss oder so, dann musst du schnell an Deck sein können.“ Er befolgte seinen eigenen Ratschlag und ging ebenfalls mit Hemd und Unterwäsche bekleidet zum Bett. Er schlug die Decke zurück und winkte Will mit einer einladenden Geste zu sich. „Aus genau demselben Grund werde ich auch die äußere Hälfte des Bettes nehmen. Es ist immer gut, wenn der Captain als erstes nach oben kommen kann.“
 
Will nickte und ging hinüber zu dem hölzernen Bettgestell. Er kletterte auf die Matratze und schob sich nach hinten an die Wand. Er fühlte sich jetzt schon schläfrig und das weiche Kissen und das gut gepolsterte Bett taten den Rest.
 
Jack löschte die Öllämpchen. Dann kletterte er neben Will ins Bett und zog die dicke Decke über sie beide. Er zog auch die Vorhänge zu und hinterließ sie dadurch in vollkommener Dunkelheit.
 
Es gab jede Menge Platz. Will konnte spüren, wie er immer weiter in den Schlaf abdriftete. Das Bett hüllte ihn weich und warm ein, und das sanfte Schaukeln des Schiffes wiegte ihn langsam in einen tiefen Schlummer. Er konnte fühlen, wie sich Jack neben ihm bewegte und dann spürte er Jacks Arm auf seinem Oberkörper, warm und tröstlich. „Träum was Schönes“, flüsterte Jack und sein Atem kitzelte Wills Wange beim Sprechen.
 
Will legte seinen eigenen Arm auf seine Brust, direkt neben dem von Jack, so dass sie sich gerade so berührten. Er legte seine Hand auf Jacks Hand und mit einem Mal fühlte er sich hier, an diesem Ort, mehr zu Hause als irgendwo sonst auf der Welt. „Werde ich“, flüsterte er leise.
 
Dann küsste er Jack ein einziges Mal auf die Stirn bevor er sich noch tiefer in die Kissen kuschelte und einschlief.
 
~*~**~*~
 
Die Pearl erreichte Port Royal etwa um die Mittagszeit, und verwickelte die beiden spanischen Schiffe sofort in einen heftigen Kampf. Kanonenfeuer dröhnte und alle Schiffe trugen ernsthaften Schaden davon, aber Captain Jack blieb am Ende siegreich. Es gelang ihm, eines der Schiffe zu versenken, woraufhin das andere mit fliegenden Fahnen die Flucht ergriff. Nachdem die Spanier die Überlebenden des ersten Schiffes aus dem Wasser gesammelt hatten, versuchten sie, sich so weit wie möglich von der Insel entfernt in Sicherheit zu bringen. Wills Arm fühlte sich inzwischen schon wieder viel besser an und er kämpfte die ganze Zeit über tapfer.
 
Nach der gewonnenen Seeschlacht ruderte die Mannschaft der Pearl an Land, um den Kampf mit den spanischen Soldaten auf den Straßen von Port Royal auszufechten. Es war eine heftige Schlacht, in der die Crew der Pearl die engen Straßen der Stadt entlang rannte und versuchte das offene Gelände zu meiden, auf dem sie hoffnungslos unterlegen wären. Inzwischen nahm die Pearl selbst die Festung von Port Royal unter Beschuss, die sich zu dem Zeitpunkt immer noch komplett in der Hand der Spanier befand.
 
Gemeinsam kämpften sich Will und Jack den Weg zu den Zellen mit den Gefangenen frei… 
 
Sie konnten das Kanonenfeuer in der Nähe hören und die Erschütterungen ließen die Wände des Gefängnisses immer wieder aufs Neue beben. Will stolperte, als er die Wendeltreppe hinaufging und Jack half ihm dabei, das Gleichgewicht zu halten. Sie waren beide verschwitzt und völlig erschöpft vom langen Kampf. Aber wenn sie es schaffen könnten Norrington und seine Männer zu befreien, dann wäre ihnen der Sieg sicher. Nach dem Verlust seiner beiden Schiffe, würde Capitan Sevaldo sie sicherlich nicht mehr besiegen können.
 
Will und Jack brachen gemeinsam durch die Vordertür und hielten ihre Schwerter bereit. Nur zwei einsame Wachen befanden sich im Innern des Kerkers und nach einem kurzen, heftigen Kampf lagen sie beide verwundet am Boden. Jack fand den Ring mit den Schlüsseln und gemeinsam eilten sie nach unten zu den Zellen. So schnell wie möglich hasteten Jack und Will von einer Zelle zur nächsten und öffneten die Türen.
 
Die Männer stolperten einer nach dem anderen in die Freiheit und alle überschlugen sich gleichzeitig mit hektischen Fragen. Überall herrschte Verwirrung und Chaos bis Jack in der letzten Zelle schließlich Norrington fand und ihn ebenfalls befreite.
 
Ihr?“ Norrington, unrasiert und ein wenig hager, starrte Jack mit offenem Mund an. „Habe ich jetzt etwa völlig den Verstand verloren?”
 
„Na, ich hoffe mal besser nicht. Wir brauchen Euch schließlich noch, damit Ihr Eure Männer in Reih und Glied bringt. Da draußen herrscht Kampf… Kampf um Eure Stadt.“
 
Norringtons Blick fiel auf Will. „Turner! Was zur Hölle geht hier vor?”
 
Will drängte sich an den Männern vorbei. „Commodore, wir müssen uns beeilen. Ich habe Jack dazu überredet, dass er mit seiner Mannschaft und der Pearl hierher kommt. Sie haben die Schiffe bereits besiegt. Aber die Mannschaft kämpft jetzt gerade auf den Straßen mit Sevaldos Männern, und sie sind hoffnungslos in der Unterzahl. Ich weiß, dass es im Wachhaus Waffen gibt. Ich hab sie gesehen, als wir rein gekommen sind.“
 
Nachdem er Jack mit einem weiteren, völlig verblüfften Blick bedacht hatte, kam Norrington endlich wieder zur Besinnung. Schnell gab er seinen Männern den Befehl die Waffen aus dem Wachhaus zu holen.
 
„Wo ist der Governor?“, fragte Will.
 
„Sevaldo hält ihn in der Villa gefangen“, antwortete Norrington.
 
„Dann werden wir ihn befreien.“
 
Norrington nickte. „Viel Glück.“ Ohne ein weiteres Wort eilten er und seine Männer fort, um die Spanier zu bekämpfen während Jack und Will auf der Wendeltreppe niedersanken, um sich eine kleine, wohlverdiente Pause zu gönnen.
 
„Das sollte ihnen eine nette, kleine Überraschung bereiten“, sagte Will. Er nahm einige tiefe, erfrischende Atemzüge. „Nur schade, dass wir nicht noch länger hier bleiben können.“
 
„Bist du sicher, dass wir das nicht können? Mir gefällt’s hier.“
 
Will gab ihm einen Klaps auf den Rücken. „Komm schon. Wir müssen den Governor retten. Wenn wir das tun dann wird er dir deine Begnadigung wohl kaum noch verweigern können, oder?”
 
„Ah, das ist es also, was du dir in den Kopf gesetzt hast, nicht wahr? Und ich dachte du würdest uns nur deshalb auf diese Mission schicken, weil es das Richtige ist.“
 
Will grinste. „Es ist das Richtige. Aber es tut ja keinem weh, wenn man dadurch, dass man das Richtige tut, nebenbei auch noch einen gewissen Profit für sich rausholt.”
 
Jack schenkte ihm ein zustimmendes Lächeln. „Du lernst schnell, Kumpel.“
 
Gemeinsam standen sie auf und machten sich auf den Weg zur Villa.
 
Als sie das Eisengatter erreichten, versteckten sie sich hinter den Marmorpfeilern und kundschafteten vorsichtig die Lage aus. „Ich sehe keine Menschenseele“, sagte Jack.
 
„Vielleicht hat Sevaldo alle seine Männer in den Kampf geschickt.“ Will riskierte einen weiteren Blick um den Pfeiler herum. „Oder sie verstecken sich, sodass wir sie nicht sehen können.“
 
„Wir könnten einfach durch die Vordertüre reinstürmen.“ Jack trat einen Schritt nach vorne.
 
„Nein.“ Will streckte seine Hand aus, um ihn zurück zu halten. „Ich kenne dieses Haus wie meine Westentasche, weißt du noch? Ich hab mehr Zeit hier verbracht als im Haus der Browns. Ich kenne alle Geheimnisse. Es gibt da ein kleines Sommerhaus im hinteren Teil des Gartens. Der Governor hat von dort einen Tunnel bauen lassen hin zum Haupthaus. Der Tunnel war für Elizabeth, sodass sie einen sicheren Ort hat, an den sie sich flüchten kann falls mal Gefahr droht.“
 
„Wo endet der Tunnel?“
 
„Er endet im Weinkeller. Es gibt dort eine Geheimtüre in der Wand.“
 
„Gut. Ich könnte sowieso einen Drink gebrauchen. Lass uns gehen.“
 
Unbemerkt schlichen sie sich von außen bis zum hinteren Teil des Gartens. Mit einer Räuberleiter half Will Jack nach oben auf die Mauer, so dass dieser ihn anschließend nach oben ziehen konnte. Beide ließen sich leise auf der Innenseite des Gartens fallen. Noch immer konnten sie nirgends einen Soldaten erspähen. Sie schlichen sich zwischen den Büschen und Rosensträuchern entlang und versuchten unbemerkt zu bleiben bis sie das kleine Sommerhaus erreicht hatten und hineinschlüpfen konnten.
 
Will rollte den Teppich zusammen, der auf dem Boden der Holzhütte lag, und legte dadurch eine Falltüre frei. Mühsam hob er den Deckel und beide kletterten die Stufen nach unten bis sie zu einem kleinen Raum kamen, der voller Spinnweben hing. Selbst in der Dunkelheit fand Will problemlos den Weg, indem er sich nur auf sein Gedächtnis verließ. Er betätigte einen verborgenen Mechanismus an der Wand und eine Tür sprang auf, die zu einem Tunnel führte. Es war eng und der Tunnel erschien ihm viel schmaler und niedriger als in seiner Erinnerung, aber er war auch seit seiner Kindheit nicht mehr hier gewesen.
 
Sie folgten dem Verlauf des Tunnels etwa fünfzig Fuß weit bis er plötzlich eine scharfe Biegung machte und danach noch einmal ungefähr fünfundzwanzig Fuß geradeaus verlief. Dann endete er in einem kleinen Raum. Wieder betätigte Will einen Mechanismus und ein rostiges Scharnier quietschte, als sich die Tür zum Weinkeller langsam öffnete.
 
„Wirklich praktisch“, bemerkte Jack.
 
„Ich muss diesen Weg schon tausendmal gegangen sein.“ Will tastete sich in der dunklen Kammer entlang, bis er die Stufen fand die nach oben in die Küche führten. „Hier entlang. Das ist der richtige Weg.“
 
Gemeinsam betraten sie die Küche und zückten ihre Schwerter. Will lief durch den Raum bis zur Tür. „Wir müssen jetzt durch den Korridor“, flüsterte er. „Der Gang führt in die eine Richtung zum Esszimmer und in die andere zu den Räumen der Angestellten.“
 
„Esszimmer“, entschied Jack.
 
Will nickte und lautlos schlüpften sie durch die Tür in den Korridor. Will ging voran bis zum Esszimmer. Auch dieser Raum war völlig leer und verlassen. Eine weitere Tür ein Stück weiter den Flur entlang führte zu einer Diele, von der aus zwei weitere Räume abgingen – der Salon und die Bibliothek. Will ging voran zum Salon, wo sie endlich Stimmen hörten.
 
Sowohl Will als auch Jack standen auf derselben Seite des Türrahmens, jedoch stand Will noch ein Stück näher als Jack. Er lauschte den Stimmen durch einen winzigen Spalt in der geschlossenen Tür und erkannte die Stimme von Governor Swann. Der andere Sprecher im Zimmer musste Sevaldo selbst sein.
 
„Wir haben jetzt keine Zeit zum Streiten“, erklärte Sevaldo gerade. „Ihr werdet entweder freiwillig mit mir zur Festung gehen oder Ihr werdet hier auf der Stelle sterben.“
 
„Dann will ich lieber sterben“, erwiderte Swann tapfer. „Ich werde jedenfalls nicht dulden, dass man mich als Geisel gegen meine eigenen Leute benutzt.“
 
„Es ist wirklich ein Jammer, ich habe Eure Gesellschaft sehr genossen.“
 
Will stieß Jack leicht an. „Jetzt oder nie“, flüsterte er.
 
Jack schlüpfte hinüber auf die andere Seite der Doppeltüre. „Bei drei“, deutete er lautlos mit seinen Mundbewegungen an. Er hielt zuerst einen Finger nach oben, dann zwei und beim Dritten stürmten sie Seite an Seite durch die Tür.
 
Es wäre wesentlich besser gelaufen, hätte Swann nicht direkt vor der Tür gestanden und wäre Sevaldo nicht ganz so weit von ihnen entfernt gewesen. Beim Versuch ins Zimmer zu stürmen, stolperte Will unglücklich gegen den Governor und beide fielen durch den ungeschickten Aufprall zu Boden. Jack stieg flink über sie hinweg und forderte Sevaldo zum Kampf, jedoch hatte der bereits genug Zeit gehabt sein Schwert zu zücken. Sie duellierten sich mitten im Zimmer auf engstem Raum und schleuderten einander gegenseitig gegen die umherstehenden Möbelstücke. Es gab keinen Raum für ausgefeilte Bewegungen oder Kampfgeschick – beide gingen mit wilden und ungestümen Schlägen aufeinander los.
 
Als Will endlich wieder auf die Beine kam, bemerkte er, dass sich noch ein weiterer Mann im Zimmer befand – ein spanischer Soldat, der soeben dabei war, mit gezogenem Schwert auf ihn los zu gehen. Will musste durch die heftige und unerwartete Attacke zuerst einige Schritte nach hinten zurück in den Korridor weichen. Wie von Sinnen schlug er mit seinem Schwert gegen seinen Angreifer und versuchte verzweifelt sich zu verteidigen, sodass er Jack möglichst schnell zu Hilfe eilen konnte. Immer wieder klirrten die Klingen ihrer Schwerter gegeneinander, aber keiner der beiden Kämpfer konnte die Oberhand gewinnen. Wäre Will nicht so sehr von den Kampfgeräuschen aus dem anderen Raum abgelenkt gewesen, so hätte er den Kampf womöglich etwas leichter gewinnen können, denn was reine Geschicklichkeit betraf, so war er seinem Gegner klar überlegen. Stattdessen nutzte er jedoch jede Gelegenheit herauszufinden, was im Salon vor sich ging und wie es um Jack stand.
 
Noch während er sich mit dem spanischen Soldaten einen heftigen Schlagabtausch lieferte, versuchte er immer wieder, einen Blick auf die beiden anderen Kämpfer zu erhaschen. Er sah, wie Swann eine Vase ergriff und wie er versuchte, Sevaldo damit bewusstlos zu schlagen. Er sah, wie Sevaldo den Angriff abwehrte und Swann mit seinem Schwertgriff gegen den Kiefer schlug, sodass dieser bewusstlos zu Boden sank und liegen blieb.
 
Immer wieder stürzte sich Will dabei erneut auf seinen Gegner und er konnte spüren, wie den Mann die Kräfte verließen. Dann hörte er plötzlich ein überraschtes Keuchen und als er in den Salon blickte, sah er wie Sevaldo in der Tür stand, mit weit aufgerissenen Augen und Jacks Säbel, der bis zum Anschlag in seinem Körper steckte. Mit einem Ruck zog Jack sein Schwert zurück und Sevaldo fiel nach vorne auf den Teppich, wo er regungslos liegen blieb.
 
Will konnte spüren wie ihn eine Welle der Erleichterung und neuer Energie durchflutete. Ein letztes Mal stürzte er sich mit aller Kraft auf seinen Gegner und verletzte ihn mit zwei schnellen, harten Schlägen schwer an beiden Armen. Der Mann schwankte nach hinten und Will versetzte ihm noch einen letzten Stoß mitten in den Unterleib. Der Soldat ging zu Boden.
 
„Gute Arbeit, Kumpel.“ Jack schwankte in den Korridor und hielt sich den Arm. Blut floss aus einer Wunde und Will konnte auch andere Schnitte auf Jacks Brust erkennen. Aber keiner von ihnen schien tief zu sein.
 
Will streckte ihm die Arme entgegen um ihn zu umarmen, aber noch während Jack auf ihn zukam, ertönte ein lauter Knall und Jack wurde mitten in der Bewegung herumgerissen. Seine Augen weiteten sich vor Schock und Überraschung bevor er in Wills Armen zusammen brach.
 
„Was…?“ Will blickte den Korridor entlang bis zum Haupteingang des Hauses. Ein einsamer Soldat stand dort und das Gewehr in seiner Hand qualmte noch immer von dem Schuss, den er soeben abgegeben hatte. „Nein!“
 
Will blickte nach unten auf Jack. Blut floss aus einer Wunde in seiner Brust, aber diesmal war es kein harmloser Schnitt, sondern eine tiefe Schusswunde. Jacks Augen waren geschlossen und sein Körper fiel schlaff zu Boden. Will starrte auf den Soldaten, der soeben dabei war, sein Gewehr mit einem weiteren Schuss zu laden. „Du Bastard!“ Er erhob sein Schwert und rannte mit all der Schnelligkeit, die er aufbieten konnte, den Flur entlang.
 
Der Mann ließ die Waffe fallen und versuchte ebenfalls, sein Schwert zu ziehen, doch er war viel zu langsam. Mit einem einzigen sauberen Stoß durchbohrte ihm Will das Herz.
 
Anschließend starrte er wie betäubt auf den leblosen Körper des Soldaten. Jack konnte einfach nicht tot sein… es war unmöglich. Er rannte zurück und kniete neben seinem gefallenen Freund nieder. Vorsichtig nahm er ihn in die Arme und hielt Jacks Kopf während er mit der flachen Hand gegen die klaffende Wunde presste. „Stirb mir jetzt bloß nicht weg“, flüsterte er verzweifelt. „Das werde ich nicht zulassen. Du weißt, dass das unmöglich ist.“
 
Mit einem kurzen Flattern seiner Lider öffnete Jack noch einmal für einen Moment die Augen. „Unvermeidbar“, murmelte er. Dann schloss er sie.


Nächster Teil




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