AUTOR: Alexfandra
ÜBERSETZUNG: liv
GENRE: Slash, NC-17, Abenteuer, Drama, Romantik, Hurt/Comfort, Angst
FREIGABE: NC-17 / ab 18
SETTING: Der Prolog schließt direkt an den Film "Fluch der Karibik" an.
INHALT: Ein atemberaubendes Piratenabenteuer mit viel Rum, Spannung, Blut und Tränen, und sonst noch allem was dazu gehört.
KOMMENTAR: Wenn euch die Geschichte gefällt, dann gebt Alexandra bitte Feedback, gerne auch auf Deutsch.


· 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 ·


Pirate Dreams - Buch I
by Alexfandra


Jack und Will waren gerade dabei, den Transport frischer Waren auf das Schiff zu beaufsichtigen, als Norrington auf den Landesteg trat.
 
„Wir haben neue Informationen“, erklärte er. „Whitcomb hat sich äußerst kooperativ gezeigt. Er sagte, Hardcastles Schiff wäre in der letzten Zeit öfters in Goave Bay vor Anker gegangen, das liegt direkt hinter Tortuga, noch ein Stück die Küste von Hispaniola hinab. Nachdem wir Tortuga räumen ließen, haben sich viele der früheren Bewohner dorthin geflüchtet, in eine kleine Stadt in der Gegend.“
 
„Ich kenne den Ort“, antwortete Jack. „Ist mindestens genauso verrucht wie Tortuga, wenn nicht sogar noch schlimmer.“
 
„Mein Angebot, Euch zu unterstützen, steht noch immer.“
 
„Wir wissen das wirklich zu schätzen“, erwiderte Will. „Aber das hier ist etwas Persönliches.“
 
„Nun gut.“ Norrington wartete, bis auch die letzten Vorräte an Bord gebracht waren, dann sah er zu, wie sich Jack und Will in eine Barkasse setzten und davon ruderten. „Passt auf Euch auf.“
 
Jack tippte sich mit zwei Fingern an den Hut und stieß vom Landesteg ab.
 
Schon bald waren sie wieder an Bord der Pearl. All ihre neuen Vorräte waren verstaut und die Mannschaft hatte ihre Stellungen eingenommen. Der Anker wurde eingeholt und die Segel ausgerollt. Jack stand auf dem Achterdeck als sie aus der Bucht segelten, dann übergab er das Steuer an Anamaria.
 
Er ging nach unten in die Kabine, um den Kurs zu berechnen. Will folgte ihm und nahm seinen üblichen Platz auf der Bank ein. Als Jack mit der Karte fertig war, ließ er Gibbs rufen und übergab ihm die Koordinaten von Goave Bay. Gerade als Gibbs sich umdrehen wollte um zu gehen, hielt Jack ihn noch einmal auf. „Wer von der Mannschaft ist am geschicktesten, wenn es darum geht, Segeltuch zusammen zu nähen?“
 
„Hm? Oh, das ist vermutlich Cotton.“
 
„Gut. Schick ihn bitte zu mir nach unten, ja?“
 
„Aye, Sir.“ Gibbs verließ die Kajüte.
 
Will konnte seine Neugierde nicht mehr länger im Zaum halten und fragte: „Was hast du vor?“
 
„Ah. Naja, ich kenne diesen Ort ein wenig, zu dem wir segeln wollen, und ich hab mir da ein paar Gedanken gemacht.“
 
„Und wirst du deine Ideen auch diesmal für dich behalten?“
 
Jack grinste. „Du wirst es schon noch früh genug erfahren.“
 
Mister Cotton tauchte im Türrahmen auf und auch sein Papagei saß auf seiner Schulter. Jack winkte ihn zu sich an den Tisch. Er drehte die Karte um und malte eine schnelle Zeichnung auf die Rückseite, die Will von seiner Position aus jedoch nicht erkennen konnte. „Könnt Ihr ein paar von unseren Reservedecken nehmen und zwei von denen bis heute Abend zusammen nähen?“
 
„Wind in deinen Segeln“, antwortete der Papagei. Mister Cotton nickte.
 
„Guter Mann.“
 
Cotton verließ die Kabine. Jack drehte die Karte um und rollte sie zusammen. Er verräumte sie und lief dann hinüber zur Bank. Er legte seine Hände auf Wills Schultern und beugte sich nach unten, um ihn zu küssen. Will erwiderte den Kuss gierig, dann wich er jedoch zurück. „Hey! Du versuchst, mich abzulenken.“
 
„Mmhm.” Jack küsste ihn noch einmal.
 
Will wich erneut zurück. „Was ist es, das du planst und von dem du nicht willst, dass ich es weiß?”
 
„Nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest.“ Jack hielt einen Moment lang inne und dachte nach. „Jedenfalls nicht allzu sehr.“
 
„Oh, na fabelhaft.“ Will lächelte, da er wusste, dass er Jack ohnehin vollkommen vertraute. Dann werde ich ihm seine kleine Überraschung eben lassen. „Na gut. Dann solltest du mich vielleicht doch noch ein bisschen mehr ablenken.“
 
Und das tat Jack dann auch.
 
~*~**~*~
 
Die Winde waren günstig und sie erreichten die südwestliche Küste von Hispaniola bei Abenddämmerung. Jack übernahm das Steuer und lenkte die Pearl nahe an eine Landzunge, die Goave Bay vor dem offenen Meer schützte. Sie gingen auf der anderen Seite jenseits der Bucht vor Anker, sodass ihr Schiff vom Hafen aus praktisch nicht zu sehen war.
 
„Wir wollen doch nicht, dass irgendjemand merkt, dass wir kommen, nicht wahr?“, sagte er.
 
Will stimmte ihm zu. Die Pearl war noch nie mit voller Besatzung gesegelt, jedoch war es ziemlich wahrscheinlich, dass Hardcastles Schiff bis oben hin mit Männern und Waffen besetzt war. Es wäre sicherlich besser, sich ein wenig im Verborgenen zu halten.
 
„Mister Gibbs, macht eines der Boote abfahrbereit. Mister Turner und ich werden an Land gehen.“
 
„Sir.”
 
„Mister Cotton, bringt das, was ihr angefertigt habt, nach unten in meine Kabine.”
 
Der Papagei kreischte als Antwort.
 
Kurze Zeit später sollte Will endlich herausfinden, was Jack sich ausgedacht hatte.
 
Cotton brachte zwei Bündel zusammen genähter Decken in die Kabine. Jack untersuchte sie genau, dankte Cotton und entließ ihn. Dann hielt er die Bündel hoch, sodass auch Will sie sehen konnte.
 
„Ich geb’s auf“, sagte Will. „Was ist das?“
 
Jack fand eine Aussparung im Stoff und stülpte das Ganze über Wills Kopf. Die Decken fielen um ihn herum und formten eine Kutte. Er steckte seine Arme durch zwei weitere Öffnungen. „Ich verstehe noch immer nicht. Soll das hier vielleicht eine Verkleidung sein?“
 
Jack stülpte das zweite Stoffbündel über seinen eigenen Kopf und steckte auch seine Arme durch die Löcher. Dann griff er nach einem Stück Riemen, den Cotton ebenfalls mitgebracht hatte und schnürte ihn sich um die Taille. Er griff nach hinten und fummelte eine Weile mit dem verhedderten Stoff hinter seinem Kopf. Plötzlich zog er eine Kapuze hoch, die den größten Teil seines Kopfes verdeckte.
 
Will starrte ihn einfach nur an. Dann griff auch er hinter seinen Kopf und fand ebenfalls eine Kapuze, die Cotton dort festgenäht hatte. Alles war aus demselben grauen Wollmaterial, aus dem die Schiffsdecken gemacht waren.
 
Jack warf ihm ein Stück Seil zu. „Willkommen im Orden, Bruder William.“
 
„Du machst Witze.“ Will knotete das Seil um seine Hüften. „Wir sind Mönche?”
 
„Du und ich, wir werden gemeinsam im Schutze der Dunkelheit um die Landzunge rudern”, erklärte ihm Jack. „Dort werden wir dann alles auskundschaften. Wenn Hardcastles Schiff tatsächlich dort ist, dann werden wir in die Stadt gehen. Wir müssen wissen, wo er ist und wo sich mein Doppelgänger, dieser ‚Mister Ellis’ befindet. Wir müssen herausfinden, ob sich seine Mannschaft in der Stadt oder an Bord des Schiffes befindet und wie viele es sind. Ich denke, es wäre besser, wenn wir dabei unerkannt blieben.“
 
„Ja, das verstehe ich schon, aber Mönche? Ich weiß, du sagtest, du würdest diesen Ort hier ein wenig kennen, aber warum sind wir Mönche?“
 
„Weil es dort, in den Hügeln hinter der Stadt, ein Kloster gibt.“ Jack lief hinüber zum Schrank, wo er sein Rasierzeug und seinen Spiegel aufbewahrte. „Die Mönche bauen dort Trauben an und betreiben eine kleine Weinkellerei. Sie treiben Handel mit den Gastleuten in der Stadt, die ihnen dafür Schutz gewähren. Die Gastleute erlauben den ehrenwerten Brüdern außerdem, ab und zu in ihre Tavernen zu kommen um dort nach verlorenen Seelen zu suchen, die sie retten können. Darum.“ Er griff nach seinem Rasiermesser und schnitt sich mit einer geschickten Bewegung seine zwei geflochtenen Zöpfchen vom Kinn. Dann nahm er auch seine Bandana ab, und begann damit, die Perlen und Verzierungen aus seinem Haar zu schneiden.
 
„Aber ich habe keine Ahnung, was man als Mönch tun muss“, protestierte Will. „Ich wurde protestantisch erzogen.“
 
„Genau wie ich.“ Jack kämmte sein inzwischen perlen- und zöpfchenfreies Haar nach hinten. „Hier, binde das für mich zusammen.“ Er reichte Will ein Stück dünne, schwarze Leinenkordel.
 
Will strich Jacks langes Haar nach hinten und band es zusammen. „Das steht dir.“
 
„Danke.“ Jack musterte ihn von oben bis unten. „Versuch, deine Schultern ein wenig hängen zu lassen, du musst demütiger wirken.”
 
Will ließ seine Schultern pflichtbewusst nach unten fallen.
 
„Nicht so arg. Jetzt siehst du aus, als hättest du einen Buckel.“
 
Will richtete sich wieder ein wenig mehr auf.
 
„Das ist schon besser. Und jetzt versuch das hier.“ Jack hob seine rechte Hand, malte eine kreuzförmige Bewegung in die Luft und sagte: „Gott schütze dich, mein Sohn.“
 
Will versuchte, sich so gut es ging, in seine Rolle hineinzuversetzen. Er machte ein möglichst ernstes Gesicht, ahmte Jacks Kreuzbewegung nach und wiederholte: „Gott schütze dich, mein Sohn.“
 
Jack runzelte die Stirn. „Du klingst zu jung. Deine Stimme muss tiefer sein.”
 
Will verstellte seine Stimme so gut er konnte und wiederholte noch einmal seinen Spruch: „Gott schütze dich, mein Sohn.“
 
„Jetzt ist es zu tief. Jetzt klingst du, als hätte Satan persönlich von dir Besitz ergriffen.“
 
„Ich bin eben einfach nicht gut in solchen Dingen!“ Frustriert begann Will, an seiner Kutte zu zerren. „Und dieses Ding hier kratzt. Und es ist viel zu warm.“
 
„Dann zieh es doch einfach aus.” Jack zog sich seine eigene Kutte über den Kopf und warf sie über einen Stuhl. „Wir werden sie sowieso nicht brauchen, bis wir das Land erreichen.“
 
Will zog sich diesen furchtbaren Mantel aus. „Das hier wird niemals funktionieren. Für dich ist das okay. Du bist gut in solchen Dingen. Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem sie dich hängen wollten. Als sie die Liste deiner Verbrechen vorgelesen haben. Ein Punkt war, dass du dich als Marine-Offizier ausgegeben hast, ein weiterer, dass du so getan hast, als wärst du ein Priester. Aber ich habe noch nie zuvor so etwas gemacht. Ich habe einfach Angst, dass ich irgendwas Dämliches sage und uns dadurch verrate.“
 
„Ah. Na, dann hab ich die perfekte Lösung für dich.“ Jack hielt einen Finger an seine Lippen.
 
„Und was soll das jetzt wieder bedeuten?“
 
„Es bedeutet“, sagte Jack, „dass Bruder William soeben ein Schweigegelübde abgelegt hat.“
 
~*~**~*~
 
Damit werden wir niemals durchkommen, dachte Will, als sie um die Spitze der Landzunge ruderten und auf das Ufer der Bucht zusteuerten. Er starrte trübsinnig auf die Kutten, die auf dem Boden des Ruderbootes lagen. „Was, wenn die Mönche gar keine grauen Kutten tragen? Was, wenn ihre Roben braun sind oder schwarz?“
 
„Das macht nichts.“ Jack zog die Ruder durch. „Wir sind Novizen, gerade erst angekommen. Wir werden sowieso nicht in die Nähe des Klosters kommen und die Gastwirte werden den Unterschied nicht erkennen.“
 
Will hatte nicht ganz so viel Vertrauen. „Was, wenn mich jemand darum bittet, seine Seele zu retten?“
 
„Dann werden wir ihn segnen und so schnell wie möglich verschwinden.“
 
Will seufzte tief und laut. „Ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich die Leute überzeugen kann, dass ich ein religiöser Mann bin.“
 
„Warum nicht? Du bist ein ehrlicher, aufrechter und moralisch respektabler junger Kerl.“ Jack schwieg einen Moment lang. „Naja, mehr oder weniger zumindest.“
 
„Da siehst du es. Genau da liegt nämlich mein Problem. Ich bin ganz und gar nicht ehrlich. Ich hab mal einen Schilling aus dem Klingelbeutel geklaut.“
 
„Ah. Ich wusste, da fließt Piratenblut in deinen Adern, schon von Anfang an. Wie alt warst du damals?“
 
„Sieben. Meine Mutter hatte nichts mehr zu essen und ich wollte Brot und Käse für sie kaufen.“
 
„Oh. Das läuft wohl kaum unter Diebstahl, Kumpel.”
 
Will vermutete, dass Jack damit vermutlich sogar Recht hatte. Er lauschte dem leisen Plätschern, das die Ruder in dem ruhigen Gewässer verursachten. Der Nachthimmel war wolkenverhangen und schützte sie vor dem Licht der Sterne. Will war sich sicher, dass niemand sie auf ihrem Weg zum Hafen bemerken würde.
 
In der Ferne konnte er Lichter erkennen, dort musste die Stadt liegen. Dann, als sie gerade um die Kurve in die Bucht hineinruderten, konnte Will auch den schemenhaften Umriss eines großen Schiffes erspähen, das im Hafen vor Anker lag.
 
„Schiff ahoi“, flüsterte er leise.
 
Jack hielt die Ruder still. Während ihr Boot lautlos auf dem Wasser dahin glitt, zog Jack sein Fernrohr hervor und spähte damit in Richtung des Schiffes. „Ich kann keine Laternen sehen und auch niemanden von der Mannschaft. Sie hat allerdings drei Masten.“ Er reichte Will das Fernrohr. „Kannst du irgendjemanden entdecken?“
 
Will beobachtete jedes Deck gründlich. „Dort oben ist es so ruhig wie auf einem Friedhof.“
 
„Ich schätze, wir werden dann wohl erstmal weiter in die Stadt ziehen.“ Jack griff abermals zu den Rudern und steuerte den Hafen an.
 
Will blickte durch das Glas und beobachtete die Kai. Er sah etwa ein halbes Dutzend kleinerer Schiffe, die dort alleine und verlassen an zwei Landestegen vor Anker lagen. Ein Stück weiter entdeckte er noch ein kleines Pier, daher wies er Jack an, in diese Richtung zu rudern.
 
Unbemerkt erreichten sie den Landesteg und banden ihr Boot dort fest. Als sie den Steg betraten, zogen sie sich die Mönchskutten über ihre eigenen Kleider. Will ließ die Kordel um seine Hüften so lose wie möglich hängen, damit die Kutte seinen Säbel verbarg. Er hoffte, niemand würde bemerken, wie sich die Spitze und der Griff durch den Wollstoff abzeichneten. Mit der Kapuze über dem Kopf konnte er nicht viel erkennen, daher blieb er einfach dicht hinter Jack, während sie schnell auf die erste Häuserreihe am Ufer zueilten.
 
Jack blieb plötzlich stehen und Will, der nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte, prallte gegen ihn.
 
„Autsch.“
 
„Tut mir Leid.“
 
„Dort drüben.“ Jack zerrte an Wills Ärmel und zog ihn mit sich. „Die Taverne.”
 
Will beobachtete, wie drei Männer aus einem ziemlich heruntergekommenen Gebäude schwankten. Er konnte Lärm und Gelächter hören, das nach draußen drang, und das Geräusch von Gläsern, die aneinander stießen. Der Geruch von Rum lag in der Luft.
 
„Und los geht’s“, sagte Jack. „Machen wir uns auf die Suche nach Seelen, die wir retten können.“ Selbstsicher machte er sich auf den Weg zur Taverne, mit einem weitaus weniger selbstbewussten Will im Schlepptau.
 
Die Taverne war längst nicht so wild wie die, die er in Tortuga gesehen hatte. Sie war voll, sicher, und auch laut, aber zumindest im Moment gab es keine Raufereien. Und das Beste war, niemand schien sich auch nur im Geringsten für sie zu interessieren, als sie zur Tür herein kamen. Jack hatte wohl tatsächlich Recht. Der Anblick eines Mönchs war hier nichts Außergewöhnliches.
 
Jack lief geradewegs zur Bar und sprach einen älteren, stämmigen Mann an, der aussah, als wäre er der Besitzer. „Ich wünsche Euch einen gesegneten Abend, mein Sohn.“
 
Will hielt sich an Jacks Ellbogen fest und versuchte, sich so unsichtbar wie möglich zu machen.
 
Der Wirt, der gerade einige Gläser polierte, hielt in seiner Bewegung einen Moment lang inne. „Ah. Willkommen, Bruder…?“
 
„Jonathan“, sagte Jack sogleich, ohne auch nur für den Bruchteil einer Sekunde zu zögern. „Und das hier ist Bruder William. Wir sind gerade erst in eurer schönen Stadt angekommen. Unser guter Abt meinte, dass wir hier möglicherweise ein paar arme Sünder finden, die unseren Beistand benötigen.“
 
Will sah ihn mit offenem Mund an. Die unseren Beistand benötigen? Woher nahm Jack immer nur diese Phrasen, mit solch einer Leichtigkeit?
 
„Der Abt gibt die Hoffnung wohl niemals auf, oder? Um ehrlich zu sein, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Ihr unter diesem Haufen Mistkerle auch nur einen einzigen findet, der Eure Zeit und Mühe wert ist.“ Der Wirt nickte in Richtung seiner Gäste. „Sie alle kommen schon seit Jahren hierher. Ich würde mal vermuten, für die kommt jede Rettung zu spät.“
 
„Verstehe.“ Jack ließ sich nicht beirren. „Aber ist das nicht ein wundervolles Schiff, das ich dort draußen durch göttliche Fügung in der Bucht erblickt habe, guter Mann? Möglicherweise sind die Leute, die auf diesem Schiff angereist sind, auch gerade erst hier angekommen, genau wie wir. Vielleicht mag für sie noch nicht jede Hilfe zu spät sein?“
 
„Ah. Das wäre wohl das Schiff von Captain Smith. Manchmal nennt er es die Pearl, manchmal die Revenge. Ich fürchte, Ihr werdet keinen einzigen Mann seiner Mannschaft mehr finden. Sie sind alle Hals über Kopf von Bord geflüchtet, kurz nachdem das Schiff vor Anker ging. Vor wenigen Tagen war nämlich noch ein anderes Schiff hier. Es war gerade dabei, die Segel zu hissen und suchte noch Leute für seine Mannschaft. Ich sage Euch, jeder einzelne dieser armen Tölpel hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Captain Smith so schnell wie möglich den Rücken gekehrt. Alles, was noch übrig ist, sind der Captain selbst und sein erster Maat.“
 
„Aber warum? Ist dieser Smith etwa kein christlicher Mensch?“, fragte Jack.
 
Der Wirt schüttelte den Kopf. „Ich habe gehört, er wäre schlimmer als der Teufel persönlich.“
 
„Nun, wie es scheint, hat der Herr seinen eigenen Plan, den sonst keiner kennt“, sagte Jack. „Mich dünkt, dass es wohl nie einen Mann gab, dessen Seele unseres Beistands mehr bedurfte, als die von Captain Smith. Sprecht, guter Mann, wisst Ihr vielleicht, wo wir diesen armen, verlorenen Sünder finden können?“
 
„Versucht es einige Türen weiter im Greensward Inn. Aber ich sage Euch jetzt schon, Bruder, Ihr verschwendet nur Eure Zeit.“ Er drehte sich um, um einen neuen Gast zu bedienen.
 
Will konnte fühlen, wie ihn jemand am Ärmel zog. Oh nein. Er drehte sich um und sah einen Jungen, der hinter ihm stand, nicht älter als neun oder zehn Jahre alt. Der Junge deutete mit dem Kopf auf einen zweiten Knaben, der ungefähr dasselbe Alter hatte und der sich hinter einem nahe stehenden Pfosten verbarg. „Thaddäus will wissen, was ihr unter eurer Kutte tragt.“
 
Will trug natürlich seine normalen Kleider darunter, inklusive seines Schwertes, aber er hatte absolut keine Ahnung, was Mönche normalerweise anhatten. Schnell zog er Jack am Ärmel.
 
Jack drehte sich um und musterte den unverschämten kleinen Kerl, der seine Frage wiederholte.
 
„Stiefel“, antwortete Jack. Er lehnte sich nach unten und kam mit seinem Gesicht ganz nahe an den Jungen heran. „Damit ich dir damit besser in den Hintern treten kann, mein Sohn.“ Er trat einen Schritt zurück und deutete mit seinem Stiefel einen Tritt an, woraufhin der Junge sich so schnell wie möglich vom Acker machte.
 
Das war aber wirklich nicht sehr christlich von dir“, sagte Will.
 
Jack hielt seinen Finger an die Lippen. „Denk immer schön an dein Schweigegelübde, Bruder William.“
 
Will verdrehte die Augen und folgte ihm durch die Menge nach draußen auf die Straße. Verdammt, war es heiß unter diesen blöden Decken. Die Nachtluft half ihm ein wenig, sich abzukühlen, aber es war nicht einmal annähernd genug. „Ich halte das nicht mehr aus.“
 
„Ich denke, es wird auch nicht mehr besonders lange notwendig sein.“ Jack lief die Straße entlang und Will bemühte sich, mit ihm Schritt zu halten.
 
Sie fanden das Greensward Inn und blieben vor der Tür stehen, um sich umzusehen. Es schien ein relativ kleines Haus zu sein. Die Vorhänge in den Fenstern waren zugezogen, und man konnte nur gedämpftes Licht dahinter erkennen. Daher schlichen sie sich nahe an die Fensterrahmen heran und fanden schließlich einen Spalt, durch den sie hindurchspähen konnten. Innen konnten sie ein paar Tische erkennen, die für das Abendessen gedeckt waren, und drei vereinzelte Gäste, die ihnen den Rücken zuwandten.
 
Langsam und vorsichtig schlichen sie in eine schattige Seitenstraße neben dem Gebäude. „Das ist jetzt schon ein bisschen komplizierter“, sagte Jack.
 
„Dir wird schon was einfallen“, antwortete Will. „Das ist doch immer so. Und überhaupt…, wo zur Hölle hast du gelernt, so zu reden?“
 
„Wie zu reden?“
 
„Wie in der Taverne. Mit dem Beistand und dem ‚mich dünkt’ und der göttlichen Fügung.“
 
„Oh, hier und da.“
 
Will wusste, dass sich hinter dieser Fähigkeit mit Sicherheit eine Geschichte verbarg, die er früher oder später erfahren würde. Jetzt allerdings war nicht gerade der passende Zeitpunkt dafür. Er wollte diese Maskerade endlich beenden und Hardcastle finden. Er hatte es satt, sich in dieser lächerlichen Kutte durch die Straßen zu stehlen. Ned Hardcastle hätte seine gerechte Strafe schon vor langer Zeit erhalten sollen und er war fest entschlossen ihn persönlich für seine Verbrechen büßen zu lassen.
 
Daher wartete er ungeduldig darauf, dass Jack endlich etwas einfiel. Er blickte über den Hafen und beobachtete die Schiffe, die sich im Rhythmus der leichten Wellen auf und ab bewegten. Seit ihrer Ankunft hatten sich die Wolken verdichtet und die Brise, die vom Meer kam, hatte einen feuchten Geruch, den Will gut kannte. „Es riecht nach Regen.“
 
„Ganz zweifellos“, stimmte ihm Jack zu. „Es ist an der Zeit, reinzugehen.“
 
„Hast du einen Plan?“
 
„Nicht wirklich. Ich werde mit dem Gastwirt sprechen. Du stellst dich in die Tür zum Esszimmer, während ich ihn ablenke. Versuch herauszufinden, ob diese Männer im Zimmer Ähnlichkeit mit denen haben, die wir suchen.“
 
„Klingt nicht allzu kompliziert.“
 
Gemeinsam mit Jack lief er zum Gasthaus. Eine ältere Frau empfing sie in der Eingangshalle und Jack zog sie augenblicklich beiseite. „Gute Frau, wir sind erst vor kurzem hier angekommen und suchen den Weg zum Kloster. Könnt Ihr uns vielleicht behilflich sein?“
 
Während sie ihm noch den Weg zum Kloster erklärte, wanderte Will hinüber zum Eingang des Esszimmers. Von der Tür aus konnte er alle Tische gut überschauen und auch die drei Männer, die gerade ihr Mahl zu sich nahmen. Ihm am nächsten war ein leichenhaft aussehender alter Mann von mindestens achtzig Jahren. Am mittleren Tisch saß ein junger, unglaublich dicker Kerl, der ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt war und dann erblickte er den Mann, der am weitesten von ihm weg saß, in einer Ecke des Raumes. Sogar im Halbdunkel des Gasthauses wusste Will, dass dies Jacks Doppelgänger sein musste, Ellis, der erste Maat. Er hatte ungefähr Jacks Größe und Alter, trug ähnliche Kleidung und hatte lange, dunkle Haare, in die er einige Perlen geflochten hatte.
 
Will lief zurück zu Jack, der gerade dabei war der Frau überschwänglich zu danken. „Bruder Jonathan, der Abt wird uns schon erwarten.“
 
„Natürlich, Bruder William.“ Jack dankte der Frau noch ein letztes Mal, verbeugte sich kurz vor ihr und drehte sich zum Gehen um.
 
Als sie wieder im Freien waren, sagte Will: „Hardcastle habe ich nicht gesehen, aber Ellis sitzt da drin und isst gerade zu Abend.“
 
„Das ist gut. Wenn er so ist, wie die meisten Seeleute, dann wird er sich nach dem Essen auf den Weg zur Taverne machen. Wir können warten.“
 
„Und was dann?“
 
„Dann fangen wir ihn ab.“
 
Sie kehrten zurück in die Seitengasse und versuchten, sich vor den Blicken der vorbeigehenden Leute zu verstecken. Zwanzig Minuten vergingen, dann hörten sie, wie die Tür des Gasthauses geöffnet wurde. Ein schneller Blick um die Ecke bestätigte ihre Vermutung, dass es sich um Ellis handelte, der sich auf den Weg zur Taverne machte, die sie selbst kurz zuvor besucht hatten.
 
„Los“, sagte Jack.
 
Gemeinsam eilten sie hinter Ellis her und nahmen ihn von beiden Seiten in die Zange. Will hatte die Hand an seinem Schwert.
 
Ellis hielt mitten im Schritt inne. „Wo zur Hölle kommt ihr zwei denn her? Verschwindet!“
 
„Das werden wir nicht.“ Plötzlich hatte Jack seine Pistole in der Hand und bohrte Ellis die Mündung in die Rippen. „Mitkommen!“ Er schob ihn seitwärts in eine schmale, dunkle Gasse.
 
Ellis leistete keinen Widerstand, als sie ihn gegen die Mauer schubsten und ihm seine Waffen wegnahmen. „Ich nehme mal an, Ihr seid keine echten Mönche?“, fragte er ruhig. „Oder sind im Kloster die Almosen knapp geworden?“
 
„Wir wollen kein Geld von Euch“, antwortete Jack. „Wir wollen Informationen.“
 
Ellis wedelte mit seinen Armen und es war eine Geste, die Will in einer unheimlichen Art und Weise an Jack erinnerte. „Na dann los…, fragt mich.“
 
„Wir würden gerne ein paar Worte mit Eurem Captain Smith wechseln. Wo ist er?“
 
„Oh, ist das etwa schon alles? Ihr hättet mich auch einfach höflich fragen können. Ich hätte es Euch gerne erzählt.“
 
„Habt Ihr Euch etwa auch mit ihm überworfen?“, fragte Will.
 
„Der Bastard schuldet mir noch zwei Monatsanteile. Aber was wollt Ihr von ihm? Meine Ansprüche stehen über Euren.“
 
„Na wenn das so ist, warum geht Ihr dann nicht einfach vor und holt Euch von ihm, was Euch zusteht? Wir sind dann direkt hinter Euch.“
 
„Warum sollte ich Euch helfen? Ich weiß doch nicht einmal, wer Ihr seid.“
 
Jack schob seine Kapuze zurück. „Ich bin Captain Jack Sparrow.“ Er grinste. „Klar soweit?”
 
„Oh verfluchte Scheiße.” Ellis fing plötzlich an zu zappeln und versuchte zu fliehen.
 
Jack stieß ihn zurück an die Wand. „Nette Perlen, die Ihr Euch da ins Haar geflochten habt.“
 
„Schaut, ich wollte Euch nie etwas Böses. Zuerst sagte er, es wäre alles nur ein Scherz. Und außerdem hat er versprochen, er würde mich gut dafür bezahlen. Erst später, als er sich irgendwann mal betrunken hat, habe ich erfahren, dass er es auf Euch abgesehen hat. Sobald ich meinen Lohn habe, bin ich über alle Berge.“
 
„Erzählt mir mehr”, sagte Jack. „Warum ist er gerade jetzt hierher zurückgekommen, nach all der Zeit?“
 
„Ich vermute mal, oben im Norden gab es zu viele, die seinen Kopf wollten. Er hat mehr Feinde als Fische im Meer schwimmen. Ich kenne selbst nicht die ganze Geschichte. Als der Alkohol ihm mal die Zunge gelockert hat, sagte er, dass Ihr derjenige wärt, der sein Leben zerstört hat. Er sagte, alles wäre perfekt gewesen, als er vor so vielen Jahren auf diesem einen Schiff segelte. Das beste Schiff, auf dem er jemals war, sagte er, und unter dem besten Captain, der jemals gelebt hat.“
 
„Die Intrepid.“
 
„Ganz genau. Und dann wärt Ihr gekommen und hättet ihm alles zerstört.“
 
„Das ist ja wirklich sehr interessant. Ich frage mich, wie ich das wohl angestellt habe, wo er doch derjenige war, der mich hängen wollte?“
 
„Er sagte, Ihr hättet das Schiff verflucht. Und er sagte, der Fluch hätte gewirkt.“
 
„Ach, hab ich das?“ Jack neigte den Kopf zur Seite und sah nachdenklich aus.
 
„Während sie Euch nach unten in den Kerker gezerrt haben“, sagte Ellis. „So wie er die Geschichte erzählt, habt Ihr damals einen Fluch ausgesprochen, auf das Schiff und seinen Kommandanten, gerade als sie Euch wegbrachten.“
 
Jack nickte. „Das habe ich. Ich erinnere mich wieder.”
 
„Und in derselben Nacht ist das Schiff gesunken und der Captain selbst fand den Tod.“
 
Will schüttelte den Kopf. „Aber das war doch nur Zufall. Hardcastle kann doch wohl nicht ernsthaft glauben, dass das irgendetwas anderes war als Schicksal?“
 
Ellis zuckte mit den Schultern. „Ich kann Euch nichts anderes darüber sagen. Er sagt ab diesem Zeitpunkt wäre sein Leben die reinste Hölle gewesen. Seitdem ist ihm nichts Gutes mehr widerfahren. Von dem, was ich weiß, hat er die meiste Zeit irgendwo oben im Norden verbracht. Er hat mit Fellen gehandelt und Robben gejagt. Dann ist er wieder ein Stück nach Süden gezogen, durch die Kolonien. Irgendwie hat ihn dort dann wohl die Nachricht von Eurer Begnadigung erreicht, und das hat ihm dann diese ganze verrückte Idee in den Kopf gesetzt. Er sagte, er wolle Euch dafür bezahlen lassen, dass Ihr sein Leben zerstört habt.“
 
„Das ist doch wirklich unglaublich“, sagte Will. „In New Bedford, so viele Meilen weit weg, hat er von Jacks Begnadigung gehört?“
 
„Auch in den Gewässern sind Piraten unterwegs“, antwortete Jack. „Im Grunde sind sie überall, die ganze Küste entlang, rauf und runter. Durch sie verbreiten sich Neuigkeiten schnell.“
 
„Ich weiß nicht, wo er es gehört hat“, sagte Ellis. „Ich habe ihn erst hier unten getroffen, in Tortuga. Er sagte, er wolle Euch hängen sehen.“
 
„Darüber sollte er besser nochmal nachdenken“, antwortete Jack. „Also, wo ist er?“
 
„Er ist unten am Hafen. Er hat all die Schätze, die er in den letzten Monaten erbeutet hat, dort in einem Warenhaus gelagert. Es ist das Größte, ganz am nördlichen Ende. Ich hätte ihm heute Nacht eigentlich dabei helfen sollen, alles auf das Schiff zu laden. Er hat seiner Mannschaft nie mehr als ein paar kleine, symbolische Stücke überlassen, deshalb sind sie ja auch abgehauen. Schaut, ich habe Euch alles erzählt, was ich weiß, also lasst mich gehen. Ich werde Euch sogar helfen, den Bastard zu töten, wenn es das ist, was Ihr wollt.“
 
„Ich will ihn hängen sehen“, sagte Jack.
 
„Fein. Ich werde Euch zu ihm bringen. Zu dritt sollten wir es schaffen, diesen Riesen zu überwältigen.“
 
„Wir können Euch nicht trauen“, sagte Will.
 
„Da hast du Recht.“ Jack deutete auf Wills Taille. „Ich schätze, es ist an der Zeit, den Orden zu verlassen, Bruder William. Gib mir das Seil.“
 
Sie ließen Ellis gefesselt und geknebelt in der Seitenstraße zurück und bedeckten ihn mit ihren inzwischen nutzlosen Kutten.
 
Will war froh, dass er nun endlich wieder mehr Bewegungsfreiheit hatte, und dass er dieses kratzige Stück Stoff ein für allemal los war. Aber sie waren nicht mehr als ein Dutzend Schritte gegangen, als der erwartete Regen einsetzte. Das Wasser fiel so schnell und so heftig vom Himmel, dass er sich schon bald wünschte, er hätte die Kutte mit der Kapuze doch nicht einfach so achtlos weggeworfen.
 
Immer wieder verloren seine Stiefel auf dem glatten, glitschigen Kopfsteinpflaster den Halt, und er musste sich an Jacks Schulter festhalten, um nicht hinzufallen. Jack zog ihn schließlich unter das Vordach eines nahe gelegenen Ladens. „Der Regen wird nicht lange andauern“, sagte er. „Wir können warten.“
 
„Nein.” Will wollte sein Glück nicht aufs Spiel setzen. Er wollte nicht riskieren, dass Hardcastle ihnen womöglich doch noch entkam, egal wie unwahrscheinlich es auch war. Ein Blitz durchbrach die Wolkendecke, kurz darauf folgte lautes Donnergrollen. „Ich will ihn nicht verlieren.“
 
„Dann komm.“
 
Wieder rannten sie los und schlugen die Richtung nach unten zum Hafen ein, wo sich die hölzernen Planken des Uferweges als noch glitschiger erwiesen als die Straße. Vorsichtig arbeiteten sie sich immer weiter nach Norden durch. Niemand war bei diesem Wetter unterwegs, jeder hatte Schutz vor dem Sturm gesucht. Gemeinsam stolperten sie durch die Dunkelheit und waren schließlich bis auf die Knochen durchnässt. Dann, als sie sich dem Ende des Weges näherten, erspähten sie in der Dunkelheit das riesige, heruntergekommene Holzgebäude, das wohl die Lagerhalle sein musste. An seiner Vorderseite war ein kleiner Steg angebracht, wo ein Ruderboot lag und als sie näher kamen, konnte Will die Buchstaben entziffern, die das Heck zierten. Es gehörte zur Revenge
 
Vorsichtig schlichen sie sich bis zur Seite des Gebäudes vor. Die massive Vordertür war offen und blasses Licht schien von innen nach draußen. Sie krochen noch näher, da sie sich sicher waren, dass das Gewitter alle Geräusche, die sie verursachten, übertönte. Als sie an der Eingangstür ankamen, spähte Jack langsam um die Ecke. Dann zog er seinen Kopf wieder zurück und deutete Will an, zurück zu schleichen.
 
„Was hast du gesehen?“, fragte Will.
 
„Er ist im hinteren Teil des Gebäudes. Er ist gerade dabei, Kisten auf einen Handkarren zu laden.“
 
„Wenn wir zusammen reingehen, können wir ihn überwältigen.“
 
„Wahrscheinlich. Aber lass mich vorangehen. Das Licht kommt nur von einer einzigen Lampe, die zu seinen Füßen steht. Vielleicht hält er mich ja für Ellis, so lange, bis wir schon ganz nahe an ihm dran sind.“ Jack löste das Band, das sein Haar zusammen hielt, sodass es wieder nach unten auf seine Schultern fiel.
 
Ein weiterer Blitz zuckte über den Himmel und er war bereits viel näher als der Letzte. Der Donnerschlag, der kurz darauf ertönte, war ohrenbetäubend. Jack wartete, bis sich der Lärm gelegt hatte. „Bist du bereit?”
 
Wills Hand fuhr nach unten zum Griff seines Säbels. Er hoffte inständig, Hardcastle würde sich nicht einfach so ergeben. Er wollte kämpfen. Er wollte Vergeltung.
 
Jack tastete nach der Pistole, die in seinem Hüftgürtel steckte, dann nickte er. „Bleib ein Stück hinter mir.“
 
Sie liefen um das Gebäude herum bis zur Eingangstür. Will blieb einige Schritte hinter Jack, so wie Jack es ihm befohlen hatte. Dann betraten sie das Lagerhaus und er sah sich sorgfältig um, während sich seine Augen an das dämmrige, flackernde Licht der einsamen Laterne gewöhnten. Von innen hatte die Hütte Ähnlichkeit mit einer Höhle. Überall waren Regale, die mindestens dreißig Fuß bis an die Decke reichten und sie alle waren von oben bis unten mit Kisten, Tonnen und Kästen angefüllt. Nur ein zehn Fuß breiter Weg war ausgespart, der mitten durch den Raum führte. Die hölzernen Fußbodendielen waren nass und glitschig vom Regen, der durch die offene Tür fegte. Will konnte die Handkarre am anderen Ende erkennen, und als sie langsam näher kamen, konnte er einen ersten Blick auf Ned Hardcastle erhaschen.
 
Oft war ihm Hardcastle als groß beschrieben worden, aber dennoch war Will erschlagen von der unglaublichen Masse und Wucht des Mannes, der eine Kiste nach der anderen hochhob und sie auf seinen Wagen lud. Hardcastle war ein Riese. Er war ein breitschultriger, mehr als zwei Meter großer Gigant. Die Laterne, die zu seinen Füßen stand, schien nach oben an die Wände und warf ein unheimliches, dämonisches, gelb-organgefarbenes Licht über Hardcastles Gesicht und seinen Oberkörper, über seinen wilden Mob aus grau-roten Haaren, über seinen zerzausten Bart und seinen stark tätowierten Körper. Der Mann war ein Monster, und obwohl er mindestens sechzig Jahre alt sein musste, wusste Will, dass er die Kraft hatte, sie beide mit bloßen Händen zu töten.
 
Er schluckte schwer und lockerte instinktiv sein Schwert in der Scheide.
 
Hardcastle hörte sie bereits, als sie noch knappe zwanzig Fuß von ihm entfernt waren. „Wer ist da?“ Seine Stimme war so laut und dröhnend, dass sie sogar den Sturm übertönte.
 
„Ellis“, rief Jack ihm zu.
 
„Wurde verdammt nochmal auch Zeit. Wer ist das, der da hinter dir steht?“
 
„Ich hab jemanden gefunden, der uns hilft.“ Jack kam noch ein paar Schritte näher.
 
„Na dann bewegt euch und fangt an zu arbeiten, ihr faulen Hunde. Die Karre ist voll und kann zum Schiff gebracht werden.“ Er beugte sich nach unten, um die Laterne vom Boden aufzuheben.
 
Jack sprintete plötzlich nach vorne, als er sah wie Hardcastle sich bückte. Er zog seine Pistole und blieb weniger als fünf Fuß vor dem Mann stehen. Als sich Hardcastle aufrichtete, zückte Jack die Waffe und zielte damit direkt auf seine Brust. Will kam näher und stellte sich mit gezogenem Säbel direkt hinter ihn.
 
„Ah.“ Hardcastle hielt die Laterne hoch. „Wenn das mal nicht Jack Sparrow höchstpersönlich ist. Ich hatte schon erwartet, dass Ihr mich früher oder später finden würdet. Und wer ist Euer junger Freund da?“
 
Will kam noch einen Schritt näher. Nun konnte er sehen, dass Hardcastle bewaffnet war. Ein großer Dolch hing in einer Scheide an seinem Gürtel. „Mein Name ist Will Turner“, sagte er kühn. „Bill Turner war mein Vater.“
 
„Ach wirklich? Und ich vermute mal, dass der kleine Bubi jetzt Rache will, hab ich Recht?”
 
„Kein Rache“, antwortete Jack. „Nur Gerechtigkeit.“
 
Hardcastle lachte, und es war ein heiserer, hässlicher Laut. „Was weiß ein Pirat schon von Gerechtigkeit?“
 
„Seid still“, fuhr Jack ihn an. „Ich bin nicht hier, um mit Euch zu plaudern. Jetzt stellt die Lampe zurück auf den Boden, ganz langsam und wenn Ihr schonmal dabei seid, dann könnt Ihr den Dolch auch gleich daneben legen.“
 
„Was auch immer Ihr sagt.“ Aber dann blickte Hardcastle an ihm vorbei und sah Will direkt ins Gesicht. Er grinste. „Na Bubi, jetzt bist du also Jacks kleiner Liebling, hm?“ Er musterte ihn mit spöttischem Blick. „Dich kann man bestimmt auch recht gut in den Hintern ficken, ja?“
 
Sofort loderte in Will eine Flamme der Wut auf, und ohne nachzudenken warf er sich mit seinem Säbel nach vorne. Jack drehte sich um und rief ihm etwas zu, aber dieser eine, kleine Moment der Unaufmerksamkeit reichte bereits. Hardcastle warf die Lampe so hart er konnte in Jacks Richtung und sie traf Jack mit der Kante direkt an der Stirn. Jack strauchelte und stolperte nach hinten. Als die Lampe zu Boden fiel, verlosch das Licht und tauchte das Lagerhaus augenblicklich in tiefste Dunkelheit. Wills Schläge trafen nur noch ins Leere, da Hardcastle zur Seite getreten und ihm geschickt ausgewichen war. Wie rasend schlug Will um sich, dann drehte er sich um und sofort traf ihn ein mörderisch harter Schlag von Hardcastles Faust direkt ins Gesicht.
 
Er ging zu Boden und blieb wie betäubt liegen. Dann hörte er, wie Jacks Pistole plötzlich losging. Er drehte sich um, um zu sehen, woher der Rauch kam und konnte einen kurzen Blick auf Jacks schemenhafte Gestalt erhaschen, wie er dastand und die Pistole hielt. Der Lauf war genau auf die Stelle gerichtet, an der Hardcastle soeben noch gestanden hatte. Dann verflog der Rauch, und Will konnte überhaupt nichts mehr sehen.
 
Auf allen vieren kroch er von der Stelle weg, an der er Hardcastle zuletzt gesehen hatte. Als er in etwas Hartes, Eckiges prallte, erkannte er, dass es wohl der Handkarren sein musste. Schnell rollte er sich darunter, während sein Kopf noch immer von dem Schlag dröhnte. Verzweifelt lauschte er auf irgendwelche Geräusche um sich herum, während er darauf wartete, dass das Pochen in seiner Schläfe endlich nachließ. Er konnte absolut nichts hören, keine Schritte, nichts. Verdammt. Sie waren im Vorteil gewesen und nun hatten sie alles verloren, einfach nur, weil er seine Wut nicht im Zaum halten konnte. Weil er aufgrund von Hardcastles spöttischen Worten völlig die Kontrolle verloren hatte. Voreilig… viel zu voreilig, wie immer. Kein Wunder, dass sich Jack ständig um sein Überleben sorgte. Und Jack, wo war er? War er in Sicherheit? Wie sollten sie Hardcastle jetzt nur besiegen können?
 
Wenigstens hatte er immer noch seinen Säbel. Will fasste nach unten und seine Finger umklammerten den Griff. Auch sein Kopf fühlte sich langsam wieder etwas klarer an. War das gerade das Geräusch eines Schrittes gewesen, direkt neben ihm? Langsam und so leise wie möglich kroch er unter dem Karren hervor. Er dachte an seinen Vater und was Hardcastle ihm angetan hatte. Er dachte an das, was Hardcastle ihm selbst angetan hatte. Ich werde das wieder in Ordnung bringen. Was auch immer dazu nötig war, er fühlte sich bereit. Ich werde diesen Bastard zu Hackfleisch verarbeiten. Unbesonnenheit hatte ihn in diese Situation gebracht, vielleicht würde ihn Unbesonnenheit auch wieder heraushelfen.
 
Vorsichtig stand er vom Boden auf. Es war viel zu still. Wo war Hardcastle? Dann hörte er einen lauten Schrei und etwas Schweres fiel nach unten auf den Boden. Das Geräusch kam aus der Nähe, aber er konnte nicht sagen, aus welcher Richtung. Er fühlte, wie Angst sein Herz umklammerte. War es Jack gewesen, der da geschrieen hatte? Hatte Hardcastle ihn etwa gefunden?
 
Und plötzlich brachte der Sturm die Lösung. Erneut schlug ein Blitz in die Bucht ein, und tauchte das gesamte Lagerhaus für einen kurzen Moment in grelles Licht. Und in diesem hellen Licht, sah Will Hardcastle, der nicht einmal zehn Fuß von ihm entfernt stand. Hardcastle war über Jack gebeugt und hielt seinen Dolch drohend über ihn. Jack lag mit dem Rücken flach auf dem Boden. Will sah, wie er seinen Kopf drehte und wie sich ein roter Fleck auf seinem weißen Hemd ausbreitete. Er hörte Jack stöhnen. Schon im nächsten Moment war alles wieder dunkel.
 
Will hechtete los. Er brauchte überhaupt kein Licht, denn es war blanke Wut, die ihn antrieb. Wahnsinniger, glühender Hass überflutete sein Herz, als er seinen Körper mit aller Wucht seitlich auf Hardcastle prallen ließ und ihn so von Jack wegstieß. Gemeinsam gingen sie zu Boden und überrollten sich mehrmals, während sie immer wieder gegen die harten Holzdielen prallten. Wills rechter Arm wurde so fest gegen den Boden geschleudert, dass er seinen Säbel verlor. Verzweifelt kroch er auf alle Vieren umher und suchte danach, aber auch Hardcastle hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet und kickte ihn mit einem gezielten Fußtritt zur Seite. Will packte Hardcastle am Bein und zog daran, so fest er konnte. Der riesige Mann verlor auf dem glitschigen Holzboden den Halt und fiel ebenfalls auf die Knie. Gerade, als Will sich wieder aufrichten wollte, berührte seine Hand etwas Eckiges, Metallenes. Die Lampe. Er ergriff sie im Aufstehen, drehte sie in der Luft und schleuderte sie mit aller Kraft auf den Kopf seines Feindes.
 
Metall traf auf Knochen. Hardcastle gab einen grunzenden Laut von sich und fiel. Wieder hob Will die schwere Laterne über den Kopf und katapultierte sie mit aller Kraft nach unten. Ein weiteres Mal hörte er dieses unglaublich befriedigende Geräusch von Metall, das auf Knochen prallte. Dann hörte er Hardcastle stöhnen, bevor er mit dem Gesicht voran zu Boden ging.
 
Ich werde ihn umbringen. Dieser Bastard muss sterben. Immer wieder schlug Will mit der Laterne auf den bewusstlosen Mann ein, während das glühende Feuer in seinem Innern sich ausbreitete und drohte, ihn zu verschlingen. Wut erfüllte sein Herz und seine Gefühle raubten ihm jegliche Zurückhaltung. „Ich werde dich umbringen!“, schrie er. Er ließ die Lampe neben Hardcastles bewegungslosem Körper fallen und fiel auf die alle Viere, um am Boden nach seinem Säbel zu suchen.
 
Langsam begannen sich seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Er hörte ein Geräusch und sah in die Richtung, aus der es kam. Er erspähte Jacks Hemd, das blassgrau in einer Welt aus Schatten schimmerte. „Will… es ist vorbei. Er bewegt sich nicht mehr.“
 
„Nein!” Wie wild kroch er auf dem Boden umher und ließ seine Hände immer wieder über die rauen Holzdielen gleiten. „Er muss sterben.“ Wo war nur dieses verfluchte Schwert?
 
Wie von Sinnen suchte er weiter, während Wut und brennender Hass ihn fast überwältigten. „Er hat meinem Vater wehgetan.“ Er würde das tun, was sein Vater gewollt hätte. Seine Hand berührte etwas Kaltes, Hartes. Sein Säbel. Er griff danach und schnitt sich an der scharfen Spitze die Finger. Aber er ignorierte den Schmerz. Er fand die Klinge und tastete sich daran entlang bis hinab zum Griff. Dann nahm er das Schwert in die Hand.
 
Er stand auf und versuchte in dem dämmrigen Licht, das von draußen in die Hütte schien, irgendetwas zu erkennen. So plötzlich wie der Sturm gekommen war, hatte er sich auch wieder verzogen und nun schienen ein paar vereinzelte Sterne durch den durchbrochenen Wolkenhimmel. Will rieb sich mit der Hand über die Augen, dann lief er auf die dunkle Gestalt zu, die nicht weit von ihm auf dem Boden lag.
 
Sein Bewusstsein war überflutet mit furchtbaren Bildern. Bilder aus Jacks Erzählungen über seine Zeit auf der Intrepid. Bilder von seinem Vater und Hardcastle, von Schmerz und Folter. Bilder von einer Zeit und einem Ort, die längst vergangen waren. Es waren Erinnerungen, über die er keine Kontrolle hatte. Aber nun hatte er die Kontrolle über das Leben dieses Mannes. Hier und jetzt konnte er diesen Schmerz ein für allemal auslöschen. Er trat zu Hardcastle und kickte ihn mit dem Fuß. Hardcastle bewegte sich nicht. Will hob sein Schwert.
 
„Tu’s nicht!”
 
Er zögerte einen Moment lang, als er das Flehen in Jacks Stimme hörte. „Ich muss.“
 
„Aber es ist nicht richtig… das bist nicht du. Du bist kein Mörder.“
 
Will blickte hinter sich und im schwachen Licht konnte er Jacks Umrisse erkennen. Jack lag noch immer auf dem Boden. Er hatte sich mit einem Ellbogen aufgestützt, während er seine andere Hand fest gegen seine Seite presste, gegen den blutverschmierten Fleck auf seinem Hemd. Hardcastle hatte seinem Vater wehgetan und jetzt hatte er auch Jack wehgetan… Will ergriff sein Schwert mit beiden Händen und hielt es über Hardcastles bewegungslosen Körper. Er richtete die Klinge direkt auf seinen Rücken. „Ich habe schon früher Männer getötet.“
 
„Aber nicht so.“
 
Wills Hand zitterte. Der Schmerz, der von seinen zerschnittenen Fingern herrührte, lockerte seinen Griff und durch das Blut war der Säbel glitschig. Er starrte nach unten auf Hardcastle. Er hasste ihn, er wollte ihn tot sehen und das Verlangen, das Leben dieses Mannes zu beenden, war so brennend, dass es ihm fast den Verstand raubte.
 
„Will, hör mir zu. Das bist nicht du. Du bist zu so etwas nicht fähig!“
 
Doch Will konnte nichts anderes hören als das Blut, das in seinen Ohren rauschte… Er klammerte seine Finger noch fester um den Griff seines Schwertes. Er hob ihn hoch, um noch mehr Kraft und Schwung in den Schlag zu legen…
 
… und dann hörte er Jacks Stimme, wie er klar und deutlich sagte: „Der Mann, den ich liebe, ist zu so etwas nicht fähig.
 
Seine Bewegung erstarrte mitten im Schlag. Dann stolperte er nach hinten und ließ seinen Säbel mit einem harmlosen Klirren zu Boden fallen. Sein glühender Hass löste sich innerhalb von Sekunden in Rauch auf und die Bilder aus der Vergangenheit zerfielen zu Staub. Will stand einfach nur da und rang nach Atem, so, als wäre er beinahe ertrunken und soeben erst gerettet worden.
 
„Er ist ein guter Mann“, ertönte Jacks Stimme hinter ihm.
 
Will sank neben ihm zu Boden. „Mein Gott, was hab ich getan?“
 
„Nichts.“ Jack versuchte sich aufzurichten und hielt sich an Wills Arm fest. „Es ist alles in Ordnung.“
 
Will packte ihn und zog ihn nach oben, wo er ihn fest an seine Brust drückte. „Ich danke dir.“ Dann ließ er wieder locker und begann Jacks Oberkörper abzutasten. „Wo bist du verletzt? Wie schlimm ist es?“
 
„Ich werd’s überleben.” Jack führte Wills tastende Finger an die Schnittwunde, die über seinem Brustkorb verlief. Sie war lang, fühlte sich aber nicht besonders tief an. „Was ist mit dir?“
 
Will zog ihn erneut an sich und presste seine Stirn gegen die von Jack. „Nur ein paar kleine Schnitte. Nichts Dramatisches.” Langsam wich die Anspannung aus seinem Körper und machte einer ruhigen Erleichterung Platz. Jack liebte ihn. Er hatte geglaubt, die Worte seien nicht mehr nötig, und wirklich, eigentlich waren sie es auch nicht, denn er wusste doch, dass Jack ihn liebte. Er wusste es schon seit geraumer Zeit. Jack musste es gar nicht aussprechen. Er hatte es ihm schon so oft in der Vergangenheit gezeigt, auf ganz vielfältige Weise. Aber heute Nacht hatte Jack es gesagt, um ihn vor davor zu bewahren, in einen Abgrund zu stürzen. Er hat es gesagt, um mir das Leben zu retten.
 
„Wir können jederzeit gehen“, sagte Jack.
 
Will lächelte, dann küsste er Jacks Stirn. „Bruder Jonathan”, antwortete er leise, „Ich glaube du hast letztlich doch noch eine Seele gefunden, die du retten konntest.”
 
~*~**~*~
 
Der Balkon des Governors, mit seiner großartigen Sicht auf den Hafen von Port Royal, war schon immer einer von Wills Lieblingsplätzen gewesen. Eine warme Nachmittagsbrise streichelte sein Gesicht, als er an der Steinbrüstung stand und hinauf auf das Meer blickte. Die Pearl war im Hafen vor Anker gegangen und auch die Revenge lag ganz in der Nähe. Sie hatten sie als Beute mit hierher gebracht, nachdem sie Hardcastle in Tortuga abgeliefert hatten, wo Norrington ein Kontingent Soldaten stationiert hatte. Hardcastles Kopfverletzungen waren ernst, aber wie der Marinearzt Will versicherte, würde er sich früh genug davon erholen, um an seiner eigenen Hinrichtung teilzunehmen. Das passte Will ganz hervorragend in den Kram.
 
Daher hatte er jetzt einen Punkt in seinem Leben erreicht, wo er sich fragte, was er wohl als Nächstes tun sollte. Er drehte sich um und blickte hinüber zu einem Korbsofa, das ebenfalls auf dem Balkon stand und auf dem Jack ausgestreckt in der Sonne lag und eine Tasse Tee genoss. Will lächelte. Jacks Wunde hatte ganz ordentlich geblutet, aber sie war nicht tief gewesen und hatte keine wichtigen Organe verletzt. Aber natürlich hatte er seine Verletzung gnadenlos hochgespielt, als sie letztendlich in Port Royal ankamen. Er tat, als sei er schwächer als er in Wirklichkeit war und nutzte die Gastfreundschaft, die Governor Swann ihm daraufhin anbot, von vorne bis hinten schamlos aus. Die gemütlichen Betten, das gute Essen und der fabelhafte Weinkeller. Zwei Wochen hatten sie nun schon in der Villa verbracht, bis Swanns Ärzte Jack just an diesem Morgen geradewegs ins Gesicht gesagt hatten, dass er nur simulierte. Will blickte hinab auf seine eigene bandagierte Hand, an der die Schnittwunden fast verheilt waren. Swann hatten ihnen höflich aber bestimmt nahe gelegt, sich bis zum Abend wieder auf den Weg zu machen.
 
Und wohin sollen wir gehen? Was sollen wir tun? Will drehte sich erneut um und blickte hinab auf die Pearl. Freiheit. Die Freiheit was zu tun?
 
„Willst du keinen Tee?”, fragte Jack.
 
„Nein, danke.“ Wills Blick wanderte über das Schiff hinaus, über den Hafen hinaus, bis hin zur endlosen Weite des Horizontes. Er hatte die Freiheit, überall hin zu gehen, aber keine Ahnung was er wollte.
 
Er hörte, wie Jack aufstand und zu ihm herüber kam. Er stellte sich neben Will und lehnte sich mit seinen Armen auf die breite Brüstung. Jacks Haar war offen und flog frei im Wind, da er an diesem Tag keine Bandana trug, um es unter Kontrolle zu halten. Er blickte hinaus auf die Bucht. Eine sanfte Brise kam von Meer und blies ins Inland. „Ich hoffe, der Wind wird sich bis heute Abend noch drehen.”
 
„Und wo soll er uns hinbringen?“, fragte Will.
 
„Oh, ich hab da schon die ein oder andere Idee.“
 
„Na, da bin ich mir sicher.“ Will wollte gerade damit anfangen, ihm noch ein paar weitere Informationen aus der Nase zu ziehen, als sie plötzlich von Commodore Norrington unterbrochen wurden, der ebenfalls auf den Balkon trat.
 
Sie drehten sich um und begrüßten ihn. Der Commodore sah sichtlich zufrieden aus. „Ich habe da einige Informationen, Gentlemen, die Euch sicherlich sehr interessieren werden. Zuerst einmal habe ich Nachricht aus Tortuga erhalten. Hardcastle hat sich erholt, wurde aufgrund seiner aktuellen Verbrechen der Piraterie und des Mordes rechtsgültig zum Tode verurteilt und vor zwei Tagen gehängt.“
 
Will konnte fühlen, wie ihn eine Welle der Erleichterung überkam. Es tat gut, diese Bürde aus Vergeltung und Rache endlich von sich zu werfen. „Das sind gute Neuigkeiten.“ Dieses Monster würde niemanden mehr verletzten und auch sein Vater war endlich gerächt.
 
„In der Tat. Aber ich habe noch mehr gute Neuigkeiten. Der Governor hat sich dazu bereit erklärt, die Revenge käuflich zu erwerben. Er ist gewillt, einen anständigen Preis dafür zu zahlen.“
 
„Das wärmt mein Herz“, antwortete Jack.
 
Norrington konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. „Ja, da bin ich mir sicher.“
 
„Auch die Mannschaft wird froh sein“, sagte Will.
 
„Aye“, pflichtete ihm Jack bei. „Sie haben immer zu uns gestanden. Sie haben sich ihren Anteil redlich verdient.“
 
„Gut.“ Norrington starrte einen Moment lang auf seine Stiefel, als ob er sich seine nächsten Worte genau überlegen müsste. Als wieder aufblickte, sagte er: „Außerdem habe ich mich mit dem Governor in den vergangenen Tagen viel über Eure Zukunft unterhalten.“ Er räusperte sich kurz und hüstelte ein wenig. „Wie Ihr sicher wisst, ist der Friede für England immer nur eine sehr kurzfristige Angelegenheit. Weitere Kriege werden folgen und dann wird es sicher noch mehr Gelegenheit für Euch geben, als Söldner tätig zu werden. Aber dazwischen, in diesen kurzen, ruhigen Zeiten des Friedens, heuert die englische Regierung gelegentlich besonders fähige Männer für den geheimen Informationsdienst an.“ Ein wenig skeptisch hob er eine Augenbraue bei dem Wort fähig. „Mit anderen Worten – Spione. Wir nutzen solche Männer für die unterschiedlichsten Missionen. Sie untersuchen Meldungen von verdächtigen Aktivitäten oder merkwürdigen Vorfällen, Dinge, die möglicherweise für die Regierung von Interesse sein könnten, manchmal untersuchen sie auch spezielle kriminelle Organisationen, mit denen das normale Militär nicht fertig wird.“ Er legte eine kleine Kunstpause ein, um die Wirkung seiner Worte erst einmal sinken zu lassen.
 
„Ihr wollt, dass wir Spione werden?“, fragte Will. „Und dass wir dafür die Pearl benutzen?“
 
„Ganz genau.“
 
Jack verschränkte die Arme vor der Brust. Er sah nicht sehr überzeugt aus. „Was fällt denn alles so unter ‚kriminelle Organisationen’? Würde das bedeuten, dass wir Piraten jagen müssen? Denn das wäre nichts für mich, Kumpel.“
 
Norrington sah ihn ein wenig merkwürdig an. „Ich dachte, Ihr wärt derjenige gewesen, der mir erzählt hat, die Black Pearl sei das letzte echte Piratenschiff in der Karibik.“
 
Will beobachtete Jacks Gesicht und er sah die vielen unterschiedlichen Emotionen, die darüber flackerten. Erinnerung, Ungläubigkeit, dann endlich Verstehen. Er muss sich keine Sorgen machen, seine eigenen Leute zu hintergehen, dachte Will, wenn es wahrhaftig keine Piraten mehr gibt.
 
„Das Ende einer Ära“, sagte Norrington.
 
„Und das ist alles nur deine Schuld.“ Jack deutete vorwurfsvoll mit dem Finger auf ihn. „Obwohl es trotz allem noch immer jede Menge Piraten in Südostasien gibt. Vielleicht werde ich mich ja denen anschließen. Hauptsache, möglichst weit weg von dir.“
 
„Na, na, na“, antwortete Norrington. „Jetzt seid mal nicht so schnippisch. Es ist ein sehr großzügiges Angebot, das wir Euch da machen, und selbstverständlich werdet Ihr für Eure Mühen reichlich belohnt. Ihr und Eure Mannschaft.“
 
Jack seufzte lange und höchst erbarmungswürdig. „Dich werde ich wohl nie mehr los, oder?“
 
„Es ist nicht sehr wahrscheinlich.“ Norrington lächelte.
 
„Ich finde den Vorschlag sehr verlockend”, sagte Will zu Jack. Ihm gefiel die Idee, als Spion zu arbeiten. Das Ganze roch nach Abenteuer und Aufregung, aber sicherlich wäre es längst nicht so gefährlich, wie Kriegsschiffen im offenen Kampf gegenüber zu stehen.
 
„Ach was, wirklich?“ Jack warf ihm einen warmen Blick zu. „Klingt wie ein ganz großes Abenteuer, hm?”
 
Will zögerte. Das letzte Mal, als er sich ein großes Abenteuer gewünscht hatte, wurde im Endeffekt alles sehr viel komplizierter als er es sich ursprünglich vorgestellt hatte. „Naja, ein bisschen schon“, gab er zu. Aber dennoch, solange er Jack an seiner Seite hatte, musste er sich doch wirklich keine Sorgen machen. Vielleicht lief nicht immer alles nach Plan, vielleicht würden sie unterwegs über den ein oder anderen spitzen Stein stolpern, aber sie würden sicher immer eine Möglichkeit finden, um gemeinsam zu überleben. So war es schließlich immer gewesen. Er warf Jack ein kurzes Lächeln zu. „Ich weiß, worauf wir uns einlassen. Und ich bin dabei.“
 
„Na gut, ich sag dir was.” Jack drehte sich zurück zu Norrington. „Zuerst einmal werden wir einen kleinen Ausflug machen. Heute in einem Monat werden wir wieder hier sein. Dann werden wir dir sagen, ob wir dein Angebot annehmen.“
 
„Abgemacht“, sagte Norrington. Er wollte gerade gehen, da hielt er noch einmal kurz inne. „Tut mir nur einen Gefallen, versucht bitte, euch während eurer Abwesenheit von jeglichen zwielichtigen Angelegenheiten fernzuhalten.“ Dann lief er weiter zur Tür und verließ den Balkon.
 
Will wartete, bis er außer Hörweite war, dann drehte er sich zu Jack um. „Du wirst sein Angebot annehmen, oder?“
 
„Oh ja.“ Jack grinste. „Ich wollte ihn nur noch ein bisschen länger auf die Folter spannen.”
 
Sie blieben noch ein Weilchen auf dem Balkon sitzen, dann genossen sie noch ein letztes Mal das hervorragende Abendessen, das ihnen Swanns Koch zubereitete. Als sie Swanns Villa letztlich am frühen Abend verließen, bemerkte Will, dass der Wind heftiger geworden war und seine Richtung geändert hatte. Jetzt blies er hinaus aufs Meer.
 
„Es wird Zeit zu gehen“, sagte Jack.
 
Sie gingen nach unten zum Hafen und ruderten an Bord der Pearl. Jack gab der Mannschaft das Kommando, den Anker zu lichten und ließ Gibbs am Steuer, während er wie üblich hinunter in seine Kabine ging, um den Kurs zu berechnen. Wie immer ging Will mit ihm.
 
Jack wollte gerade die Karte aus dem Schrank ziehen, als er plötzlich inne hielt. Er griff in das Fach und zog die kleine, silberne Kiste hervor, die er auf den Tisch stellte.
 
Will, der ihn dabei beobachtete, konnte ein flaues Gefühl im Magen nicht unterdrücken. Er erinnerte sich an das letzte Mal, als er die Kiste gesehen hatte und an Jacks Reaktion, als er ihn nach dem Inhalt gefragt hatte. Der Geist von Nate Flynn war plötzlich wieder auferstanden, gerade als sie geglaubt hatten, die Vergangenheit sei für immer vorüber. Vorsichtig kam er näher. „Ist es immer noch ein Geheimnis?“, wagte er schließlich zu fragen.
 
„Es war nie wirklich eins.“ Jack nahm die Schärpe ab, die er immer um seine Taille trug. Dann durchsuchte er die einzelnen Falten des Stoffes, bis er schließlich eine kleine Tasche fand, die zugenäht war. Er löste die Naht mit seinem Fingernagel und zog einen kleinen Schlüssel hervor. Der Schlüssel glitt ins Schloss und der Deckel der Kiste öffnete sich. „Es hatte absolut nichts mit dem zu tun, was du mich an diesem Tag gefragt hast.“
 
Will, der vor Neugierde schon fast platzte, beobachtete, wie Jack eine dünne Silberkette aus der Truhe zog. Als er sie hochhielt sah Will, dass ein silbernes Kreuz daran baumelte. Er runzelte die Stirn. Also hatte es nichts mit Flynn zu tun? „Wem gehörte das?“
 
„Das“, antwortete Jack, „ist das Einzige, was mir von meinem Vater geblieben ist.“
 
„Von deinem Vater?“, wiederholte Will völlig überrascht. Ein Kreuz?
 
„Reverend Jonathan Sparrow.“
 
Wills Kinnlade fiel nach unten. „Reverend? Dein Vater war ein Priester?“
 
Jack strich lächelnd über das winzige Kreuz. „Na, fragst du dich gerade, wie oft er sich meinetwegen wohl schon im Grab umgedreht hat?“
 
„Ich glaub’s einfach nicht.“ Jack musste ihn veräppeln. Von all den Berufen, die er sich für Jacks Vater hätte vorstellen können, war dies sicherlich der letzte, der ihm eingefallen wäre. Dann jedoch erinnerte er sich plötzlich an Jacks Wortschatz und an seine Fähigkeit, Männer der Kirche so leicht zu imitieren. Er starrte auf das Kreuz. „Ist das wirklich wahr?“
 
„Es ist wahr.”
 
„Er war ein gebildeter Mann, oder?”
 
„Er war relativ belesen, ja. Und meine Mutter hatte eine Schule. Wir hatten eine Menge Bücher zu Hause. Allerdings nie viel Geld.“ Sorgfältig legte er die Halskette zurück in das Kästchen. „Sie beide sind ungefähr zur gleichen Zeit an der Pest gestorben.“ Er drehte den Schlüssel wieder im Schloss und stellte die Kiste zurück in den Schrank.
 
„Aber ich dachte, du hättest da drin etwas von…“ Will hielt inne, bevor er Flynns Namen sagen konnte.
 
„Ich weiß, was du dachtest.“
 
Will versuchte, soviel Mitgefühl wie möglich in seine Stimme zu legen. „Dann hast du gar nichts, was ihm gehörte?“
 
Als Antwort hob Jack nur seine rechte Hand. „Es war immer hier, Junge. Die ganze Zeit über.”
 
Der silberne Ring mit dem ovalen, schwarzen Stein in der Mitte. Der Ring, den er nie abnahm. Natürlich. Will ergriff Jacks Hand. Er hielt sie in seiner und betrachtete den Ring. „Er ist schön.”
 
Jack legte seine zweite Hand über Wills, zog ihn an sich und gab ihm einen langen, zärtlichen Kuss. In diesem Moment veränderte sich etwas zwischen ihnen. Es war ein feierlicher Augenblick, der ihre Beziehung festigte. Es war das Wissen und die Erkenntnis, dass die Vergangenheit nun endgültig tot und begraben war. Sie beide waren bereit für ihre gemeinsame Zukunft.
 
Schließlich löste sich Jack von Will und drehte sich wieder zurück zum Schrank. Er holte die Karte hervor und breitete sie auf dem Tisch aus.
 
„Also“, fragte Will. „Wohin führt uns dieser geheimnisvolle Ausflug, den du planst? Und warum hast du Norrington gesagt, dass es einen Monat dauern wird?“
 
„Weil ich soviel Zeit haben möchte, um sie mit dir zu verbringen.“ Jack studierte die Karte, dann fand er die Stelle, die er gesucht hatte und notierte sich die Koordinaten auf einem Zettel. „Und zwar will ich dort mit dir alleine sein. Denn es ist ein ganz besonderer Ort.“
 
Will blickte auf die Stelle auf der Karte. Plötzlich begriff er. Es war ihre einsame Insel.
 
„Du kannst dich vielleicht nicht mehr daran erinnern“, sagte Jack. „Aber das Erste, was ich tat, nachdem Gibbs uns gerettet hatte, war den Ort auf der Karte zu kennzeichnen. Wenn wir wollen, dann kann er uns einfach eine Weile dort absetzen, nur dich und mich.“ Dann runzelte er plötzlich die Stirn. „Allerdings mit besserem Proviant. Und besserer Verpflegung.“ Seine Stirn glättete sich wieder und er grinste. „Und mit sehr viel mehr Rum.“
 
„Unsere Insel.“ Will war sprachlos. Zu dem Zeitpunkt, als sie von der Insel gerettet wurden, hatte ihre Beziehung ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Nie zuvor waren sie je so entzweit gewesen. „Damals dachte ich, dass du mich nicht mehr bei dir haben willst. Aber wenn du nicht wolltest, dass ich bei dir bleibe, warum hast du dann die Stelle auf der Karte markiert?“
 
„Aus dem einen Grund“, erklärte Jack. „Dort auf dieser Insel habe ich dich geliebt. Und daran wollte ich mich erinnern.“
 
Seine Worte raubten Will den Atem. Es dauerte einen Moment lang, bis er seine Sinne wieder beisammen hatte und bis sein Gehirn seine normalen Funktionen wieder aufnahm. All die Zeit hindurch hatte er sich Sorgen gemacht, wie Jack wohl auf seine romantischen Liebesschwüre reagieren würde, aber jetzt kannte er endlich die Wahrheit. Will grinste. „Du bist ein sentimentaler Trottel.“
 
Jack verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. „Bin ich nicht.“
 
„Und ob du das bist. Der Ring. Das Kreuz. Die Markierung auf der Karte. Du hast wahrscheinlich mehr Anflüge von Romantik als ich.“
 
Jack verschränkte die Arme. „Hab ich nicht.“
 
Nun kreuzte auch Will störrisch seine Arme vor der Brust. „Du“, sagte er mit fester Stimme, „erzählst sowieso nie die Wahrheit. Du bist unehrlich. Und bei einem unehrlichen Mann kannst du darauf vertrauen, dass er unehrlich ist.“
 
„Ich bin nicht…“ Jack wollte gerade schon mit dem Finger bedrohlich in Wills Richtung zeigen, als er plötzlich inne hielt, den Kopf neigte und den Finger stattdessen nachdenklich an sein Kinn hob. „Oh.“ Er runzelte die Stirn. „Naja, ich vermute du könntest Recht haben.“
 
„Ich hab Recht.” Will durchquerte mit einigen raschen Schritten das Zimmer. Er nahm Jacks Hände in seine und legte sie um seine eigene Taille.
 
„Äh, ich schätze, ich sollte dem Steuermann die Koordinaten bringen“, sagte Jack.
 
Als Antwort schlang Will seine Arme um Jacks Hüften. Sanft berührte er Jacks Lippen mit seinen und flüsterte: „Kann das denn nicht noch ein kleines Weilchen warten?“
 
Jack schloss die Augen und lehnte seine Stirn gegen Wills. „Aber wir wollen uns da draußen doch nicht verirren.“
 
„Nur keine Sorge“, antwortete Will zärtlich. „Außerdem, wie lange können wir schon segeln, bis wir uns verirren?“
 
„Du und ich?“, antwortete Jack. Er lächelte, als er Will festhielt. „Für immer… soweit wir kommen, Kumpel.“
 
„Das”, sagte Will liebevoll, „ist absolut ein Anflug von Romantik.”
 
„Und wenn schon.“
 
Will lächelte und gab Jack einen sanften Schubs in Richtung Bett.
 
Und so segelte die Pearl für lange Zeit in die Nacht hinein, ziellos und ohne Koordinaten, während sie sanft unter einem Baldachin aus Sternen dahin glitt, mit der Freiheit, den fernen Horizont zu jagen.


Nächster Teil




All "Pirates of the Caribbean" related names and items associated with the film are ©Disney and other entities who have rights to the said Pirates of the Caribbean franchise. This is a fan site, no copyright infringment intended - it is for entertainment purposes only. If you have any problems with content on my site please email me.
The layout, HTML-sourcecode and all non "Pirates of the Caribbean" related graphics are copyright 2004 Bold-and-Naked. They may not be distributed and/or published without permission. All other graphics are copyright ©Disney. The story "Pirate Dreams" belongs to AlexFandra, it was translated into German by liv.