AUTOR: Jenny
WEBSITE: Love That Dares
ÜBERSETZUNG: liv
GENRE: Romantik, Angst, Drama, Smut, Bloodplay
FREIGABE: NC-17 / ab 18
SETTING: BtVS Season 6 - ungefähr zu Zeiten von "Tabula Rasa"
INHALT: Willow hat von Buffys und Spikes Verhältnis erfahren und spricht einen Zauber, der Angel zurück an Buffys Seite bringen soll. Allerdings wirkt ihre Magie anders als beabsichtigt und Spike und Angel müssen sich mit den Konsequenzen ihrer Vergangenheit und mit ihren Zukunftsängsten auseinandersetzen.
KOMMENTAR: Angelus ist Spikes Sire. Dies hat er zumindest in "School Hard" gesagt und wir glauben ihm das jetzt einfach mal so.

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As It Was, So Shall It Be
by Jenny



~ Teil 1 ~



Spike räkelte sich auf dem Bett. Er konnte geradezu fühlen, wie ihm ein erwartungsvoller Schauer über den Rücken lief. Er war kurz davor eine Jägerin zu vögeln und es fühlte sich sehr, sehr gut an. Besser jedenfalls als die andere Art von Zweisamkeit, die er früher mit Jägerinnen geteilt hatte. Soviel war sicher.

Jetzt musste er sie nur noch in seine Gruft locken. Er überlegte, ob er in die "Magic Box" gehen sollte um sie zu überreden, mit ihm auf Patrouille zu gehen. Doch er bezweifelte, dass es funktionieren würde. Er entschloss sich schließlich im Geschäft anzurufen und bemerkte nicht, dass er dabei einen großen Fehler machte. Er übersah, dass es nicht Buffy war, mit der er am anderen Ende der Leitung sprach. Und es war ihm schrecklich peinlich, als er plötzlich Willows überraschte Stimme vernahm. "Spike?"

Spike knallte den Hörer zurück auf die Gabel und fluchte laut. Willow, im Gegenzug, legte ein wenig vorsichtiger auf. Vorsichtiger und viel nachdenklicher.

Das war neu.

Das war übel.

Das war neu, das war übel und… es war ungerecht. Es war ungerecht, weil sie inzwischen alleine war. Es war falsch, soviel war sicher, egal wie man es drehte. In jeder Hinsicht war es falsch. Igitt. Spike und Buffy… igitt!

Willow war sich nicht sicher, was sie tun sollte. Sie wollte nicht Spikes Zorn auf sich ziehen, indem sie ihm in die Quere kam… damit würde sie nicht auch noch umgehen können… sie hatte schon genug damit zu tun, mit Buffys Zorn klarzukommen. Sie brauchte jemanden, der beide fest im Griff hatte… oh… Angel!

Sie rief Angel an und erzählte ihm, was sie gerade erfahren hatte. Auch er knallte den Hörer auf die Gabel, jedoch – um fair zu sein – er fluchte nicht.

Kurz darauf bereute Willow was sie getan hatte. Sie hatte einen schrecklichen Fehler gemacht. Was, wenn Angel Buffy gar nicht mehr wollte? Sie konnte sich schon jetzt das ganze schreckliche Szenario ausmalen… erst zerstört er die Beziehung zwischen Buffy und Spike, und dann will er die arme Buffy am Ende gar nicht wieder zurückhaben. Erst holst du sie aus dem Himmel weg, dann ruinierst du ihr Liebesleben… du hast einiges wieder gut zu machen, Willow! Und Willow tat das, was sie in der letzten Zeit immer machte, wenn sie vor einem Problem stand – sie griff zur Magie. Sie beschloss sicher zu gehen, dass Angel Buffy auch wirklich liebte. Sie sprach einen Zauber – "So wie es war, so soll es sein" – und sie richtete diesen Zauber auf Angel.

Der Zauber begann zu wirken, als Angel gerade über den Friedhof streifte und nach Spikes Gruft Ausschau hielt. Er hatte bereits eine Hand auf die Türklinke gelegt um einzutreten, als er kurz blinzelte, aufsah, und plötzlich dachte: "Nanu, was ist denn hier passiert, Boyo? Warum ist es so warm und, bei allem was mir unheilig ist, in welch merkwürdige Gewänder bin ich gekleidet?"

Willows Zauber war vielleicht eine ganz gute Idee gewesen, aber – wie alle Magie – hatte er die Tendenz nach hinten loszugehen. Der Zauber war viel zu stark. Er sollte alles wieder an seine Ursprünge zurückbringen, aber möglicherweise legte Willow zu viele eigene Sehnsüchte und ein klein wenig zuviel von ihrem persönlichen Schmerz und ihrer eigenen Not in die Worte, als sie den Spruch sagte. Die Magie war viel zu stark und Angel wurde dadurch geradewegs durch seine ‚Ich bin ja so verliebt’-Phase hindurchgeschleudert, durchquerte seine ‚Oh mein Gott, ich habe eine Seele’-Jahre und landete direkt in seinen ‚Ich bin die Geißel von Europa’-Tagen.
So wie es war… so soll es sein, in der Tat. Angel war genau wie er einst gewesen war, abgesehen davon, dass er jetzt leicht poofige Haare und sexy Klamotten trug. Nicht dass er die Haare sehen konnte, oder dass er die Klamotten als sexy empfunden hätte. Er verspürte nur eine leichte Übelkeit und war komplett orientierungslos… zwei Empfindungen, die Angelus überhaupt nicht gewohnt war.

Nachdem er erkannt hatte, dass er sich auf einem Friedhof direkt vor einer Gruft befand, war er verständlicherweise nicht gerade erfreut über die Umstände, die ihn direkt aus Darlas Bett an diesen merkwürdigen Ort katapultiert hatten. Er beschloss jedoch der Sache auf den Grund zu gehen und vermutete, dass das Ganze wohl auf irgendeinen dämonischen Zauber zurückzuführen war. Er öffnete die Tür zu der Gruft, wild entschlossen den Verursacher der Magie zu finden und ihn zu töten.

Dieser Ort verwirrte ihn. Noch nie hatte er eine Gruft gesehen, die so offensichtlich bewohnt war. Er streifte durch den Raum und sah sich einen Moment lang all die Dinge an, die er nicht verstand. Bis er plötzlich eine Stimme von unten hörte, die sagte: "Oh Buffy… du bist also doch gekommen. Hat dir der Rotschopf Bescheid gesagt?"

Angelus wich einen Schritt zurück als Spike die Leiter emporkam.

Spike verschluckte sich beinahe an seinem Schluck Whiskey.

"Zur Hölle nochmal, Angel. Was willst du? Poof."

Fast glaubte Angelus diesen äußerst merkwürdigen Vampir zu erkennen. Fast, aber nicht wirklich. Er runzelte die Stirn. Der Vampir erinnerte ihn an sein zwei Monate altes Childe, William. Aber die Ähnlichkeit zwischen den beiden hörte bei den Augen auf. Vielleicht waren sie zu Lebzeiten verwandt gewesen? Zuerst einmal war dieser Vampir hier völlig unangemessen gekleidet. Angelus würde William niemals erlauben, sich ohne ordentliche Gewänder an die Öffentlichkeit zu begeben.

"Willst du hier einfach nur rumstehen wie eine bescheuerte Schaufensterpuppe, Angel?"

"Mein Name ist Angelus. Warum sprecht ihr mit mir, als ob wir uns kennen würden?"

Spike hielt einen Moment lang inne, betrachtete Angelus ein wenig genauer und antwortete dann in spöttischem Ton: "Das glaub ich kaum, Kumpel. Ich kann diese widerliche Seele von hier aus riechen."

Angelus gab ein gefährliches Zischen von sich und setzte sein Gameface auf. "Passt auf, wie ihr mit mir sprecht."

"Ach verpiss dich, du Hohlkopf! Bist du besoffen oder was? Schau, ich warte hier auf die Jägerin, also…"

Angelus wirbelte herum. "Eine Jägerin? Wo?"

Vorsichtig und langsam senkte Spike die Flasche von seinem Mund und fragte mit verwunderter Stimme: "Angelus?"

"Kennt ihr mich?"

"Ähm… okay. Ich spiele dieses Spielchen jetzt einfach mal mit. Dies hier ist immer noch Sunnydale… aber bitte fang jetzt nicht an zu singen, okay, Kumpel? Ich hab keine Lust auf musikalische Untermalung. Alles, außer Singen, ist das klar? Ja, du kennst mich, ich bin dein *Childe*."

Spike warf ihm das Wort mit Verachtung entgegen. Es war, als ob er eine Wahrheit zugeben würde, die er lange Jahren hinter sich gelassen hatte.

"Mein Childe? Wie könnt ihr es wagen. Wie ist euer Name?"

"Stell dir vor… Spike natürlich. Nun ja, William für dich, vermute ich mal."

"William." Plötzlich erkannte Angelus ihn. Unter den Lederhosen, dem merkwürdigen lilafarbenen Hemd, der noch viel merkwürdigeren Halskette und den seltsamen Haaren, da sah er ihn plötzlich. Er sah William und er hörte William, aber nicht seinen William… nicht den lieblichen Dichter, den er trainierte und den er zu Poesie aus seiner eigenen Feder formen wollte. Plötzlich ließ Angelus seinen Blick noch einmal durch die Gruft wandern.

"Wo sind wir hier?"

"Was?"

"Dies hier ist nicht London, oder?"

"Ähm… nicht als ich zum letzten Mal rausgekuckt habe, nein. Wir sind in Sunnydale. Du bist wirklich betrunken, oder?"

"Wo liegt dieses Sunnydale?"

"Nun, in Kalifornien."

"Wo liegt Kalifornien?"

"In Amerika."

"Die neue Welt?"

"Nun ja, sie ist inzwischen ein bisschen älter und verbrauchter geworden, vermute ich… aber ja."

Angelus betrachtete noch einmal Williams Kleider. Er sah auf seine eigene Lederhose hinunter und befingerte das Material seines Mantels und seines Hemdes. "Welche Zeit haben wir?"

"Hä?"

"Welches Jahr?"

"Oh, zweitausend und zwei… Angel…? Angelus…?"

~*~*~*~

Als Angelus erwachte, musste er sich der schmerzhaften Erkenntnis stellen, dass er zwei Jahrhunderte verloren hatte. Aber noch viel schlimmer war es, dass er sich eingestehen musste wohl in Ohnmacht gefallen zu sein. Vor kurzem war er erst von der Inquisition gefoltert worden und nun das hier. Er war ohnmächtig geworden! Außerdem war es seiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass sein Childe, William, nun älter war als er selbst. Er beschloss, dass es an der Zeit war, seine Position in dieser Beziehung aufs Neue zu festigen. Er setzte sich auf und bemerkte, dass man ihn auf ein Bett gelegt hatte. Er war ganz offensichtlich irgendwo unter der Erdoberfläche und er vermutete, dass es Williams Bett war, auf dem er saß. Von oben hörte er Geräusche und er beeilte sich nach seinem Childe zu rufen.

Als Spike die Treppe herunterkam sagte er: "Ah, sind wir also aus unseren süßen Träumen aufgewacht? Brauchst du vielleicht ein Riechsalz oder sowas in der Art, Angelus? Wenn ja, sag mir einfach Bescheid, okay? Weil ich könnte mich nämlich auch aufmachen und dir Lavendelwasser besorgen, wenn dir das…"

Angelus knurrte und schleuderte William in die nächstgelegene Wand. Ohne zu zögern platzierte er einen harten und besitzergreifenden Kuss auf die Lippen des blonden Vampirs.

Spike schubste ihn mit fast genauso viel Kraft von sich und wischte sich angewidert mit dem Handrücken über den Mund. Dann spuckte er theatralisch auf den Boden.

"Igitt, du Bastard. Sowas tun wir nicht mehr! Verflucht, seit hundertzwanzig Jahren nicht mehr."

Angelus stand einfach nur da. Dass es Angels verhasster Körper war, den Spike da vor sich sah, machte die Sache für den blonden Vampir nicht gerade einfacher. Das war ja fast so, als ob er Angel geküsst hätte. Und dies war etwas, worüber Spike nicht einmal annähernd nachdenken wollte. Lieber würde er wieder für Buffy singen und auf einem Sarg herumhüpfen.

Angelus setzte sich auf die Bettkante und sah Spike fragend an. "Wir tun das nicht mehr? Was meinst du damit? Bin ich etwa tot hier?"

"Noch mehr tot, nein. Immernoch tot, ja… Du lebst ein paar Autostunden von hier entfernt. Dies hier ist dein jetziger Körper, wenn du weißt was ich meine."

Angelus sah auf Angels Lederhose hinunter. Er betrachtete das blaue Hemd und den langen Mantel und erschauderte.

Spike lachte. "Du solltest erstmal die Haare sehen, wenn du schon glaubst das hier ist schlimm…"

Angelus’ Hände flogen nach oben und er strich mit seinen Handflächen über die senkrecht stehenden Haarbüschel. Er fuhr mehrmals mit den Händen darüber und befühlte die weichen, abstehenden Strähnen.

"Ich verstehe das alles nicht, William…"

"Nenn mich nicht so. Ich bin nicht mehr William. Ich habe meinen Namen geändert – ich heiße jetzt Spike."

"Warum?"

"Das ist eine lange Geschichte, Kumpel."

Angelus begann vor Spike hin und herzulaufen und warf ihm hin und wieder verwirrte Blicke zu.

"Also… warum machen wir…? Habe ich dich etwa verstoßen? Habe ich etwa ein Ritual an meinem eigenen Childe angewandt, um dich zu verleugnen?

"Nun ja, wir haben mit diesem ganzen Vampir-Scheiß heutzutage nicht mehr allzu viel am Hut, Angelus. Nee, wir haben uns einfach nur voneinander entfernt."

"Wir haben uns voneinander entfernt? Wie ist das möglich? Wir waren doch alles für einander!"

Spike konnte nicht verhindern, dass er einen Stich tiefster Traurigkeit verspürte. Er hatte versucht diese frühen Jahre mit Angelus zu vergessen. All die Gedanken, die jetzt wieder in ihm erwachten, verwirrten ihn zu sehr.

Angelus war allerdings jetzt hier, oder nicht? Es war unglaublich. Unfassbar. Typisch Sunnydale. Wie war das möglich? Und warum? Oh… bloody Hell!
Wer war dafür verantwortlich? Spike war überzeugt, dass er einen sehr guten Verdacht hatte, wer möglicherweise für diese Verwirrungen verantwortlich sein könnte.

Er konnte einfach nicht glauben, dass es wirklich Angelus war, der in diesem Körper existierte. Zögernd bewegte er sich auf den dunkelhaarigen Vampir zu.
Angelus hörte auf hin und her zu laufen, als Spike vorsichtig eine Hand ausstreckte und ihn an der Wange berührte. Er wollte einen tiefen Blick in diese dunklen Augen riskieren, um zu sehen, ob es denn wirklich sein geliebter Sire war, den er dort finden würde.

Möglicherweise interpretierte Angelus diese einfache Geste falsch, denn er fasste Spikes Hand, zog ihn an sich und verwickelte ihn ein weiteres Mal in einen leidenschaftlichen Kuss.

Spike zögerte, nur für einen Moment lang, während er in seiner üblichen verdrehten Logik dachte: "Scheiß drauf… es ist nur ein Kuss. Sonst will mich heutzutage ja doch keiner küssen… das hier wird ihr beweisen, dass mich auch noch jemand anderes will." Er wollte den Moment nicht durch seine Verwirrung zerstören und beschloss, den Kuss einfach kurzerhand zu genießen. Küssen war gut. Küssen war immer gut… es war im Grunde egal, wen man da eigentlich küsste. Das hier war auf jeden Fall besser als so ein Ding aus Plastik und Drähten.

Merkwürdigerweise sollte der Kuss jedoch wesentlich mehr mit sich bringen, als Spike erwartet hatte. Er brachte ihn zu sich selbst zurück und verankerte etwas in ihm, was er lange verloren geglaubt hatte.

Angelus öffnete seinen Mund und presste mit seiner Zunge leicht gegen Spikes Zähne. Spike lächelte und öffnete seine Lippen einen Spalt weit. Angelus’ Hände fuhren Spikes Körper entlang und glitten unter sein T-Shirt. Zärtlich begann er seine Brustwarzen zu kneten und sie mit den Fingerspitzen zu massieren.

Spike keuchte und zog sich zurück. Er war unglaublich erregt und er wusste, dass sich dies in seinen Augen widerspiegelte. Es war ein Schock für ihn zu erkennen, dass sein Körper selbst nach all der Zeit noch immer auf seinen Sire zu reagieren schien.

Angelus lächelte und begann sich an Spikes’ Hose zu schaffen zu machen. Der Reißverschluss faszinierte ihn und er öffnete und schloss ihn einige Male, bevor Spike ihn stoppte. "Lass mich das machen," murmelte er, seine Stimme heiser vor Emotionen.

Er zog seine Jeans herunter und stand einfach nur da während sich seine Erektion lang und blass vor seinem dunklen Hemd abzeichnete.

Angelus lächelte und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. "Hmm… das ist der William, den ich kenne."

Spike lachte wieder. "Ach komm schon Angel… lutsch einfach nur, okay?"

Augenblicklich erkannte er zu seinem eigenen Schrecken, was er da eben gesagt hatte. Angelus zog sich mit einem scharfen Grollen zurück. Dann stürzte er sich auf Spike und schleuderte ihn mit einem einzigen Schlag gegen die Wand.

"Wer glaubst du eigentlich, wer du bist, Childe? Habe ich dich denn nicht besser erzogen? Bei Gott, was ist das hier für ein Ort, wo ein Childe es wagt seinen Sire auf diese Art und Weise anzusprechen?"

Spike blieb einen Moment lang gegen die Wand gelehnt und überprüfte, ob sein Kiefer gebrochen war. Bevor sich Angelus jedoch ein weiteres Mal auf ihn stürzen konnte, schleuderte er seinen eigenen Körper mit aller Kraft gegen den dunkelhaarigen Vampir, und gemeinsam fielen sie nach hinten auf eine kleine Holzkiste, in der Spike üblicherweise seine Waffen aufbewahrte. Spike nutzte die Zeit, in der Angelus noch am Boden lag, hüpfte wieder in seine Jeans und hechtete nach oben um sich metaphorische Luft zum Atmen zu verschaffen.

Was zur Hölle war da gerade passiert? Er hatte doch nur einen Kuss gewollt. Er wollte doch nichts, außer einen kurzen Moment lang seine Beziehung zu Angelus noch einmal aufleben zu lassen. Wo zur Hölle war dieses ‚Lutsch ihn mir, Angel’ hergekommen?

Angelus hatte William niemals für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung gestanden. Er hatte William für sein eigenes Vergnügen benutzt, ein Recht das ihm als Sire zustand. Daher wusste Spike, dass diese Aufforderung mehr als nur eine Namensverwechslung war.

Aber was hatte das zu bedeuten? Sollte er etwa tatsächlich Angel gemeint haben? Hatte Spike tatsächlich eben die Person, die er am meisten auf dieser Welt hasste, dazu aufgefordert ihm einen Blowjob zu verpassen?

Spike hörte wie Angelus sich unten aufrappelte und verärgert auf die Kiste eintrat, auf der sie beide gelandet waren. Es war im Grunde genommen völlig egal, wen Spike mit seinem Satz gemeint hatte. Aus der Sicht von Angelus hatte Spike soeben die Geißel von Europa dazu aufgefordert, vor ihm auf die Knie zu fallen und ihm wie ein gewöhnlicher Zögling den Schwanz zu lutschen. Ach du Scheiße. Das war nicht gut.

Spike war nun völlig verwirrt und der hünenhafte Vampir, der da eben wutentbrannt die Leiter empor kletterte, war in keinster Weise hilfreich.

"Es tut mir leid, Angelus." Spike wich zurück und hielt die Hände beschwichtigend nach oben. "Du musst verstehen, dass sich viele Dinge inzwischen verändert haben… weißt du… wie der Meister zum Beispiel. Erinnerst du dich noch daran, dass du ihn immer für total bescheuert gehalten hast? Er lebte viel zu sehr in der Vergangenheit, oder…? Nun, genau so ist es jetzt mit uns… das mit uns ist Vergangenheit… und ich habe es einfach nur mit dem Heute verwechselt."

Angelus hielt inne und kreuzte die Arme vor seiner Brust. Er hielt seinen Blick auf Spike geheftet.

"Und dieser Angel, er ist dir gefällig… er leckt dich… oder nicht?"

Spike konnte gerade noch ein hartes bitteres Lachen zurückhalten. "Nein, wir sprechen noch nicht einmal miteinander. Daher ist Lecken mit Sicherheit kein Bestandteil unserer Beziehung."

"Aye, nun, ich bin auch verwirrt, Will… Spike. Du schienst recht angetan von dem Gedanken, Angel auf seinen Knien vor dir zu haben, aber dennoch sagst du ihr habt euch voneinander entfremdet. Dies hier ist eine sehr verwirrende Welt."

Langsam kam Spike zu ihm herüber und setzte sich auf den steinernen Sarkophag. Angelus zögerte einen Moment lang und stellte sich dann zwischen seine Beine. Er legte eine Hand auf jeden von Spikes Oberschenkeln.

"Du bist einsam, Childe. Ich kann es in deinen Augen sehen."

So unglaublich es auch war, bei Angelus’ sanften Worten konnte Spike fühlen, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen, und er drehte seinen Kopf weg um sie unbemerkt wegzublinzeln.

"Du weißt noch nicht einmal die Hälfte von allem, Angelus. Ich habe einen Chip, und kann deswegen keine Menschen mehr beißen. Ich arbeite für die Jägerin… verdammt, ich schlafe schon fast mit ihr. Du hast eine Seele, und du hast Darla und Penn gepfählt. Es ist alles scheiße hier, Angelus."

Einen Moment lang hatte Spike Angst, dass die Informationen, die er Angelus über seine Zukunft gab, auf irgendeine Art und Weise das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander bringen könnten. Aber dann erinnerte er sich daran, dass er kein Spinner und kein Loser war und dass er einen Scheiß drauf gab.

Unfreiwillig festigte sich Angelus’ Griff auf Spikes Oberschenkeln.

"Ich habe hier eine Seele?"

Spike nickte unglücklich.

"Hmm, ich frag mich wo die herkommt. Ich hatte nicht viel Seele in mir, als ich noch am Leben war."

Spike musste lachen und ging das Risiko ein, noch einmal seine Hand auf Angelus’ Gesicht zu legen. "Nun, jetzt hast du einen echten Brummer von Seele. Du…" er konnte kaum weitersprechen, weil er wusste, wie peinlich das alles für Angelus sein musste. "Du hilfst den Hilflosen, wie ein bescheuerter Robin Hood."

"Robin Hood war ein gemeiner Dieb und Mörder."

"Oh ja, hab ich ganz vergessen. Der wurde inzwischen auch ein wenig reformiert."

Angelus ergriff noch einmal Spikes Hand und zog ihn näher, bis der blonde Kopf auf seiner Schulter lag.

"Wie können wir nur entfremdet sein, Little One? Sogar mit Seele würde ich dich noch immer lieben."

"Sag das nicht, Angelus." Spikes Worte waren erstickt, weil er mit seinem Gesicht noch immer an Angelus Schulter gelehnt war. "Bitte sag das nicht… ich vermisse dich zu sehr."

Sie standen lange Zeit einfach nur so da, während Angelus mit seinem Daumen gedankenverloren an Spikes Hals entlangstrich. Es bereitete ihm Sorgen, sein Childe so verwirrt und so offensichtlich verloren zu sehen. Er wollte seine Hand ausstrecken und für ihn wieder den Sire spielen, aber er wusste nicht wie. Er war an diesem Ort hier ganz offensichtlich genauso ziellos wie Spike selbst.

Nach einiger Zeit löste er Spike von sich und sagte langsam und bedächtig: "Wir machen alles der Reihe nach. Lass uns zuerst mal losziehen und dieser Jägerin einen Besuch abstatten, in Ordnung? Hier drin gibt es keine Seele, William"

Spike widersprach ein wenig zu schnell. "Nein".

"William, sie ist eine Jägerin. Es ist unsere Pflicht sie zu töten."

"Das musst du mir nicht erzählen, Angelus… ich habe bereits zwei von ihnen getötet."

Angelus Augen wurden groß vor Stolz und Freude. Er küsste Spike. "Guter Junge!"

Spikes Herz schwoll an, als er die Anerkennung erhielt, nach der er sich so lange Zeit gesehnt hatte, die ihm aber nie zuteil wurde.

"Dann ist das für dich ja jetzt nur ein Kinderspiel."

"Nein! Schau, sie wird… sie ist nicht leicht zu töten… sie hat dich schon einmal getötet…"

Spike musste plötzlich erkennen, dass er nicht wusste, um wen von beiden er sich mehr Sorgen machte. Um Buffy oder um Angelus.

Angelus wartete nicht ab, bis Spike zu einer Entscheidung gekommen war. Er wanderte aus der Gruft und zog die Luft durch die Nase ein. Jedoch fand er keinen Geruch, den er irgendwie einordnen konnte, daher ging er einfach weiter und wanderte ziellos über den Friedhof.

"Angelus! Warte!" Spike beeilte sich sein Hemd zu ergreifen und hastete hinterher um den dunkelhaarigen Vampir einzuholen. "Du kannst das nicht tun… ich will nicht, dass sie stirbt."

Angelus blieb stehen und sah ihn an. "Möglicherweise haben sich einige Dinge verändert, Will. Vielleicht bist du nicht mehr mein zwei Monate alter Zögling, aber wir sind noch immer Vampire. Das wird sich nie verändern."

Er wandt sich wieder um und begann loszulaufen.

Spike fluchte und rannte hinter ihm her. Er machte sich nicht allzu viele Sorgen, da Angelus nicht die geringste Ahnung hatte wo Buffy überhaupt wohnte. Und wahrscheinlich lebten heutzutage mehr Leute in Sunnydale, als es zu Angelus’ Zeiten in ganz London gab. Daher war es sehr unwahrscheinlich, dass er sie finden würde.



Nächster Teil






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