AUTOR: Jenny
WEBSITE: Love That Dares
ÜBERSETZUNG: liv
GENRE: Romantik, Angst, Drama, Smut
FREIGABE: NC-17 / ab 18
SETTING: Zeit der 1. Staffel AtS und der 4. Staffel BtVS, direkt nach der Folge #4.13 The I in Team.
INHALT: Nachdem sich Spike mit dem Sender im Rücken zu den Scoobies gerettet hat, bringt Giles die gesamte Gang nach zu Angel nach LA. Angel, der bislang nichts von dem Chip wusste und keine Ahnung hatte wie schlecht es seinem Childe wirklich geht, ist völlig geschockt als er Spikes desolaten Zustand bemerkt.
Während dem Besuch der Scoobies bei Angel fällt überraschend der Strom aus. Während sie die lange Nacht in vollkommener Dunkelheit nebeneinander verbringen, erinnern sich Spike und Angel an ihre gemeinsame Vergangenheit.
Aber manchmal braucht man einfach mehr als nur Erinnerungen…
KOMMENTAR: Angelus Spikes Sire.
WARNUNG: Riley ist in dieser Geschichte ein Bösewicht – wer sich damit nicht abfinden kann, der sollte die Finger von der Story lassen.

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Remember Me
by Jenny


~ Kapitel 1 ~



Jenny

~ Spike's Point Of View - Angel's Point Of View ~


Endlich ist es leise geworden. Es war einfach nur noch hektisch seitdem sie hier angekommen sind. Sie alle: Giles, Buffy, Xander, Anya, Willow und… Spike. Sie haben mir nicht alles erzählt – die Teile über Riley, ihre neue Liebe, haben sie weggelassen. Ich wusste jedoch ohnehin schon davon, Cordelia hatte es mir längst erzählt. Und ich konnte ihn riechen… in ihr. Aber ich konnte auch spüren, dass Buffy wirklich Angst hatte. Und das jagte mir Angst ein. Noch nie zuvor hat irgendetwas es geschafft sie zu ängstigen, aber diese… Initiative… offenbar schon. Sie sagt, sie hätten versucht sie in eine Falle zu locken. Sie sagt, sie hätten versucht sie zu töten. Sie alle brauchen einen Ort, an dem sie sich verstecken können. Einen Ort, an dem sie Ruhe finden können um sich einen Plan auszudenken. Daher kamen sie hierher nach LA.

Ich vermute, dass das Timing einfach schlecht war, denn letzten Endes hatten wir mal wieder einen unserer üblichen Stromausfälle in LA. Mit einem Schlag lag das gesamte Apartment im Dunkeln. Es war nun zu gefährlich die Wohnung zu verlassen und ich bestand darauf, dass sie die Nacht bei mir verbringen würden. So kam es, dass wir nun alle gemeinsam hier liegen. In der Dunkelheit. Und versuchen zu schlafen.

Die Mädchen haben sich gemeinsam in mein Bett gelegt und sich trostsuchend aneinander gekuschelt. Giles und Xander versuchen zu schlafen, während sie in sitzender Haltung auf der Couch kauern und ihre Füße auf meinem Wohnzimmertisch aufgelegt haben. Giles sieht mit einem Mal sehr alt und mitgenommen aus. Diese neue Gefahr ist etwas von dieser Welt. Etwas von Menschen gemachtes. Etwas, worüber er nichts weiß.

Ich liege auf meiner Trainings-Matte in der Ecke und kann nicht einschlafen.

Und Spike? Er hat mein Angebot, die Matte mit ihm zu teilen, einfach ignoriert. Offenbar zieht er es vor, die Nacht sitzend zu verbringen. Er kauert am Boden und lehnt gegen die Seite meiner Küchentheke, wo er sich schon direkt nach seiner Ankunft hinbegeben hat. Er hat sich seitdem nicht bewegt. Er ist stumm. Abgesehen von diesen Schreien, die offenbar nur ich alleine hören kann.

Wenn man ihn so beobachtet, wie er einfach nur still und bewegungslos dasitzt, könnte man meinen, dass ihm all das hier überhaupt nichts ausmacht. Man könnte meinen, dass seine äußere Erscheinung ein Anzeichen dafür ist, dass er sein Schicksal akzeptiert hat. Vielleicht kann ich es hören, weil ich sein Sire bin. Alle Vampire geben ständig irgendwelche kaum wahrnehmbaren Laute von sich: tiefes, warnendes Knurren wenn sie verärgert sind, weiches, seidenes Schnurren wenn sie erregt sind. Aber diesen Laut hier habe ich noch bei keinem Vampir zuvor gehört. Es klingt wie ein Motor, den es bei zu großer Geschwindigkeit zerfetzt weil man einen viel zu niedrigen Gang eingelegt hat. Es ist ein unablässiger, wehklagender Laut. Es ist ein Furcht einflössender Klang von etwas, das unter unglaublich starkem Druck steht und kurz davor ist daran zu zerbrechen.

Als sie hier ankamen sprudelten sie alle über vor Geschichten über Sunnydale und über die Initiative. Sie alle redeten gleichzeitig und versuchten mir ihren Teil der Geschichte zu erzählen. Alle, außer Spike. Er lief hinüber in die Ecke, in der er jetzt sitzt, und blieb einfach dort gekauert, während er ein Loch am Rücken seines Mantels begutachtete. Er bewegte sich keinen Millimeter und blieb vollkommen stumm. Abgesehen von den Schreien, natürlich.

Giles erzählte mir von dem Chip. Nur so nebenbei, während er mir eigentlich von der Arbeit der Initiative berichtete. "Sie scheinen Dämonen mit einem Chip zu versehen um zu verhindern, dass sie sich ernähren. Spike hat auch einen. Sie sind unglaublich gut ausgerüstet…" Spike sah noch nicht einmal auf. So, als ob sich das Gespräch um einen ganz anderen Vampir drehen würde und nicht um ihn. Er saß einfach nur da und bewegte sich nicht. Er war stumm. Abgesehen von diesen furchtbaren Schreien.

Als wir uns endlich geeinigt hatten, wer wo schlafen sollte, machte Xander einen Witz darüber, dass sie Spike doch in der Badewanne festketten könnten. Schon wieder. Es war nur ein Witz. Spike blieb in seiner Ecke sitzen. Er bewegte sich nicht. Er war stumm. Abgesehen von den Schreien, die noch lauter wurden.

Willow erzählte mir von einem Zauber, den sie gesprochen hatte. Sie fand ihn lustig. Er ließ ihre Haare zu Berge stehen. Der Zauber hatte verhindert, dass die Initiative Spike finden konnte. Sie hatten ihn mit Hilfe des Senders verfolgt, den sie ihm in den Rücken geschossen hatten. Während Giles ihn rausgeschnitten hat. Ohne Betäubung. Aber das sagte sie mir erst später, nachdem sie sich selbst ein Glas Saft eingeschenkt hatte. Spike reagierte überhaupt nicht. Er blieb einfach gegen die Theke gelehnt sitzen. Er bewegte sich nicht. Er war stumm. Abgesehen von den Schreien, die inzwischen drohten meinen Dämon an die Oberfläche zu bringen.

Also… Spike wurde mit einem Chip versehen, in der Badewanne angekettet und angeschossen. Und niemand hat jemals daran gedacht mich zu informieren. Ich schätze, dass ich mein kleines 'Mir-ist-Spike-völlig-egal'-Spielchen wohl ein klein wenig zu überzeugend gespielt habe.

Ich kann seine Umrisse vage von hier aus erkennen. Ich kann seine blonden Haare sehen, sein bleiches Gesicht und seine Hände. Der Rest von ihm wird durch seine übliche schwarze Kleidung von der Dunkelheit des Raumes völlig verschluckt. Die Menschen sind inzwischen alle eingeschlafen. Ich kann ihre unterschiedliche Atmung hören, ihr Blut riechen. Das Apartment war noch nie so voll mit lebendem Blut. Es ruft nach mir.

Jetzt weiss auch er, dass sie schlafen. Er gleitet von der Theke weg und kommt herüber auf die Matte. Er lässt sich langsam nach unten sinken und verschränkt die Arme über seiner Brust und beweist – genau wie ich – dass er wahrhaft tot ist. Keine Atmung. Keine Wärme. Kein Blut. Nur eine kalte, weiße Gestalt, die neben mir liegt. Sie bewegt sich nicht. Sie ist stumm. Abgesehen von diesen ohrenbetäubenden Schreien, die nur ich hören kann.

~*~*~*~

Weitere zwei Stunden sind von dieser langen, finsteren Nacht nun schon vergangen. Ich kann inzwischen auch ihre menschlichen Körper riechen. Sie alle haben damit begonnen ihre individuellen Körpergerüche in der Luft zu verteilen. Der Raum ist voll davon. Sie bedrängen mich. Spike liegt nur fünfzehn Zentimeter von mir entfernt und es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass er überhaupt hier ist.

Ich frage mich woran er gerade denkt.

Glaubt er, dass ich ihn irgendwie im Stich gelassen habe? Glaubt er, dass ich ihm mehr schulde als nur das hier? Dieses völlige Desinteresse an seiner Person, das ich gezeigt habe nachdem er nach Sunnydale gekommen war? Ich frage mich, ob er den wahren Grund für meine Gleichgültigkeit erkannt hat. Ich frage mich, ob er sich noch an unser gemeinsames Leben erinnert, nachdem er erschaffen worden war. Er hat nie auch nur eine Andeutung gemacht, dass er sich erinnern würde.

Ich habe ihn erschaffen weil ich es konnte. Ich habe ihn für Dru erschaffen. Damit sie etwas hätte, was sie ablenken würde. Ich hatte nicht das geringste Interesse an seiner Person. Er war einfach nur da. Ging ich auf die Jagd, dann kam er mit und jagte ebenfalls. Wenn ich mit Dru schlief, dann war er auch dabei. Wenn ich mit Darla und Dru gleichzeitig schlief und wir nicht mehr ein klebriger Haufen aus Körpern und Blut waren, dann schlief auch er mit ihnen.

Ich hatte immer geglaubt, dass mir der Körper eines Mannes im selben Bett mit mir Übelkeit verursachen würde. Und so war es auch – anfangs.

Aber oh! Wie genau erinnere ich mich doch an das erste Mal. Das erste Mal, nachdem wir uns wie im Rausch in diese kalten, weiblichen Körper ergossen hatten. Ich streckte meine Hand in der Dunkelheit aus um eine weiche Brust zu liebkosen. Doch stattdessen fand ich einen harten, kühlen Brustkorb. Die steife, aufgerichtete Brustwarze unter meiner Hand berührte kurz meine Handfläche. Daran erinnere ich mich. Daher muss ich meine Hand wohl lange genug dort gelassen haben, um all das zu fühlen. Bevor ich sie hastig wegzog und ein angewidertes Zischen von mir gab.

Er war still. Ich machte mir vor, dass es niemals passiert wäre. Aber das nächste Mal, später in derselben Nacht, war es weitaus schwieriger es einfach so zu übergehen. Während ich in einer von ihnen steckte – Dru, Darla, es war vollkommen gleich denn sie waren für mich in diesem Moment eine wie die andere – griff ich nach oben um ein Paar kühler Lippen zu beissen und zu küssen und bemerkte plötzlich, dass er mir zuvor gekommen war. Seine Lippen waren bereits auf ihre gepresst. Seine weiche Zunge war in ihrem Mund. Er zog sich ein Stückweit zurück um zu sehen, ob ich ihm erlauben würde fortzufahren. Und ich weiss selbst nicht, weshalb ich es tat. Es entsprach nicht dem Bild, das ich von mir hatte. Aber ich bewegte mich einen Millimeter zur Seite und küsste statt dessen ihn. Es war zuerst nur ein leidenschaftsloser Kuss. Kühle, zögerliche Lippen auf einem teilnahmslosen Mund. Aber irgendetwas an dieser verbotenen Handlung korrespondierte direkt mit meinem Unterleib. Meine Stöße wurden immer frenetischer und mit einem Mal sehnte ich mich verzweifelt nach Erleichterung.

Und dann öffnete er seinen Mund für mich.

Ich kam in heftigen, tiefen Stößen und ergoss mein Sperma in einem Körper. Aber es war ein anderer Körper an den ich dachte.

Am nächsten Tag konnte ich ihm nicht in die Augen sehen. Sofort als ich erwachte entzog ich mich seiner Berührung und begann die Frauen zu streicheln. Ich stillte meine Bedürfnisse mit ihren Körpern und ignorierte ihn völlig.

Ich hätte bei diesem Entschluss bleiben sollen und das Ganze an dieser Stelle beenden sollen. Ich hätte. Ich versuchte es. Ich konnte es nicht. Denn diese eine Berührung seiner Brust, dieser eine intensive Kuss, hatte in mir ein unbezähmbares Verlangen nach mehr geweckt. Ich konnte es gar nicht erwarten die Mädchen in mein Bett zu locken und geriet fast außer mir, wenn er ihnen nicht folgte. Und wenn er es tat? Dann war es sein Körper, den ich betrachtete. Ich beobachtete ihn, während er in Dru eindrang. Ich studierte sein Gesicht als Darla seinen steifen, harten Schwanz lutschte. Ich beobachtete ihn und wartete auf eine Gelegenheit. Eine Gelegenheit, bei der ich unter dem Vorwand nach unten zu rutschen um ihre weichen Geschlechter zu lecken und zu riechen, mich wie zufällig gegen seine Erektion pressen konnte, seinen Duft riechen konnte und unbemerkt die Berührung seiner Haut fühlen konnte.

Er bemerkte es natürlich. Er bemerkte es jedes Mal.

Und so ging es Monatelang. Jeden Tag vergingen viele, lange Stunden, in denen wir versuchten uns die Zeit bis zum Sonnenuntergang zu vertreiben. Alle drei waren da – aber nur auf einen kam es mir an. Manchmal konnte ich widerstehen. Dann fühlte ich mich stark und rein. Manchmal konnte ich nicht. Manchmal habe ich diesem unglaublichen Drang nachgegeben, seine Hand zu halten, seine Lippen mit meinen zu berühren und meinen Kopf auf seine Brust sinken zu lassen wenn ich fertig und erschöpft war.

Aber er wurde zunehmend… aufmüpfig. Seine Persönlichkeit begann sich zu verändern… Stück für Stück. Weg von dem William, der einfach nur… da war, hin zu dem arroganten Vampir mit dem riesigen Selbstvertrauen, der sich Spike nannte. Ich hätte irgendetwas sagen sollen um meine Position zu festigen. Um meine Rolle als sein Meister, sein Sire zu behaupten. Einmal habe ich es versucht. Wir mussten uns damals wegen einem seiner Exzesse in einer Bergmine verstecken. Ich konfrontierte ihn mit der Tatsache, dass er immer mehr die Kontrolle über sein Verhalten verlor. Ich forderte ihn heraus, diese merkwürdige Person, die sich Spike nannte. Er lachte nur und zum ersten Mal nannte er mich einen Poof. Daher habe ich ihn nie wieder wegen irgendetwas zur Rede gestellt. Er hatte Macht über mich… aufgrund meiner eigenen Sehnsüchte. Mein Selbsthass kannte nun keine Grenzen mehr. Beide, mein Dämon und meine Erinnerung an den Menschen, der ich einst gewesen bin, waren erfüllt von Ekel über meine perverse Leidenschaft. Ich war ein mächtiger Meistervampir, der Verlangen verspürte nach einem anderen, männlichen Körper. Ich war immer ein frommer Katholik gewesen, aber nun wollte ich sündigen. Ich konnte den Hohn und Spott meines Vaters schon beinahe in meinen Ohren klingen hören.

Ich war außerdem auch noch ein Feigling, denn ich war nicht in der Lage ihr ins Gesicht zu sehen… ihr – meinem Sire. Ich konnte nicht ertragen, wie sie mich verspotten würde. Ich konnte ihren Ekel nicht ertragen. Und ihre Freude über meine Schwäche.

Und obwohl er nach diesem einen Versuch von mir ihn zur Rede zu stellen, die Situation nie wieder öffentlich gegen mich ausgenutzt hat, so konnte ich dennoch fühlen, dass sich das Kräftegleichgewicht zwischen uns verschoben hatte. Er wusste wonach ich mich sehnte und er benutzte dieses Wissen gegen mich. Wie muss er mich gehasst haben. Dass ich die Macht, die ich über ihn hatte, so sehr missbraucht habe. Welch große Übelkeit müssen ihm meine Berührungen auf seiner Haut verursacht haben.

Dennoch wusste auch ich genau was er tat, wenn er sich mir in unserem gemeinsamen Bett absichtlich in den Weg legte. Wenn er sicherstellte, dass es seine weiche Haut war, die ich liebkoste, dass es sein Körper war, auf dem ich einschlief. Er führte mich in Versuchung, genau wie der Teufel selbst, in den er sich langsam aber sicher verwandelte. Und da ich nicht in der Lage war zuzugeben, was zwischen uns geschah, konnte er mit mir verfahren wie er wollte. In diesem Bett hatte er die Macht und die Kontrolle – und ich wurde sein hilfloses Opfer.

Und dann war es plötzlich vorbei. Ich verließ sie. Beinahe hundert Jahre lang bekam ich ihn nicht mehr zu Gesicht. Es war eine lange Zeit in der ich vergessen konnte. In der ich diesen Teil von mir vergessen konnte. Diesen Teil, dem ich mich nicht stellen konnte. Es war eine lange Zeit, in der ich versuchte ein normaler menschlicher Mann zu werden, mit einer menschlichen Freundin.

Und dann kam er zurück.

Aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich ohnehin nichts tun können. Ich hatte viel zuviel Angst davor Buffy zu verletzen. Sie bot mir die zarten Küsse eines jungen Mädchens an. Sie bot mir die Erregung eines jungen Mädchens an und die Leidenschaft eines jungen Mädchens. Und ich nahm all das. Es war ein verzweifelter Versuch endlich der Mann zu werden, der ich glaubte sein zu müssen.

Und es schien mir ohnehin so, als ob er sich nicht erinnern würde. Als ob er sich nicht an mich erinnern würde und an unsere sanften, verstohlenen Küsse. An unsere Umarmungen in der Dunkelheit, die wir unter dem Deckmantel anderer, erlaubter Umarmungen versteckten.

Aber ich habe bemerkt, dass er inzwischen keine Gelegenheit mehr auslässt mich Poof zu nennen. Ich habe bemerkt, dass er mir mit Hohn und Spott entgegentritt. Ich habe bemerkt, dass er sich niemals an mich wendet. Niemals kommt er zu mir als sein Sire. Auch wenn er einen Chip hat und in Ketten gelegt wird und man ihn anschießt. Nicht zu mir.

Daher… vielleicht liegt auch er hier in der Dunkelheit und erinnert sich. Und hasst mich noch immer.

Die Ironie bei der ganzen Sache ist, dass ich nicht mehr glaube, dass es jetzt noch einen Unterschied macht ob ich Spike will. Ich habe meinen katholischen Aberglauben längst weit hinter mir gelassen. Ich habe meinen Dämon unterworfen. Darla ist tot. Und ich glaube nicht, dass Buffy jemals etwas davon mitbekommen würde. Ich habe gemeinsam mit Spike und Dru in der Fabrik gelebt und Buffy hat dies niemals hinterfragt. Vampire leben nunmal zusammen. Wie Wölfe. Nun bin ich in LA – sie ist in Sunnydale. All die Dinge, die mich damals dazu getrieben haben in gewissen Bahnen zu denken, sind inzwischen verschwunden. Inzwischen gibt es keinen mehr, dessen Zorn, dessen Hohn oder dessen Abscheu ich mich stellen müsste… nicht einmal mehr meinem eigenen.

Daher kann ich einfach hier liegen und mich fragen, ob sich sein Körper wohl verändert hat. Ich frage mich, ob die Vertiefungen um sein Schlüsselbein herum noch immer genauso ausgeprägt sind, wie sie damals waren. Ich frage mich, ob man noch immer seine Rippen zählen kann, wie sie sich stolz und scharf auf seinem Brustkorb abzeichnen. Ich frage mich, ob er noch immer die Narben trägt. Von mir, und von meinen Zähnen. Ich frage mich, ob sein Körper noch immer so auf meine Berührungen reagieren würde. Ob seine Brustwarzen sich noch immer hart und steif unter meinen Händen aufrichten würden. Wie fühlt es sich an jemanden zu berühren? Ich glaube, ich habe es vergessen. Aber ich werde schon hart wenn ich nur darüber nachdenke. Ich frage mich, wie sich sein Körper anfühlen würde… diese Stellen, die ich noch niemals zuvor berührt habe. Ich frage mich, wie sein Körper schmecken würde… die Stellen, die ich noch niemals zuvor geschmeckt habe. Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlen würde in ihm zu sein… in diesem Körper, in den ich noch niemals zuvor eingedrungen bin.

Ich will nicht mehr länger alleine sein.

Ich frage mich, woran er gerade denkt.

~*~*~*~

Der kleine Wecker, den ich in die Steckdose neben die Matte gesteckt habe damit er mir anzeigt ob der Stromausfall vorüber ist, geht plötzlich an. Doch ich muss die Uhrzeit neu einstellen und daher blinkt er einfach nur immer wieder in regelmäßigen Abständen auf. An und aus, an und aus, an und aus. Ich kann das trübe Licht sogar noch sehen, wenn ich meine Augen ganz fest zusammenkneife… an und aus, an und aus, an und aus. Es ist wie Folter und ich lasse zu, dass es mich quält. Es reizt mich und dieses Gefühl kriecht unter meine Haut und macht mich wild. Aber die Steckdose, in der der Wecker steckt, ist genau neben der Wand. Und jetzt liegt Spike dazwischen. Wenn ich meinen linken Arm von diesem Winkel aus danach ausstrecke, dann werde ich ihn mit Sicherheit berühren. Und um meinen rechten Arm zu benutzen, muss ich mich zur Seite drehen und ihm das Gesicht zuwenden.

Ich habe es seit mehr als einhundert Jahren nicht geschafft ihm ins Gesicht zu sehen. Ich will nicht gerade heute Nacht damit anfangen müssen.

An und aus. An und aus. Ich glaube ich werde noch verrückt.

Ich drehe mich um, strecke meinen Arm aus und ziehe den Wecker aus der Steckdose.

Normalerweise hätte ich mich zurück nach hinten auf den Rücken gelegt und meine ruhige Wartestellung wieder aufgenommen. Normalerweise. Aber als ich mich über seine totenstille Gestalt gestreckt habe, hat meine Hand seine Brust berührt.

Ich konnte fühlen, wie mein kaltes, totes Herz sich regte und wieder zum Leben erwachte. Und mit einem Mal schien alles möglich.

Ich kann seine Brustwarzen fühlen. Sie sind hart und steif unter seinem T-Shirt.

Dieses Mal lasse ich also meine Hand ein wenig länger dort verweilen. Ich lasse sie dort, die ganze, lange Nacht hindurch. Bis die Sonne aufgeht. Er bewegt sich nicht. Er bleibt stumm. Abgesehen von den Schreien, die mir inzwischen beinahe meine Seele in Stücke reißen.

~*~*~*~

Als die anderen endlich bereit sind zum Aufbruch, sehen sie in seine Richtung. "Komm schon, Spike. Beweg' dich, wir brechen auf. Beweg deinen kleinen Vampirarsch."

Ich sehe Spike an.

Ich sehe sie an.

"Spike… bleibt hier."

Er bewegt sich nicht.

Und er bleibt stumm.

Aber das Schreien wird noch schlimmer.

~*~*~*~

Wenn ich einen Pflock durch mein Herz stoßen könnte, dann würde ich es tun. Ich bin so weit am Boden. So weit, dass ich mich nicht einmal mehr selbst sehen kann. So weit, dass ich ihnen erlaube mich herumzuschubsen, mir zu sagen wohin ich gehen soll, was ich tun soll. Ich bin nicht mehr als eine verfluchte Witzfigur. Wenn ich sie daran erinnere, dass ich noch immer böse bin, dann lachen sie einfach nur und bieten mir ihre Hälse an. Was für ein toller Witz – Spike kann nicht mehr beißen. Verflucht nochmal, sie haben mich in einer verdammten Badewanne festgekettet. Mich. Ich habe nichts mehr, womit ich mich verteidigen könnte. Und man muss sich oft verteidigen, wenn man tot ist.

Manchmal bin ich so verzweifelt, dass ich glaube, dass der Strick, der mich noch an mein Unleben bindet, einfach so… reißen wird. Ich habe mehr als hundert Jahre lang nur gekämpft. Ich habe alles und jeden bekämpft nur um an der Spitze der Nahrungskette zu bleiben. Wofür das alles? Dass ich jetzt in der Badewanne meiner ehemaligen Mahlzeiten festgekettet werde und sie mir nichts zu essen geben, nichts außer ihrer Abscheu und ihrem Ekel? Manchmal glaube ich, dass ich – wenn ich meinen Kopf nur schnell genug drehe –ein hohes, schrilles Schreien hören kann. Manchmal frage ich mich ob die Schreie von mir kommen. Aber ich bin doch gar nicht mehr hier. Daher ist das wohl nicht möglich.

Und nun haben sie mich hierher gebracht – zu ihm. Das ist das Schlimmste. So tief am Boden bin ich noch nie zuvor gewesen. Er ist die allerletzte Person, die ich um Hilfe gebeten hätte.

Ich hasse ihn.

Ich frage mich, woran er gerade denkt, während er neben mir in der Dunkelheit liegt. Ich frage mich ob er sich erinnert. Ich frage mich, ob sich sein Körper so sehr nach mir sehnt, wie sich mein Körper nach ihm sehnt. Und so ist das schon seit mehr als einhundert Jahren.

Er hat mich zu dem gemacht was ich heute bin. Nicht durch die Verwandlung. Das war nur eine seiner Launen. Das war einfach nur eine Idee, die ihm eines Nachts kam weil er betrunken war, weil er es konnte, weil ich weinte und weil ich ihn anflehte es nicht zu tun.

Nein, mit einer einzigen Berührung hat er mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

Er hat mich berührt, eines Nachts, im Rausch seiner Leidenschaft, im Rausch seiner Stöße. Und er hat seine Hand nicht sofort wieder zurückgezogen. Ich glaubte damals, dass er es auch gefühlt hätte. Ich glaubte, dass er gespürt haben muss, wie sehr ich mich nach ihm sehnte, denn er zog seine Hand nicht zurück. Ich glaubte, dass auch er mich lieben muss, denn er zog seine Hand nicht zurück. Nicht, bevor ich nicht seine Handflächen an meiner Brustwarze gespürt habe. Nicht, bevor er nicht meine Welt auf den Kopf gestellt hat. Denn der wunderschöne Angelus hat mich berührt, mich und nicht sie. Und selbst wenn ich in diesem Moment noch an seinem Verlangen nach mir gezweifelt habe, so erhielt ich doch später in der Nacht Gewissheit, als ich seine Lippen auf meinen fühlte. Ich ließ ihn wissen, wie sehr ich ihn begehrte. Ich öffnete mein Herz und ich glaubte, er hätte mir geantwortet.

Ich konnte fühlen, wie ich mich in seiner Liebe sonnte, in seiner Aufmerksamkeit. Ich wurde kühn. Ich fand mich selbst. Ich glaubte er würde mich lieben. Ich versuchte mich in ihm selbst zu spiegeln, in seiner Extravaganz, in seiner Kraft und in seiner Pracht. Die wunderschönste Kreatur, der ich jemals begegnet bin… und er wollte mich. Er wollte meinen Körper, meine Zärtlichkeiten und meine Arme, die ihn hielten wenn er fertig und erschöpft war.

Sicher, offenbar wollte er, dass es ein Geheimnis blieb. Wir haben niemals davon gesprochen. Aber auch das war in Ordnung. Denn für mich gewann es dadurch nur noch an Bedeutung. Ich musste seine Liebe nicht teilen, nicht so, wie ich ihn teilen musste.

Aber jede verdammte Nacht sehnte ich mich nach mehr als er mir geben wollte. Jede Nacht versuchte ich mehr von ihm zu bekommen, ihm näher zu kommen und zu erreichen, dass es mein Körper war, den er berührte. Dass es mein Körper war, in den er eindrang. Aber soweit kam es niemals. Er tat es nie.

Und dann war es plötzlich vorbei. Er verließ uns. Beinahe hundert Jahre lang bekam ich ihn nicht mehr zu Gesicht. Ich glaubte, dass er sich erinnern würde. Ich dachte, dass er sich erinnern würde wieviel er mir bedeutet hat. Aber er tat es nicht. Seit dieser Zeit hat er mich völlig ignoriert.

Ich will sagen… erinnere dich an mich… aber ich weiß nicht, ob ich es als Frage oder als Befehl formulieren soll.

Daher bin ich mir also inzwischen nicht mehr so sicher, ob er mich wirklich geliebt hat. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob er mich wirklich wollte. All das ist schon so lange her. Soviel ist seitdem passiert und ich kann das, was war, nicht mehr von dem trennen was ich mir so sehr gewünscht habe. Inzwischen denke ich – und ich denke wirklich sehr oft darüber nach – dass er mich wohl nie gewollt hat. Inzwischen denke ich, dass er mich wohl nie geliebt hat. Inzwischen denke ich, dass das alles nur das Vorspiel war, für diesen riesigen Witz in den ich mich nun selbst verwandelt habe. Und wenn ich jetzt, mit ausreichend Abstand, an diese Zeit zurückdenke, dann vermute ich, dass es wohl damals war, als ich begann immer mehr von mir selbst zu verlieren. Die Tatsache, dass er mich verleugnet hat, ließ mich immer kleiner werden. Und schließlich begann ich von innen heraus zu verfaulen.

Inzwischen bin ich schon so erbärmlich, dass sie über mich sprechen als ob ich gar nicht hier wäre. Warum sagt er denn nichts? Als sie ihm von dem Chip erzählten. Als sie ihm erzählten, dass sie mich in der Badewanne fest gekettet haben und mich gezwungen haben Schweineblut zu trinken. Als sie ihm erzählten, dass ich angeschossen wurde. Ich habe nämlich zugehört. GANZ genau. Ich habe zugehört um herauszufinden, ob es ihn wütend machen würde. Ob er mich verteidigen würde. Aber er tat gar nichts. So, als ob ich überhaupt nicht hier sei.

Daher glaube ich schon fast, dass ich inzwischen wirklich dabei bin zu verschwinden. Es fühlt sich schon beinahe so an. Kein Spiegelbild, keine Wirkung, die ich bei den Leuten hervorrufe. Wenn ich jetzt gehe, dann wird es nicht die geringste Spur von mir geben. Und wenn ich keine Wirkung hervorrufe, wenn ich keine Spuren hinterlasse, dann kann ich doch überhaupt nicht wirklich hier sein, oder? Ich kann mich doch nur selbst definieren, wenn ich bei anderen Leuten Reaktionen hervorrufe. Da ich das offensichtlich nicht tue, gibt es nicht den geringsten Beweis dafür, dass ich überhaupt noch hier bin. Wenn ich mich nur lange genug ruhig verhalte und leise genug bin, vielleicht höre ich dann irgendwann wirklich einfach auf… da zu sein. Würde sich irgendjemand an mich erinnern, wenn ich weg bin? Wenn ich gehe, weit weg, in das stille Land?

Ich frage mich, woran er gerade denkt.

Ich hasse mich selbst mehr, als sie mich jemals hassen könnten. Mehr noch, als sogar er mich hassen muss.

Ich habe versucht einfach nicht mehr zu essen. Um ihnen Schuldgefühle zu machen. So, dass sie versuchen würden mich zum Essen zu zwingen. Aber sie haben es noch nicht einmal bemerkt und irgendwann war der Hunger so schlimm, dass ich anfing mein eigenes Blut aus winzigen, tiefen Kratzern zu trinken.

Aber auch das haben sie nicht bemerkt. Daher hab ich einfach damit aufgehört.

Dann musste ich betteln. Ich musste nach ihrer Pfeife tanzen. Und ich habe angefangen Kunststückchen aufzuführen… um etwas zu essen zu bekommen. Der Big Bad… erzähl uns einen Witz, mach was Lustiges und du bekommst einen Keks. Mach kleine Botengänge für uns, dann geben wir dir ein bisschen Geld, damit du dir ekelhaftes Blut kaufen kannst. Denn obwohl du nicht viel mehr bist als ein Witz, so bist du doch noch immer ekelhaft… vergiss das bloß niemals. Du bist unter unserer Würde. Wir bemerken dich noch nicht einmal. Aber sogar das wurde ihnen irgendwann langweilig.

Daher hab ich mir einen neuen Zeitvertreib zugelegt. Oh ja. Ich habe jetzt ein schönes neues Hobby und ich kann alles tun, was auch immer ich will, denn ich bin ja gar nicht wirklich hier.

Ich hatte überhaupt keine Wahl als mit ihnen hierher zu kommen. Sie geben mir Essen, sie kaufen meine Zigaretten und ich kann ohne diese zwei Dinge nicht existieren. Daher hatte ich keine andere Wahl – abgesehen von der Sonne. Außerdem war ich irgendwie neugierig darauf wie er reagieren würde. Ich wollte sehen, wie er sich zu meiner Verteidigung erheben würde, wie er sie dafür bestrafen würde, dass sie mich so schlecht behandelt haben. Aber ich vermute er ist wohl nicht der Sire, zu dem ich ihn in meinen Träumen gemacht habe. Und ich bin nicht das Childe, an das er sich erinnert.

Er schläft nicht. Ich frage mich, woran er gerade denkt.

~*~*~*~

Dieser verdammte Wecker blinkt jetzt schon seit fünf Minuten. Ich weiß, dass er nicht schläft, warum zur Hölle tut er also nicht einfach was dagegen? Ich kann schließlich nichts tun, ich bin ja nicht hier.

Oh. Offenbar bin ich es doch. Denn Angel hat gerade seine Hand auf meinen Körper gelegt. Schon wieder.

Oh.

Gut.

Jetzt bin ich also nicht nur ihr Botenjunge und ein Witz. Wie es aussieht, soll ich jetzt wohl auch noch seine Hure werden. Nun ja, mir soll's recht sein. Wenn man sich sein Blut verdienen will, ist diese Art so gut wie jede andere. Sogar besser als manch andere. Und wen interessiert es schon? Ich bin ja nicht wirklich hier. Mich also sicher nicht. Es interessiert mich. Nicht.

~*~*~*~

Als es Tag wird bewege ich mich leise und unauffällig zur Couch. Ich bin nicht hier, aber sie bemerken mich dummerweise trotzdem. Der fette Typ, den ich jederzeit töten würde, dem ich das Herz aus dem Körper reißen würde, den ich aussaugen würde, auf dessen toter, leerer Hülle ich tanzen würde und dessen Seele ich den Sternen zum Fraß vorkotzen würde, der spricht. Ich höre ihm nicht zu. Das Schreien wird immer lauter und übertönt seine Worte, daher muss ich sie nicht hören.

Aber ich höre Angel.

Er will, dass sein kleines Fick-Häschen bleibt.

Das wird sicher lustig werden.

Ich würde ja was sagen.

Aber ich bin nicht hier.

Daher lass ich es.



Nächster Teil




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