AUTOR: vic_amy_z
ÜBERSETZUNG: liv
GENRE: History, Erotik, Humor
FREIGABE: ab 18
SETTING: 1883 - drei Jahre nachdem Spike von Drusilla zum Vampir gemacht wurde.
INHALT: Darla und Angelus schließen eine Wette ab, doch die ganze Sache läuft sowohl für den Verlierer, als auch für den Gewinner der Wette ganz anders als geplant.
PAARE: Angelus/Spike/Darla/Drusilla in den verschiedensten Kombinationen
KOMMENTAR: Die Story wechselt zwischen den Tagebuch-Einträgen von Angelus ('~~ ~~') und William ('<< >>') hin und her. Gewidmet ist sie Michelle, der Beta-Leserin von vic_amy_z.
Drusilla ist Spikes Sire.
WARNUNG: F/F-Slash!

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One Good Turn
by vic_amy_z



~~ 18. Februar 1883 ~~
(Angelus' Tagebuch)

Die Jagd heute Abend sollte sich äußerst interessant gestalten, da Darla offenbar in einer verspielten Stimmung war. Wir kleideten uns zum Ausgehen in unsere besten Gewänder – meine Darla liebt es sich für das Dinner hübsch zu machen – und wanderten durch das Theaterviertel.

London ist um diese Jahreszeit wirklich abscheulich, aber wir haben eine schöne und prachtvolle Behausung im Herzen der Stadt sichern können und trotz dem schlechten Wetter würde ich sie nur ungern so schnell wieder aufgeben. Wir werden noch früh genug merken, wenn wir die Gastfreundschaft dieser Stadt zu sehr überansprucht haben… man sollte stets darauf achten nicht zu viele Leichen in seinem eigenen Vorgarten zu hinterlassen!

Drusilla und William (oder Spike, wie er seit Längerem genannt werden möchte) sind alleine losgezogen. Wahrscheinlich um in den Abwasserkanälen zu jagen. Wie ich es jemals schaffen konnte Childer großzuziehen, die so wenig Gefühl für Stil und Klasse haben, werde ich wohl nie begreifen. So gesehen ist wohl alles besser als die Abende, an denen Darla darauf besteht, dass wir gemeinsam als Familie zu Abend essen und die beiden hinter uns herdackeln wie schlecht erzogene, dämliche Schafe.

An diesem Abend waren Darla und ich also alleine in der Stadt unterwegs. Wir wanderten durch die Straßen und beobachteten die hübschen Pärchen während wir die frische Nachtluft genossen. Der einzige Vorteil des Winters ist, dass es so früh schon dunkel wird, dass man davon ausgehen kann auch nach Einbruch der Dunkelheit noch eine ausreichende Menge von Mahlzeiten auf den Straßen vorzufinden. Wir mussten uns mit dem Essen nicht beeilen und genossen es in die Atmosphäre der Menge einzutauchen. Wir labten uns an dem Klang ihrer Herzschläge und an ihrer gnädigen Unkenntnis. Sie wussten nicht, dass der Tod bald kommen würde um sie zu holen.

Noch bevor ich es selbst realisiert hatte, hatte Darla bereits bemerkt, dass mein Interesse vor allem auf ein bestimmtes Pärchen gerichtet war. Es waren junge Liebhaber, die noch immer in den ersten Zügen ihrer Romanze steckten. Gemeinsam liefen sie durch den Park. Sie hatten keine Ahnung von all dem, was um sie herum vorging. Vollkommen hatten sie sich in den Blicken des anderen verloren, während sie sich gegenseitig süße, nichtssagende Worte ins Ohr flüsterten. Die Menschlichkeit, die sie so offensichtlich in ihrer Liebe zueinander widerspiegelten, bereitete mir allmählich eine leichte Übelkeit.

Darla riss mich schließlich aus meinen Gedanken indem sie sagte: "Vielleicht sollten wir die beiden aus ihrem Elend retten?"

"Was soll das bringen?" fragte ich. "Kannst du denn nicht sehen, dass sie nur Augen füreinander haben? Sie würden es ja nicht einmal merken, bevor es zu spät ist. Wo ist da die Herausforderung? Das wäre viel zu einfach."

"Nicht unbedingt, mein Liebling."

Nun hatte sie mein Interesse geweckt und genoß einige Sekunden lang die Tatsache, dass die Aufmerksamkeit ihres Childes nun voll und ganz auf sie gerichtet war. Ich schlang meine Arme um ihre Taille und küsste ihren langen, schlanken Hals. "Sprich weiter," flüsterte ich in ihr Ohr.

"Stell dir doch einfach vor, dass wir erst mit ihnen sprechen, anstatt sie zu überraschen. Stell dir vor, wie es wäre mit ihnen… Freundschaft zu schließen."

"Und wo liegt da die Herausforderung…?" drängte ich sie mit weiteren Küssen. Ich wusste, dass sie es genoss zu sehen, wie ich an ihren Lippen hing. Sie stieß mich grob von sich und stand mit mir von Angesicht zu Angesicht während ein gefährliches Lächeln ihre Mundwinkel umspielte.

"Mein lieber Junge, es macht doch sicherlich viel mehr Spaß wenn sie dich zuerst kennen lernen und erst *dann* herausfinden was du wirklich bist, oder?" Sie beobachtete mich amüsiert, während ich in meinem Kopf all die verschiedenen Möglichkeiten andachte.

Dann kam mir plötzlich eine Idee…

"Was wäre, wenn wir eine Wette daraus machen?" fragte ich. Darla sah mich mit zweifelndem Blick an, daher beschloss ich, dass ich die Meßlatte wohl höher setzen musste. "Nun gut. Wie wäre es damit… wenn ich es schaffe, dass sich mir das Mädchen zwanglos und aus freiem Willen hingibt, dann habe ich gewonnen. Wenn ich es nicht schaffe, gewinnst du."

"Angelus, Darling. Sogar du, der du eine solch überzogene Meinung von dir selbst hast, wirst es nicht schaffen ein Mädchen, das eine solch ekelerregend große Liebe für einen anderen Mann empfindet, dazu zu bringen sich dir freiwillig hinzugeben," spottete sie.

"Dann hast du ja nichts zu verlieren wenn du die Wette annimmst," entgegnete ich. Ich wusste, dass ich sie in der Falle hatte. Lehnte sie die Herausforderung ab, würde sie dadurch gleichzeitig zugeben, dass sie glaubte ich würde es schaffen. Sie hatte überhaupt keine andere Wahl als auf meinen Vorschlag einzugehen. "Und, was werde ich als Preis bekommen, sollte ich gewinnen?" fragte ich.

"Nachdem die Herausforderung nicht zu bewältigen ist und du nicht die geringste Chance auf einen Sieg hast – was auch immer du willst!" antwortete sie schlau. Oh, wie sehr ich mir wünschte, dass sie diese Worte bereuen möge…

Ich wollte noch einige Regeln festlegen um sicher zu gehen, dass mein Plan auch funktionieren würde. Wir vereinbarten, dass ich mich alleine an das Paar heranschleichen würde und Darla das ganze nur aus der Ferne beobachtete. Sie wollte mit eigenen Augen sehen, wie das Mädchen seinen Hals für mich entblößte und sich mir ohne Gegenwehr hingab. Ich willigte dieser Bedingung ein. Denn sollte ich gewinnen, so wollte ich sicherstellen, dass Darla keine Möglichkeit hatte meine Vorgehensweise in Frage zu stellen.

Wir küssten uns um unseren Vertrag zu besiegeln und ich machte mich daran zum Park zu schlendern. Darla folgte mir vorsichtig. Mein Plan war im Grunde genommen sehr simpel und es lief alles wie am Schnürchen. Ich begann mit einer grässlich sentimentalen Geschichte über meinen Hund, der mir angeblich abhanden gekommen war und ich flehte die beiden an mir zu helfen ihn zu wieder zu finden. Er sei nur ein kleiner Welpe und zudem noch ein Geburtstagsgeschenk meiner jüngeren Schwester. Das Mädchen schmolz sichtlich dahin und drängte ihren Liebhaber auf der Stelle mir bei der Suche behilflich zu sein. Er sollte die Hecke nach meinem imaginären Welpen durchsuchen.

Als er außer Sichtweite war rannte ich zurück zu der Stelle, an der sie stand. Nun begann der waghalsigste Teil meines Plans - ich zog sie vorsichtig in meine Arme. Sie schnappte ein wenig nach Luft und ich flehte sie inbrünstig an leise zu sein. Ich versprach ihr, dass ich ihr nichts tun würde. Ich sagte ihr, dass ich sie bereits die ganze Zeit über beobachtet hatte und dass ich der Ansicht sei, sie wäre die schönste Frau die ich jemals gesehen hatte.

Die ganze Zeit über entschuldigte ich mich dafür, dass ich die Kühnheit besessen hatte, mich ihr in einer solch unziemlichen Weise zu nähern. Ich sagte ihr, dass ich sehr krank sei und dass ich nur noch wenige Wochen zu leben hätte. Bevor ich sterben müsste, wollte ich nur noch einmal den Geburtstag meiner Schwester feiern (daher also der Welpe) und ein einziges Mal die Frau meiner Träume küssen. Ich sagte ihr, dass ich nicht zu hoffen wagte, dass sie mich küssen würde, wo sie doch so offensichtlich in einen anderen Mann verliebt sei. Aber wenn sie mir nur erlauben würde ihren Hals zu küssen, dann würde ich sicherlich als glücklicher Mann in den Tod gehen. Es war wirklich viel zu einfach…

Ich hatte sie vollkommen in meinen Bann gezogen und sie gestattete mir, dass ich sie in meine Arme zog. Dann entblößte sie ihren Hals für meine Lippen. Ich hielt eine Sekunde lang inne um auf den frustrierten Schrei zu horchen, der aus dem Gebüsch hinter einem nahe stehenden Baum ertönte. Dann küsste ich zärtlich ihren Hals, wobei ich erst kurz mit meinen stumpfen, menschlichen Zähnen vorsichtig an der Haut knabberte, bevor ich meine Reißzähne in ihr Fleisch versenkte. Ich konnte fühlen, wie sie sich bei dem Schmerz leicht versteifte, aber nach kurzer Zeit hatte sie bereits das Bewusstsein verloren.

In meinem Plan gab es nur einen einzigen, winzigen Fehler… nämlich ihr Liebhaber, der gerade in dem Augenblick von seiner wilden Gänsejagd zurückkehrte, als ich ihre Leiche zu Boden fallen ließ und ihr Blut von meinen Lippen wischte. Er öffnete seinen Mund um zu schreien, aber Darla huschte aus ihrem Versteck und brach ihm kurzerhand das Genick bevor er auch nur einen Ton von sich geben konnte. Ich denke sie tat dies wohl eher aus Wut, als aus irgendeinem anderen Grund. Sie war außer sich vor Zorn, dass sie eine Wette gegen ihr eigenes Childe verloren hatte. Sie ging sogar soweit, mir zu unterstellen, dass ich möglicherweise geschummelt hätte. Aber nun würde sie den Preis zahlen müssen…

"Also," sagte sie mit kalter Stimme. "Ich vermute du willst dir jetzt deinen Gewinn abholen. Wie willst du mich diesmal nehmen?"

"Wieso glaubst du, dass der Preis, den ich mir auswähle, eine sexuelle Gefälligkeit ist?" fragte ich sie.

"Angelus, bitte! Ich schätze, dass ich mein Childe nach einhundertundvierzig Jahren wirklich kennen sollte." Sie schaffte es für diesen Satz ihren gönnerhaftesten Ton anzuschlagen. Aber es brachte mich tatsächlich zum Nachdenken.

"Ich werde es dich wissen lassen, sobald ich entschieden habe was ich von dir haben will." Ich schenkte ihr ein zuckersüßes Lächeln und sie ergriff geziert meinen dargebotenen Arm bevor wir gemeinsam unter den vom Mondlicht erhellten Bäumen wanderten. Ich konnte fühlen wie mein Sire mit jedem Schritt wütender wurde. Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon längst was ich haben wollte, aber zuerst gab es da noch einige Vorkehrungen zu treffen… vor allem was diesen unbeschreiblichen Idioten William betraf…


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<< 23. November 1881 >>
(Williams Tagebuch)

Angelus hat beschlossen, dass ich endlich lernen muss mich wie ein Mitglied des Ordens von Aurelius zu verhalten. Der Orden ist der respektabelste Vampirclan aller Zeiten - zumindest wird es ihm offenbar nie langweilig mir das vorzupredigen. Daher wird von mir erwartet, dass ich Tagebuch führe, um, genau wie Angelus selbst, die Geschichte meines Lebens aufzuschreiben… Wäre mein Leben genauso fade und langweilig wie sein eigenes, dann würde ich mir sicherlich auch sofort ein verfluchtes Tagebuch zulegen!

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<< 24. November 1881 >>
(Williams Tagebuch)

Angelus hat mir verboten mein Tagebuch für Profanitäten zu missbrauchen. Ich erklärte ihm, dass dies *mein* Tagebuch sei und es mir somit erlaubt sein sollte verflucht nochmal hineinzuschreiben was auch immer ich will!

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<< 25. November 1881 >>
(Williams Tagebuch)

Heute kann ich nichts schreiben… ich kann mich nicht hinsetzen.

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<< 12. April 1882 >>
(Williams Tagebuch)

Bin aufgestanden… hab jemanden gegessen… hab Dru gefickt… Was ist nochmal der Sinn und Zweck von dem Ganzen hier, Angelus?

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<< 13. April 1882 >>
(Williams Tagebuch)

Angelus hat mir den Sinn und Zweck meines Tagebuchs klargemacht… wiederholt. Ich sollte mir wirklich merken ihm keine dämlichen Fragen zu stellen.

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<< 9. August 1882 >>
(Williams Tagebuch)

Angelus hat mich gefragt ob ich auch weiterhin schön brav mein Tagebuch führe. Ich habe es natürlich bejaht. Falls er es jetzt nachprüft – ist das geschummelt?

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<< 10. August 1882 >>
(Williams Tagebuch)

Wie es aussieht ist es das…

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<< 18. Februar 1883 >>
(Williams Tagebuch)

So sehr ich es auch hasse dieses Ding hier zu benutzen (vor allem weil ich ganz genau weiss, dass es Angelus ärgert wenn ich es nicht tue) so gibt es heute doch tatsächlich etwas worüber ich schreiben möchte. Aber vielleicht fange ich am besten ganz am Anfang an.

Mein Grand-Sire und mein Great-Grand-Sire (sie hassen es wirklich, wenn ich sie so nenne) sind heute gemeinsam losgezogen und haben mich und Dru zum Essen alleine gelassen. Nicht, dass wir irgendetwas dagegen gehabt hätten. Denn manchmal zwingen sie uns mit ihnen gemeinsam als Familie auszugehen, und nichts ist schlimmer als das. Außer vielleicht, wenn mir Angelus seinen Standpunkt mal wieder mit dem Rohrstock klarmacht… aber wie auch immer. Zurück zu dem, was heute Nacht passiert ist.

Nachdem Dru und ich also heute Nacht gegessen hatten, habe ich sie gleich dort gegen die Häuserwand der Gasse genommen – es gibt wirklich nichts, was einen mehr in Fahrt bringt als eine gute Jagd… Verdammt! Ich schweife schon wieder vom Thema ab. Man könnte ja glatt den Eindruck bekommen, dass ich es *genießen* würde in dieses dämliche Ding hier zu schreiben.

Wir kamen also zurück nach Hause und gingen nach oben in den Empfangsraum, wo wir Darla alleine vorfanden. Sie saß da und ihr Gesicht war von Gewitterwolken umhangen. Sie erklärte mir kurz und schnippisch, dass Angelus mich sofort nach meiner Rückkehr in seinem Studierzimmer zu sehen wünschte. Anschließend, wie um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen, rief sie Dru mit einem Fingerschnipsen an ihre Seite.

Ich lief sofort nach unten durch die Eingangshalle in Angelus' Zimmer und klopfte kurz an die Tür. Ich kann den zu groß gewachsenen irischen Dummkopf zwar nicht leiden, aber ihn warten zu lassen lohnt sich nur in den wenigsten Fällen. Besonders dann nicht, wenn ich ohnehin schon in der Klemme stecke. Die wenigen kurzen Momente bis er "Komm rein" rief verbrachte ich damit, mir noch einmal all die Dinge ins Gedächtnis zu rufen, die ich in der letzten Zeit getan hatte und mit denen ich mir möglicherweise eine Bestrafung von Angelus eingebrockt hatte. Nachdem ich die Tür geöffnet hatte ließ ich meine Augen nervös durch den Raum wandern um zu sehen, ob ich irgendwo den Anblick seines Rohrstocks erhaschen konnte…

"William, mein Junge! Komm rein, komm rein… willst du etwas zu trinken?" fragte er mich ein wenig zu gut gelaunt.

Nervös ließ ich mich auf den gegenüberliegenden Sessel am Tisch nieder und ergriff dankbar das schwere Whiskeyglas das er mir in die Hand drückte. Es war ein exzellenter irischer Whiskey, genau wie ich erwartet hatte – für Angelus war das Beste gerade gut genug. Was ich jedoch nicht verstand war, weshalb er ihn gerade mit mir teilte. Schließlich wurde ich des Wartens überdrüssig…

"Was willst du, Angelus? Sag mir einfach nur was ich diesmal schon wieder angestellt habe und lass es uns dann hinter uns bringen," fuhr ich ihn an.

Gemäß dem Gesetz der Vampire ist es völlig normal, dass ein Sire sein Childe (oder in dem Fall sein Grand-Childe) für seine Verfehlungen bestraft, und ich gebe zu, dass ich in der Vergangenheit Dinge getan habe, die wahrscheinlich die Geduld eines jeden Sires weit über die Schmerzgrenze hinaus strapaziert hätten. Aber ich hasste es von Angelus bestraft zu werden. Der Schmerz ist gar nichtmal das Schlimmste daran. Was mich stört ist, dass er jede Bestrafung zu einer Art Ritual macht. Alles was er tut ist nur dazu gedacht mich soweit wie möglich zu erniedrigen. Man könnte meinen, dass ich nach so langer Zeit endlich meine Lektion gelernt hätte, nicht wahr?

Angelus sah mich überrascht an, als ich ihn in diesem Ton ansprach. Als ob er mich noch *niemals* zuvor hier hereingezerrt hätte und mich gezwungen hätte mich mit den Händen gegen die Wand zu stellen während ich einem seiner endlosen Monologe über standesgemäßes Benehmen zuhören musste… wobei ich die ganze Zeit auf das surrende Zischen seines Rohrstocks wartete und auf den stechenden Schmerz, der mich brandmarken würde.
Da ich jedoch noch immer nicht aus meinem Sessel gezerrt und zu einer genaueren Untersuchung der Tapete gezwungen worden war, weil ich es gewagt hatte so mit ihm zu sprechen, muss ich nun doch zugeben, dass meine Neugierde so langsam aber sicher erwachte. Er sammelte sich kurz – wobei er ganz zweifellos den Drang unterdrückte mich windelweich zu prügeln bis ich zu heulen anfing – und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Dann begann er damit, mir zu erzählen was an diesem Abend geschehen war…

Und man glaubt es kaum, ich ertappte mich dabei wie ich Spaß hatte! Wenn er in der richtigen Stimmung ist, dann kann Angelus ein sehr unterhaltsamer Geschichtenerzähler sein und das, was zwischen ihm und Darla in dieser Nacht passiert war hatte in der Art, wie er es berichtete, durchaus einen großen Unterhaltungswert. Ich kann mich nicht mehr an jedes einzelne Wort erinnern, aber es sollte ausreichen zu sagen, dass er und Darla während der Jagd heute Abend eine Wette um ein junges Mädchen abgeschlossen haben. Sie wetteten, dass Angelus es nicht schaffen würde, dass sie sich ihm bereitwillig als Opfer hingab. Nun ja, aus irgendeinem Grund ließ sich Darla überreden, Angelus jeden beliebigen Preis als Wetteinsatz anzubieten. Sollte er gewinnen, könnte er sich aussuchen was auch immer er wollte. Wahrscheinlich tat sie es nur deshalb, weil sie dachte er könne unmöglich gewinnen.

Aber er gewann! Und sogar er musste im Gespräch mit mir zugeben, dass er keine Ahnung hatte ob sein Trick funktionieren würde oder nicht.

Ich sagte ihm, dass er ein großes Risiko eingegangen war, denn Darla hätte mit Sicherheit einen Preis *ihrer* Wahl eingefordert, hätte er die Wette verloren. Einen Moment lang wünschte ich mir sogar, dass Darla gewonnen hätte. Sie hat einen köstlichen Sinn für Rache und ich bin mir wirklich sicher, dass ich mich daran gewöhnen könnte sie zu mögen, sollte diese boshafte Neigung zur Abwechslung einmal nicht auf meine Person gerichtet sein. Mit einem Gefühl der Glückseligkeit stellte ich mir im Geiste all diese Darla-typischen Erniedrigungen vor, die sie sich für Angelus wohl ausgedacht hätte - bis er mir erzählte, was *er* sich übelegt hatte…

Ich muss zugeben, zuerst habe ich nicht wirklich verstanden worauf er hinauswollte. Aber nach einigen sehr detaillierten (um nicht zu sagen graphischen) Erklärungen begriff ich, weshalb er meine Unterstützung benötigte. Darla wird vor Wut sprühen! Angelus hat vor zu verlangen, dass sie gemeinsam mit Dru eine kleine Showeinlage im Schlafzimmer hinlegt. Und wenn ich mich bereit erkläre Dru zu überreden, wird er mir erlauben ein Teil des Publikums zu sein.

Man muss dazu sagen, in Vampirfamilien wie der unsrigen ist nichts Ungewöhnliches an solch einer Vereinigung. Darla und Dru haben sich schon oft bei zahlreichen Gelegenheiten geküsst oder berührt, wenn Angelus und ich sie gemeinsam im ausladenden Bett im Herren-Schlafzimmer genommen haben. Auch Partnertausch ist nicht unüblich. Aber dies hier war etwas vollkommen anderes, da Angelus und ich dieses Mal nur die Zuschauer ihre Lust sein würden… und dennoch – so wie er es beschrieben hat – würden wohl wir diejenigen sein, die die ganze Situation kontrollieren.

Jedenfalls ließ ich mich ohne größeres Nachdenken auf seinen Plan ein. Dru würde wohl kaum ein Problem darstellen, jedoch konnte ich dennoch sehen, weshalb er mich dabeihaben wollte. Als Drusillas Sire hatte Angelus jedes Recht ganz nach seinem Belieben über sie zu verfügen. Im Grunde genommen konnte er das mit uns beiden tun, genau wie Dru mir befehlen konnte und Darla uns allen. Dennoch – keiner von uns genoß es so sehr wie Angelus die Privilegien auszunutzen, die ihm durch das Vampirgesetz zustanden – deshalb kam es ja auch immer wieder zu diesen Prügelstrafen. Darla als das Oberhaupt der Familie war jedoch eine ganz andere Größenordnung. Aber dieses Problem blieb zum Glück ihm überlassen…

Einige Stunden später stand ich wieder im Empfangszimmer neben ihm. Ich hatte bereits mit Dru gesprochen und sie hatte der ganzen Sache begeistert zugestimmt. Sie hatte vor Entzücken in die Hände geklatscht, als ich ihr erklärte was Angelus vorhatte – die ganze Situation passte in ihre Sicht unserer verrückten kleinen Familie. Angelus räusperte sich und wartete bis ihm alle ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkten.

"Darla, meine Liebe. Du fragst dich wahrscheinlich schon wann ich endlich meinen Preis einfordern werde, der mir durch unsere kleine Wette von gestern Abend zusteht…" begann er.

"Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich allzu viel darüber nachgedacht habe," antwortete sie kühl. Man muss es ihr wirklich lassen, sie spielte ihre Rolle verdammt gut. Aber es ist schwer seine Angst vor anderen Vampiren zu verstecken. Angelus fuhr dennoch fort.

"Nun, ich habe mich entschieden, dass es keinen Grund gibt, weshalb dieser Spaß uns nicht allen zugute kommen sollte. Wir sollten diese Sache zu einer Familienangelegenheit machen, daher habe ich beschlossen, dass William und Drusilla uns Gesellschaft leisten sollen."

"Komm endlich zum Punkt, Angelus," zischte sie ihm zwischen zusammengebissenen Zähnen zu.

"Nun gut, wenn du darauf bestehst. William und ich möchten, dass ihr beide, du und Drusilla, eine kleine Showeinlage für uns aufführt. Und ich bin sicher, dass du verstehst, dass wir hier nicht von Gedicht-Aufsagen oder Ähnlichem sprechen… Morgen Nacht. Das sollte dir ausreichend Zeit geben dich vorzubereiten. Komm, William."

Ohne weiter auf den Begriff "kleine Showeinlage" einzugehen eilte er aus dem Empfangszimmer und ließ Darla mit einem Blick in den Augen zurück, mit dem sie uns beide problemlos hätte zu Staub verwandeln können. Ich zwinkerte meiner Dru zu, die grinsend an Darlas Seite saß, und folgte anschließend Angelus nach unten durch die Halle bis in sein Studierzimmer. Er schloss die Tür hinter mir und ließ sich – zu meinem höchsten Erstaunen – lachend dagegen fallen. Ich konnte nicht anders, ich musste mitlachen und wir beide kicherten bis uns die Tränen das Gesicht herunterliefen. Jedesmal wenn sich einer von uns wieder halbwegs gefangen hatte, machte der andere eine weitere Bemerkung über Darlas Gesichtsausdruck und es begann alles wieder von vorne.

Wir verbrachten die restliche Nacht gemeinsam während wir redeten, tranken und Pläne schmiedeten. Ich muss zugeben, dass es sehr amüsant, wenn auch zu Beginn etwas merkwürdig war. Wir schienen unser anfängliches Misstrauen und unsere Abneigung füreinander überwunden zu haben und ich begann das zu schätzen, was ich möglicherweise noch von ihm lernen konnte – und natürlich auch das, was ich ihn lehren konnte, würde er es nur zulassen. Ich würde nicht soweit gehen zu sagen, dass ich seine Anweisungen in Zukunft nicht mehr missachten werde oder dass ich ihn nicht gelegentlich wieder verärgere, aber vielleicht werde ich mich künftig nicht mehr so sehr darüber aufregen, wenn ich als Quittung für mein Verhalten mal wieder einige Zeit mit den Händen gegen die Wand seines Arbeitszimmers lehne.

Als wir schließlich hörten wie sich die Mädchen nach oben zurückzogen, verabschiedeten auch wir uns voneinander. Nachdem wir uns am Kopf der Treppe eine gute Nacht gewünscht hatten, zog sich Angelus leise in sein und Darlas Schlafzimmer zurück. Ich könnte schwören dass ich spürte, wie die Temparatur um einige Grad nach unten fiel, als er die Tür öffnete. Ich beneide ihn kein bisschen darum, dass er nun den ganzen Tag mit ihr verbringen muss.

Während ich dies hier alles aufschreibe beginnt der Morgen zu grauen und meine Dru wartet geduldig unter der Decke auf mich. Der heutige Tag war wirklich ziemlich interessant, aber ich vermute, dass der Morgige dies noch bei Weitem in den Schatten stellen wird…


Nächster Teil




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